Ricky Evans kämpft weiter gegen Arthritis: „Du müsstest mich von der Bühne ziehen“

Ricky Evans bleibt einer der auffälligsten Charaktere auf der PDC-Tour – schnell am Board, beliebt bei den Fans, immer für einen besonderen Ally-Pally-Moment gut. Hinter dem Showman steckt derzeit aber auch ein Spieler, der körperlich und mental einiges wegstecken muss. Im Gespräch mit Oche180 sprach er offen über seine anhaltenden Beschwerden, den Druck auf der ProTour und die wichtige Rolle seiner Freundin.

Der 35-Jährige leidet weiterhin unter Arthritis-Problemen und Beschwerden an Füßen, Beinen und Armen. Das macht seinen Alltag auf der Tour nicht einfacher. Gerade auf der ProTour, wo kaum ein Spiel verlässlich planbar ist und selbst starke Leistungen nicht automatisch Siege bringen, spürt er die Schwankungen besonders deutlich und sagte: „Ich gehe zu diesen Pro-Tour-Turnieren und bin niedergeschlagen, wenn ich verliere. Dann spiele ich einen 97er-Average und denke: Was soll das eigentlich? Aber ich muss einfach weitermachen, mich fokussieren und den Spaß behalten.“

Diese Mischung aus Frust und Trotz zieht sich durch Ricky Evans’ Aussagen. Er weiß, dass das Niveau im Darts enorm gestiegen ist. Ein hoher Average kann heute trotzdem das Aus bedeuten, während an anderen Tagen ein deutlich schwächerer Auftritt reicht, um irgendwie durchzukommen. Für ihn ist genau das zugleich Problem und Reiz des Sports.

Ganz vom Darts loslassen würde „Rapid“ ohnehin nicht. Selbst der Gedanke an einen möglichen Verlust der Tour Card klingt bei ihm nicht nach Kapitulation, sondern eher nach Kampfansage. Evans machte deutlich, dass er noch lange nicht fertig ist. „Ich werde nicht hinschmeißen oder in nächster Zeit aufgeben. Wenn ich von der Tour falle, wen kümmert’s? Es gibt so viel Darts da draußen. Du müsstest mich schon von der Bühne ziehen, wenn ich meine Tour Card verliere“, sagte die Nummer 48 der Welt im weiteren Verlauf des Gespräches.

Freundin, Familie und der nächste Anlauf in Leicester

Besonders emotional wurde Evans, als es um seine Freundin ging. Seit rund 15 Monaten ist sie an seiner Seite – und für Evans offenbar weit mehr als nur Rückhalt nach Niederlagen. Sie hilft ihm, mit den körperlichen Problemen umzugehen, gibt ihm Rat, kümmert sich um Termine und versucht, ihn auch nach schwierigen Turniertagen wieder aufzubauen. Der 35-Jährige sagte dazu: „Meine Freundin ist großartig. Ich habe früher nie wirklich verstanden, wenn Spieler gesagt haben, dass ihre Partner ein Schlüssel zu ihrem Erfolg sind. Jetzt merke ich selbst, wie wichtig das sein kann.“

Evans beschrieb, dass seine Freundin ihn bei den gesundheitlichen Themen unterstützt, ohne dass sie es müsste. Genau das scheint ihn zusätzlich anzutreiben. Der Engländer sprach davon, ihr und auch seiner Familie eines Tages sportlich etwas zurückgeben zu wollen. Seine Eltern hätten ihn früher als Jugendspieler quer durchs Land gefahren und damit überhaupt erst ermöglicht, dass er diesen Weg gehen konnte.

Auch Alexandra Palace bleibt für ihn ein besonderes Thema. Bei der PDC-WM hat er schon große Namen geschlagen, darunter Nathan Aspinall, James Wade, Dave Chisnall und Simon Whitlock. Trotzdem blieb der ganz große Lauf nach Weihnachten bislang aus. Evans selbst kann nicht genau greifen, warum er als Außenseiter oft gefährlicher wirkt als in Partien, in denen plötzlich mehr Erwartung auf ihm liegt.

„Ich liebe es, der Außenseiter zu sein. Ich habe Chisnall, Wade, Aspinall und Whitlock geschlagen. Ich kann dort spielen. Ich habe ihnen Weihnachten und ihre WM verdorben“, erklärte der aus Kettering stammende Profi.

Der Satz passt zu Evans: halb Spaß, halb Wahrheit. Denn bei aller Leichtigkeit seiner Walk-ons und seiner schnellen Würfe geht es für ihn sportlich um ernste Themen. Er will zurück nach Alexandra Palace, er will die schwierigen Tage auf der Pro Tour besser wegstecken und er will zeigen, dass sein Platz im PDC-Zirkus noch nicht nur an Erinnerungen hängt.

Der nächste sportliche Prüfstein lässt nicht lange auf sich warten. Evans steht laut PDC-Meldeliste auch bei Players Championship 23 und 24 in Leicester im Feld. Die beiden ProTour-Events werden am 6. und 7. Juli 2026 in der Mattioli Arena gespielt. Für Evans ist es damit direkt die nächste Gelegenheit, genau das umzusetzen, worüber er gesprochen hat: weiterwerfen, dranbleiben – und vielleicht aus einem dieser Pro-Tour-Tage wieder einen guten Tag machen.

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