Beau Greaves steht vor den nächsten beiden ProTour-Turnieren in Leicester – und diesmal geht es um mehr als nur zwei weitere Tage auf dem Floor. Die Engländerin hat 2026 bereits Geschichte geschrieben, doch genau das macht ihre Ausgangslage vor den Players Championships 23 und 24 so spannend: Ihr Jahr ist nicht nur historisch, es kann noch deutlich größer werden.
Während bei einigen etablierten Namen zur Saisonmitte bereits die Warnlampen blinken, spielt die 22-Jährige gerade um zusätzliche Türen. Blackpool ist über das Women’s World Matchplay bereits sicher. Der Grand Slam of Darts ist ebenfalls kein ferner Traum mehr. Und auch der Blick in Richtung Alexandra Palace ist längst mehr als nur eine nette Randnotiz. Die große Frage lautet deshalb nicht, ob sie 2026 schon geliefert hat. Die Frage lautet: Wie weit kann dieses Jahr noch wachsen?
- Women’s World Matchplay: Blackpool-Start bereits sicher
- Grand Slam of Darts: über das World-Youth-Finale 2025 abgesichert
- Ally Pally: über Women’s Series und ProTour-Race realistisch
- Reguläres World Matchplay: nur über einen Best Case bei PC23/24 möglich
- Aktueller ProTour-Wert: 55.250 Pfund
- Best Case: Zwei PC-Siege würden sie auf 85.250 Pfund bringen
Die Ausgangslage zeigt, wie ungewöhnlich Greaves’ Saison inzwischen ist. Einige große Bühnen sind bereits sicher oder sehr nah, andere bleiben Rechenspiele für einen perfekten ProTour-Doppelpack. Wichtig ist dabei die Trennung: Das Women’s World Matchplay ist für „Beau ’n’ Arrow“ schon fix, das reguläre World Matchplay wäre dagegen nur über einen starken Best Case bei den Players Championships 23 und 24 erreichbar.
Greaves spielt längst um mehrere große Bühnen
Die Saison von der aktuellen Nummer 1 der Frauen lässt sich nicht mehr nur über einzelne Ausrufezeichen erzählen. Erst der Neun-Darter auf der PDC ProTour, dann der historische Titel bei Players Championship 11 – Beau Greaves hat in diesem Jahr Grenzen verschoben, die im Darts lange als kaum erreichbar galten. Seit ihrem 8:7-Finalsieg gegen Michael Smith ist sie nicht mehr nur die dominierende Figur im Frauen-Darts, sondern eine Spielerin, deren Ergebnisse auch im offenen PDC-Feld Gewicht haben.
Genau deshalb sind die kommenden Auftritte in Leicester mehr als ein normaler ProTour-Doppelpack. Greaves spielt dort nicht nur um Preisgeld und Matchpraxis, sondern auch um Einordnung. Kann sie nach ihrem historischen Titel weiter regelmäßig gegen Tourcard-Spieler bestehen? Kann sie ihren Platz im PDC-System stabilisieren? Und wie viele große Bühnen kommen in diesem Jahr noch dazu?
Das Women’s World Matchplay ist für Greaves bereits fest eingeplant. In Blackpool geht sie als Nummer 1 ins Turnier und trifft im Viertelfinale auf Kirsi Viinikainen. Damit ist ein Teil des Sommers schon klar. Gleichzeitig bringt genau dieses Turnier zusätzliche Bedeutung mit: Die Siegerin erhält Plätze für den Grand Slam of Darts und die PDC-Weltmeisterschaft. Für Greaves ist das aber eher zusätzliche Absicherung als Rettungsanker, denn ihre Saison bietet ohnehin mehrere Wege.
Beim Grand Slam ist sie bereits über ihr Finale bei der World Youth Championship 2025 abgesichert. Über die Women’s Series hätte sie zusätzlich noch eine weitere Tür offen, denn dort führt sie die Rangliste deutlich an. Auch für den Alexandra Palace ist diese Liste wichtig: Die Top 3 der finalen Women’s Series Order of Merit qualifizieren sich für die PDC-Weltmeisterschaft. Stand jetzt ist Greaves dort die klare Orientierungsspielerin.
Dazu kommt der ProTour-Weg im World-Championship-Race. Dort werden neben den Top 40 der Order of Merit auch die besten 40 noch nicht qualifizierten Spieler der ProTour Order of Merit berücksichtigt. Genau deshalb ist Ally Pally für die Spielerin aus Doncaster nicht nur über den Frauen-Darts ein Thema, sondern auch über ihre Ergebnisse auf der ProTour.
Damit entsteht ein anderer Blick auf ihre Saison. Bei vielen Spielern geht es im Sommer darum, Lücken zu schließen, Cut-offs zu retten oder eine schwache erste Jahreshälfte zu reparieren. Bei Greaves geht es eher darum, wie groß der Kalender am Ende wirklich wird. Women’s World Matchplay, Grand Slam, Ally Pally – vieles ist bereits konkret. Das reguläre World Matchplay wäre die ganz große Zusatzrechnung.
World Matchplay: Das Rechenspiel für den Best Case
Der schwierigste Weg führt zum regulären World Matchplay. Für Blackpool qualifizieren sich die Top 16 der PDC Order of Merit sowie die besten 16 noch nicht qualifizierten Spieler der ProTour Order of Merit. Vor dem Cut-off nach den Players Championships 23 und 24 steht Greaves im World-Matchplay-Race bei 57.500 Pfund. Entscheidend ist aber vor allem ihr ProTour-Wert: 55.250 Pfund.
Ein normal guter Lauf in Leicester würde daran wenig Grundsätzliches ändern. Für das reguläre World Matchplay bräuchte Greaves keinen ordentlichen Doppelpack, sondern einen echten Best Case. Zwei Turniersiege bei PC23 und PC24 würden 30.000 Pfund bringen und ihren ProTour-Wert auf 85.250 Pfund schieben. Ein Sieg plus Finale ergäbe 80.250 Pfund. Selbst Sieg und Halbfinale kämen noch auf 76.750 Pfund.
Das ist weit weg von einer einfachen Rechnung. Aber genau darin liegt der Reiz. Vor wenigen Monaten wäre schon die Frage absurd gewesen, ob Greaves über die ProTour noch in Richtung World Matchplay rechnen kann. Jetzt ist sie zumindest theoretisch auf dem Tisch. Nicht, weil der Weg leicht wäre, sondern weil ihre Saison durch den PC11-Titel eine völlig andere Basis bekommen hat.
Dortmund bleibt dagegen der schwerste Pfad. Für die European Championship zählen die Top 32 der European Tour Order of Merit, und in dieser Wertung hat die 22-Jährige bislang kein Preisgeld stehen. Rein rechnerisch kann sich auf der European Tour zwar schnell etwas verschieben, praktisch ist dieser Weg aber deutlich komplizierter als Blackpool, Wolverhampton oder der Alexandra Palace.
Für den Moment liegt der Fokus deshalb auf Leicester. Players Championship 23 und 24 sind keine TV-Bühne, kein großes Rampenlicht und kein fertiger Meilenstein. Aber sie können zeigen, ob Beau Greaves ihr historisches Jahr weiter öffnet. Women’s World Matchplay, Grand Slam und Ally Pally sind bereits echte Themen. Das reguläre World Matchplay bleibt die große Best-Case-Rechnung. Doch allein, dass dieses Szenario seriös durchgerechnet werden kann, sagt viel über die Saison von Beau Greaves aus.










