Cameron Menzies hat in Leicester einen der emotionalsten ProTour-Siege seiner Karriere gefeiert. Der Schotte gewann Players Championship 23 durch ein 8:5 im Finale gegen Cristo Reyes – und machte damit nicht nur seinen dritten Players-Championship-Titel perfekt, sondern auch einen bemerkenswerten Turnaround nach Monaten voller Zweifel, Verletzungssorgen und mentaler Baustellen.
Sportlich war es ein Tag, der auf dem Papier schnell erzählt ist: Menzies spielte sich durch das Feld, schlug im Endspiel den überraschend starken Spanier Reyes und brachte den Titel mit einem Final-Average von 95,55 über die Linie. Doch genau dieser Sieg hatte eine zweite Ebene. Denn noch vor wenigen Monaten stand nicht die Frage im Raum, wann Menzies wieder ein ProTour-Event gewinnt – sondern ob seine Darts-Karriere überhaupt in dieser Form weitergeht.
Der Knackpunkt lag beim vergangenen World Championship-Auftritt im Alexandra Palace. Nach seiner Niederlage gegen Charlie Manby verlor Menzies die Kontrolle, schlug gegen einen Tisch und verletzte sich an der Hand. Es war ein Moment, der ihm nicht nur körperlich nachhing. Gegenüber The Scottish Sun ordnete Menzies den Tiefpunkt nun bemerkenswert offen ein: „Ich dachte, diese Tage wären vorbei. Es war ein hartes Jahr. Ich hatte Glück. Ich habe in diesem Jahr wirklich gekämpft – ich hätte nie gedacht, dass ich so ein Turnier noch einmal gewinne.“
Menzies spricht offen über Zweifel und den Weg zurück
Der Titel in Leicester war deshalb mehr als ein weiterer Eintrag in der Siegerliste. Menzies hatte sich nach dem Ally-Pally-Vorfall nicht nur mit einer Verletzung herumgeschlagen, sondern auch mit der Frage, ob der Schritt in den Darts-Vollzeitbetrieb wirklich tragfähig bleibt. Besonders deutlich wurde das, als er nach eigener Aussage bereits wieder in Richtung altes Berufsleben schaute.
„Vor zwei oder drei Monaten habe ich meinen Lebenslauf wieder online gestellt. Wirklich. Ich bekam Anrufe von Agenturen. Ich dachte ehrlich, dass meine Darts-Karriere gerade abrutscht“, sagte der Schotte im weiteren Verlauf des Gespräches. Genau diese Aussage zeigt, wie weit der Weg bis zu diesem Titel tatsächlich war. Aus dem Spieler, der 2025 noch vom Traum einer Vollzeitkarriere sprach, war zwischenzeitlich jemand geworden, der wieder über eine Rückkehr in den Job nachdachte.
Umso größer war die Erleichterung nach dem Finalerfolg gegen Reyes. Er selbst wollte daraus gar keine Hochglanzgeschichte machen. Er sprach nicht von perfektem Darts, nicht von Dominanz, nicht von einem rundum starken Jahr. Im Gegenteil: „Ich war dieses Jahr überhaupt nicht gut. Wenn du mir vor ein paar Jahren gesagt hättest, dass ich meinen dritten ProTour-Titel gewinne, hätte ich dich einen Idioten genannt.“ Gerade diese Mischung aus Selbstironie und Ehrlichkeit machte den Moment so greifbar.
Auch den Ally-Pally-Vorfall blendete der aus Glasgow stammende Spieler nicht aus. Er versuchte nicht, ihn kleinzureden oder schnell wegzuschieben. „Ich dachte, ich bin fertig. Ich habe einen Fehler gemacht. Ich habe meine Familie und meine Freunde enttäuscht“, sagte der Schotte. Dazu kam die klare Selbstkritik: „Ich muss akzeptieren, was ich getan habe. Es war dumm, was ich getan habe.“ Für einen Spieler, der seine Emotionen auf der Bühne selten versteckt, war das vielleicht der wichtigste Teil dieses Comebacks: nicht nur wieder zu gewinnen, sondern den eigenen Absturzpunkt offen einzuordnen.
Dass „Cammy“ den Weg zurückgefunden hat, schreibt er nicht allein dem Training oder einem sportlichen Kniff zu. Er sprach nach dem Titel auch über Unterstützung abseits des Boards – vor allem durch seine Freundin Suzanne und einen Life Coach. Menzies erklärte: „Ich habe starke Angstzustände. Dieser Life Coach hilft mir, mit dem Leben allgemein besser umzugehen. Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas brauche, aber solche Dinge helfen.“
Besonders wichtig sei für ihn auch die Stabilität im privaten Umfeld. „Ich bin im Moment an einem guten Ort im Leben. Ich habe zu Hause eine Freundin, die ein riesiger Darts-Fan ist. Sie würde für mich bis ans Ende der Welt fahren“, sagte der 37-Jährige. Und dann folgte der Satz, der diesen Titel vielleicht besser beschreibt als jede Statistik: „Wenn dein Leben zu Hause gut ist, ist dein Darts gut. Mein Darts war dieses Jahr schwach, aber mein Privatleben wird besser.“
Durch den Sieg in Leicester hat Cameron Menzies nicht nur seinen dritten Players-Championship-Titel gewonnen, sondern auch sein Ticket für das World Matchplay in Blackpool gelöst. Genau das macht diesen Erfolg sportlich zusätzlich wertvoll: Ausgerechnet in der heißen Phase vor einem der wichtigsten Majors liefert er den Beweis, dass er wieder Turniere gewinnen kann.
Natürlich war dieser Titel kein Beleg dafür, dass nun alles automatisch repariert ist. Menzies selbst sagte, es sei nicht einmal seine beste Leistung gewesen. Aber vielleicht war genau das der Punkt. Er musste in Leicester nicht perfekt sein. Er musste nur wieder da sein, kämpfen, die engen Momente annehmen und einen Finaltag zu Ende bringen. Nach allem, was seit dem Ally Pally passiert ist, war das für Cameron Menzies mehr als genug.
Aus einem beinahe kompletten Karriereknick ist damit ein ProTour-Titel geworden – und für Menzies vielleicht der emotional wichtigste Sieg seiner Laufbahn.










