Justin Hood hat gerade ein Problem, das im Dartsport eigentlich nach Luxus klingt: Sein Spitzname ist zu groß geworden. Was früher eine nette Anekdote aus County-Zeiten war, wurde bei der Darts-WM plötzlich zur Marke. Pinguin-Mütze, Walk-on, Publikumsliebling, Viertelfinale im Ally Pally – aus „Happy Feet“ wurde innerhalb weniger Tage mehr als nur ein Name auf der Spielerliste.
Genau dort beginnt die Sache unbequem zu werden. Wie der in Glastonbury ansässige Spieler in einem Interview mit Oche180 erklärte, habe Warner Bros. wegen des Namens Kontakt mit seinem Ausrüster Target aufgenommen. Der Hintergrund liegt auf der Hand: „Happy Feet“ ist auch der Titel des bekannten Animationsfilms um einen tanzenden Pinguin. „Warner Bros. hat sich bei Target gemeldet. Sie sagten, wir dürfen den Namen nicht verwenden, weil sie die Rechte am Film haben“, sagte er.
Damit war Hoods Kultname praktisch erledigt. Nicht, weil er sportlich nicht mehr passte. Nicht, weil die Fans ihn nicht mehr wollten. Sondern weil der Spitzname nach seinem WM-Lauf plötzlich kommerziell interessant wurde. Das ist die eigentliche Pointe dieser Geschichte: Solange Hood nur ein auffälliger Spieler mit witzigem Namen war, störte es offenbar niemanden. Als der Name verkaufbar wurde, war Schluss.
Dabei hatte „Happy Feet“ bei Hood ursprünglich gar nichts mit dem Film zu tun. Der Name entstand, weil er bei einem früheren Turnier keine passenden schwarzen Schuhe dabeihatte und ein viel zu großes Paar leihen musste. Aus dem Missgeschick wurde ein Spitzname, aus dem Spitznamen eine Identität – und bei der WM schließlich ein kleines Bühnenphänomen. „Spitznamen denkt man sich nicht selbst aus. So nennen dich andere Leute – und ich war immer Happy Feet“, sagte der 33-Jährige im weiteren Verlauf des Interviews.
Warum „Pocket Rocket“ wackelt
Als Ersatz musste schnell etwas Neues her. Hood läuft inzwischen als „Pocket Rocket“ auf. Doch auch dieser Name wirkt eher wie eine Notlösung als wie ein sauber gewachsener Darts-Spitzname. Hood machte selbst deutlich, dass es nicht um große kreative Romantik ging, sondern auch um Tempo: Merchandise, Verpackungen und Ausrüster-Material mussten schnell wieder marktfähig werden. „Wir haben Pocket Rocket vor allem gewählt, damit unsere Sachen schnell wieder auf den Markt kommen.“
Und jetzt kommt der nächste Haken: Hood hat nach eigener Aussage erfahren, welche Bedeutung „Pocket Rocket“ in Amerika haben kann. Gemeint ist eine zweideutige, eher sexuelle Konnotation. Deshalb könnte auch dieser Spitzname schon wieder zum Problem werden. Ausgerechnet der Name, der die Markenrechts-Baustelle lösen sollte, öffnet also die nächste Drama-Tür. Er sagte: „Ich habe erfahren, was Pocket Rocket in Amerika bedeutet. Vielleicht muss ich ihn wieder ändern, weil es etwas schmutzig ist.“
Das macht die Geschichte weniger harmlos, als sie auf den ersten Blick wirkt. Hood stolpert nicht einfach von einem lustigen Namen zum nächsten. Er steckt mitten in der modernen Darts-Realität: Spieler werden durch Social Media schnell zu Figuren, Figuren werden zu Marken, Marken brauchen Shirts, Flights und klare Rechte. Sobald ein Name funktioniert, gehört er plötzlich nicht mehr nur dem Spieler und den Fans.
Der Linkshänder erreichte bei seinem Debüt im Ally Pally sensationell das Viertelfinale, ehe Gary Anderson ihn stoppte. Dazu kam die zweite Kult-Ebene: seine öffentlich erzählte Idee, genug Preisgeld für ein chinesisches Restaurant zu verdienen. Selbst Luke Humphries wurde in diesem Zusammenhang als möglicher Partner ins Spiel gebracht.
Gegenüber The Sun beschrieb er auch, wie schnell sich sein Alltag seit der WM verändert hat. Aus einem relativ unbekannten Tourspieler wurde innerhalb weniger Tage ein Spieler, der plötzlich erkannt wird, Nachrichten bekommt und Erwartungen mit sich trägt. „Seit der WM war alles ein Wirbelsturm. Es ging von nichts zu Hunderten Nachrichten am Tag.“
Genau darin liegt der Kern dieser Story. „Happy Feet“ war echt, aber rechtlich heikel. „Pocket Rocket“ ist erlaubt, aber möglicherweise zweideutig. Und Hood steht irgendwo dazwischen: sportlich relevant genug, dass alle hinschauen, aber noch immer auf der Suche nach einem Namen, der zu ihm passt und nicht sofort das nächste Problem mitbringt.
Bis dahin bleibt die wahrscheinlich ehrlichste Lösung ohnehin die der Fans. Auf dem Papier mag Hood jetzt „Pocket Rocket“ heißen. Für viele wird er trotzdem weiter „Happy Feet“ bleiben.










