Mitchell Lawrie ist erst 15 Jahre alt und bereits die aktuelle Nummer eins der WDF-Rangliste. Trotzdem will sich Schottlands großes Darts-Talent nicht über Vergleiche definieren lassen, sondern seinen eigenen Weg gehen.
Der aus Renfrew in Schottland stammende Spieler gehört längst zu den spannendsten Namen im Nachwuchs-Darts. Der 15-Jährige hat schon jetzt genug Aufmerksamkeit gesammelt, um automatisch in eine Schublade gesteckt zu werden: jung, erfolgreich, auffällig – also folgt fast zwangsläufig der Vergleich mit „The Nuke“. Genau dagegen wehrt sich Lawrie nicht laut, aber deutlich.
Im Gespräch mit Bang-on-Target machte der Youngster klar, dass er sich nicht als Kopie eines anderen Spielers sieht. Littler habe zwar enorm viel für den Sport getan, trotzdem wolle Lawrie nicht dauerhaft über diesen Vergleich definiert werden. „Ich habe schon oft gesagt, dass ich einfach meine eigene Identität haben möchte. Luke war großartig für den Dartsport, aber ich werde immer Mitchell Lawrie sein“, sagte er.
Dieser Satz trifft den Kern. Seit Littler den Dartsport im Teenageralter auf links gedreht hat, wird nahezu jedes große Nachwuchstalent an ihm gemessen. Für den Schotten ist das Chance und Risiko zugleich. Einerseits zeigt Littlers Aufstieg, wie schnell junge Spieler heute auf große Bühnen kommen können. Andererseits entsteht dadurch ein Erwartungsdruck, der sportlich nicht immer fair ist.
Warum der Vergleich für Lawrie zur Falle werden kann
Lawrie ist längst mehr als nur ein interessanter Name aus der Jugend-Szene. Der 15-Jährige führt aktuell die WDF-Rangliste an und stand bereits im Finale der WDF-Weltmeisterschaft in Lakeside. Damit zählt er nicht nur im Nachwuchsbereich, sondern auch auf der großen WDF-Bühne zu den auffälligsten Spielern seiner Generation.
Interessant ist dabei auch, wie stark er schon jetzt eine eigene Marke entwickelt. Sein Spitzname „Wee Sox“ ist keine Marketingidee, sondern kommt aus der Familie. Er erklärte im weiteren Verlauf des Interviews den Ursprung so: „Er kam von meinem Opa Dougie, als ich klein war, und ist immer geblieben – inzwischen nennt mich die ganze Familie so.“
Gemeinsam mit Owen Bryceland steht er für eine neue schottische Generation. Bryceland, der unter dem Spitznamen „The Bandit“ antritt, erzählte im selben Interview, dass dieser Name ebenfalls sehr bodenständig entstanden sei: „Meine Eltern haben ihn sich vor ein paar Jahren einfach überlegt, und wir fanden, dass er zu mir passt – also sind wir dabei geblieben.“
Genau diese Mischung macht die Geschichte für Schottland spannend. Gary Anderson und Peter Wright haben dem Land über Jahre Weltklasse-Status gegeben. Dahinter stellt sich aber längst die Frage, wer die nächste Generation prägen kann. „Wee Sox“ und Bryceland liefern darauf noch keine endgültige Antwort, aber sie sorgen dafür, dass diese Frage wieder relevanter wird. Bei Mitchell Lawrie ist der Anspruch jedenfalls klar. Auf die Frage, wo er sich in zehn Jahren sehe, brauchte er keine große Erklärung. Seine Antwort: „Hoffentlich Weltmeister.“
Das klingt groß, passt aber zu einem Spieler, der schon jetzt nicht den Eindruck macht, als wolle er sich mit kleinen Etappenzielen zufriedengeben. Der entscheidende Punkt bleibt trotzdem seine Haltung. Die aktuelle Nummer 1 der WDF nimmt den Hype um junge Spieler wahr, aber er will ihm nicht hinterherlaufen. Wer im Dartsport langfristig oben ankommen will, braucht nicht nur Scoring, Timing und Nervenstärke. Er braucht auch ein Gefühl dafür, wer er selbst sein will.
Der 15-Jährige hat genau das früh formuliert. Er sucht seinen eigenen Weg. Und vielleicht ist gerade das der beste Anfang.










