Luke Littler hat im Darts längst die Phase verlassen, in der man nur über den nächsten Titel spricht. Inzwischen geht es um größere Fragen: Wie lange kann er die Weltrangliste anführen? Welche Rekorde fallen als Nächstes? Und wie weit reicht diese Dominanz, wenn sie gerade erst begonnen hat?
Paul Nicholson sieht den 19-Jährigen auf einem Weg, der direkt in Richtung Michael van Gerwen führt. Nicht zwingend im direkten Karrierevergleich, sondern bei einem der beeindruckendsten Langzeitwerte der modernen PDC: Van Gerwen war sieben Jahre lang die Nummer eins der Welt. Genau diese Marke könnte der Engländer nach Ansicht Nicholsons irgendwann angreifen.
Gegenüber Sporting Life ordnete Nicholson Littlers Jahr entsprechend deutlich ein. „Es ist schwierig, woanders hinzuschauen. Luke Littler ist fast zu einer Major-Maschine im Stil von Phil Taylor geworden“, sagte der frühere Players-Championship-Finals-Sieger.
Der Vergleich ist groß, aber nicht zufällig gewählt. „The Nuke“ hat in diesem Jahr bereits die Weltmeisterschaft, die World Masters, die UK Open, die Premier League und den World Cup of Darts gewonnen. Damit geht es längst nicht mehr nur um Talent oder Hype. Es geht um Titel in Serie – und vor allem um Titel auf den größten Bühnen.
Littler sammelt nicht alles – aber die größten Pokale
Nicholson sieht genau darin den entscheidenden Punkt. Der 19-Jährige müsse nicht jedes Turnier im Kalender gewinnen, um eine Ära zu prägen. „Er versucht nicht, jedes Turnier im Kalender zu gewinnen. Stattdessen erreicht er bei den größten Anlässen seine Höchstform, sammelt die größten Pokale und bringt sich in eine Position, um die Weltrangliste auf Jahre hinaus zu dominieren“, erklärte Nicholson.
Das ist der Unterschied zwischen einer starken Saison und echter Dominanz. Littler wirkt nicht wie ein Spieler, der überall ein bisschen dabei ist. Er wirkt wie einer, der seine Energie auf die Momente bündelt, in denen Geschichte geschrieben wird. Genau deshalb verschiebt sich auch die Diskussion um ihn.
„Was faszinierend ist: Wir fangen jetzt an, weniger darüber zu sprechen, was er gewonnen hat, und mehr über die Rekorde, die er brechen könnte“, sagte Nicholson. Und damit trifft er einen Punkt, der im Darts nur ganz wenigen Spielern vorbehalten ist. Bei den meisten Profis fragt man nach Form, Auslosung oder nächstem Titel. Bei Littler geht es inzwischen um historische Vergleichsmarken.
Aktuell steht Littler bei rund 2,95 Millionen Pfund in der Order of Merit und nähert sich damit einer Grenze, die im Darts bislang niemand erreicht hat: drei Millionen Pfund Preisgeld in der Weltrangliste. Gleichzeitig läuft seine Zeit als Nummer eins erst an. Seit November führt er die Rangliste an, der Weg zu van Gerwens Rekord ist also noch lang. Aber genau das macht die Debatte spannend.
Nicholson formulierte es klar: „Michael van Gerwen war sieben Jahre lang die Nummer eins der Welt. Wenn Littler auf diesem Niveau weitermacht, besteht jede Chance, dass er das übertrifft.“ Das ist keine Garantie, aber ein bemerkenswerter Maßstab für einen Spieler, der mit 19 Jahren längst nicht mehr nur als Zukunft des Sports gilt.
Ein Grund dafür ist aus Nicholsons Sicht Littlers Denkweise. „Was ich am meisten bewundere, ist seine Mentalität. Luke behandelt Darts fast wie ein Computerspiel“, sagte er. Jede Saison bringe ein neues Level, jeder Titel eine neue Aufgabe, jeder Rekord die nächste freischaltbare Herausforderung.
Genau dieses Bild passt erstaunlich gut zum Engländer. Er wirkt selten satt, selbst wenn er längst Dinge gewinnt, von denen andere Profis eine ganze Karriere träumen. Erst ein Major, dann die Titelverteidigung, dann der nächste Rekord, dann der nächste große Vergleich. Der Druck, der andere erdrücken könnte, scheint für ihn eher wie ein Spielstand zu funktionieren: nächstes Level, nächste Mission.
Natürlich bleibt die Jagd auf van Gerwens Rekord ein Langzeitprojekt. Sieben Jahre an der Spitze sind im modernen Darts brutal schwer, gerade weil die Konkurrenz breiter und jünger wird. Aber genau deshalb ist Nicholsons Einschätzung so interessant. Er wird nicht mehr nur an einzelnen Turnieren gemessen. Er wird an Ären gemessen.
Und das sagt vielleicht mehr über seinen Status als jeder einzelne Pokal. Luke Littler ist nicht mehr nur der Spieler, der gerade gewinnt. Er ist der Spieler, bei dem man schon jetzt fragt, welche historischen Grenzen er als Nächstes verschiebt.










