Michael van Gerwen steht noch immer dort, wo fast jeder Dartprofi gerne wäre: weit oben in der PDC Order of Merit. Aktuell wird der Niederländer weiter auf Rang vier geführt. Auf den ersten Blick sieht das stabil aus. Auf den zweiten Blick beginnt genau dort die eigentliche Formfrage vor dem World Matchplay.
Denn sein Rangplatz erzählt nur einen Teil der Wahrheit. Entscheidend ist, woraus sich sein Rankingpreisgeld zusammensetzt. Laut Dartsrankings stammen bei ihm rund £412.000 aus 2024, £214.250 aus 2025 und nur £88.000 aus 2026. Insgesamt steht van Gerwen bei etwa £714.250. Das bedeutet: Fast 58 Prozent seiner aktuellen Ranglistenbasis hängen noch an Preisgeld aus dem Jahr 2024.
Genau das ist das Warnsignal. MvG ist nicht plötzlich weg vom Fenster. Aber seine Preisgeldkurve fällt deutlich. Im PDC-System ist das mehr als nur eine Zahlenspielerei. Wer über längere Zeit weniger Rankinggeld einspielt, zeigt damit auch eine Formkurve. Nicht jede Niederlage ist ein Drama, nicht jeder Titel automatisch ein Comeback. Am Ende misst die Order of Merit ziemlich nüchtern, wer auf den relevanten Bühnen liefert.
Rang vier sieht stabiler aus, als er ist
Natürlich hat van Gerwen 2026 bereits gewonnen. Er holte World-Series-Titel, gewann eine Premier-League-Nacht und hatte auch in einzelnen Topspielen wieder diesen alten MvG-Zug zum Board. Solche Erfolge sehen gut aus, bringen Aufmerksamkeit und bessern das Preisgeldkonto abseits der Rangliste auf. Für die PDC Order of Merit sind sie aber nur begrenzt oder gar nicht relevant.
Das ist der entscheidende Unterschied. World Series und Premier League sind Schaufenster. Für die Rangliste zählt der Kassensturz aus Rankingturnieren: Players Championships, European Tour, Majors und Weltmeisterschaft. Dort hat der 37-Jährige 2026 bislang deutlich weniger nachgelegt als in den Jahren zuvor.
Sein Sieg bei Players Championship 15 war deshalb wichtig. Die PDC bezeichnete diesen Titel als van Gerwens ersten PDC-Rankingtitel seit über zwölf Monaten. Genau solche Turniere sind es, die seine Position wirklich stabilisieren können. Ein einzelner ProTour-Titel dreht aber noch keine Kurve, wenn mehr als die Hälfte der aktuellen Basis aus 2024 stammt.
Auch der Blick nach vorne macht die Lage brisant. In der Post-WM-Projektion von Dartsrankings wird van Gerwen derzeit nur noch bei £353.750 und Rang 20 geführt. Das ist keine endgültige Prognose, weil er natürlich in der zweiten Saisonhälfte noch viel Preisgeld gewinnen kann. Aber es zeigt, wie viel Druck entsteht, sobald alte Preisgelder herausfallen und nicht genug Neues nachkommt.
Genau deshalb kommt das World Matchplay für Michael van Gerwen zum richtigen Zeitpunkt – oder zum gefährlichen. Blackpool bietet viel Preisgeld, viel Prestige und genau jene Bühne, auf der er früher regelmäßig seine Autorität ausgespielt hat. Doch diesmal reicht die Aura allein nicht. Der Rangplatz sagt noch immer: Weltspitze. Der Blick in die Order of Merit sagt aber etwas anderes: Die Formkurve wird nicht am Namen gemessen, sondern an dem Preisgeld, das in den relevanten Turnieren nachkommt.
Bereit fürs World Matchplay? Noch lange nicht im alten van-Gerwen-Sinn. Van Gerwen bleibt gefährlich, weil seine Klasse jederzeit für einen Titel reichen kann. Aber wer seine aktuelle Lage verstehen will, muss unter Rang vier schauen. Dort zeigt die Order of Merit eine klare Entwicklung: 2026 liefert bislang nicht genug neues Rankinggeld, während die starke Basis aus 2024 nach und nach an Gewicht verliert. Genau deshalb steht Michael van Gerwen vor Blackpool nicht nur sportlich unter Beobachtung. Er muss beweisen, dass seine Formkurve wieder steigt – bevor sie sich auch in der Tabelle bemerkbar macht.










