Für Rhys Griffin beginnt bei den European Darts Open in Leverkusen ein neues Kapitel. Der Waliser steht erstmals auf einer European-Tour-Bühne und bekommt es in der ersten Runde mit Karel Sedlacek zu tun. Für Griffin ist dieses Match mehr als nur ein weiterer Start im PDC-Kalender. Es ist die Belohnung für einen langen Weg, der über Rückschläge, verpasste Chancen und die Rückkehr über die Q-School führte.
Die European Darts Open gehören zu den traditionsreichen Stationen der European Tour. Gespielt wird vom 10. bis 12. Juli in der Ostermann-Arena, 48 Spieler stehen im Feld. Für ihn ist Leverkusen damit genau die Bühne, auf die er lange hingearbeitet hat. Nicht als großer Name, nicht als Favorit, aber als Spieler, der sich diesen Moment mehrfach erkämpfen musste.
Im Gespräch mit dem Weekly Dartscast machte „Happy Gilmore“ deutlich, wie besonders dieses Debüt für ihn ist. „Ich habe lange darauf warten müssen“, sagte der 29-Jährige.
Dieser Satz beschreibt ziemlich gut, warum sein Auftakt gegen Sedlacek interessant ist. Der mittlerweile in Bolton lebende Spieler kommt nicht mit einer langen European-Tour-Historie nach Leverkusen. Er kommt mit der Energie eines Spielers, der viele Qualifier gespielt, viele Enttäuschungen verarbeitet und nun endlich den Sprung auf diese Bühne geschafft hat.
Der Gegner bringt dagegen genau die Art Erfahrung mit, die ein Debüt schnell unangenehm machen kann. Sedlacek ist robust, ruhig und schwer aus dem Rhythmus zu bringen. Für ihn wird es deshalb nicht reichen, nur von der Atmosphäre zu leben. Er muss den Moment annehmen, ohne sich von ihm auffressen zu lassen.
Genau darin sieht der 29-Jährige aber keinen Nachteil. Die Erwartungen liegen nicht auf seinen Schultern. Im Weekly Dartscast formulierte er es knapp: „Ich bin nicht nervös. Niemand erwartet etwas von mir.“
Leverkusen als nächster Schritt nach der Q-School
Dass er überhaupt wieder an diesem Punkt steht, war nicht selbstverständlich. Sein erstes Jahr als Tour-Card-Inhaber verlief nicht so stabil, wie er es sich erhofft hatte. In Qualifikationsturnieren zeigte er immer wieder, dass sein Niveau reicht. Auf der Pro Tour bekam er diese Leistungen aber nicht konstant genug zusammen. Am Ende verlor er seine Tour Card und musste zurück zur Q-School.
Auch abseits des Boards musste „Happy Gilmore“ Entscheidungen sortieren. Er hatte seinen Beruf aufgegeben, um sich komplett auf den Dartsport zu konzentrieren. Was nach mehr Ruhe und Fokus klang, erzeugte in der Praxis zusätzlichen Druck. Finanziell, mental, sportlich. Inzwischen arbeitet er wieder und wirkt dadurch stabiler. Der Dartsport ist für ihn nicht weniger wichtig geworden, aber offenbar besser eingebettet.
Die Rückkehr über die Q-School war deshalb mehr als nur ein sportlicher Neustart. Er sicherte sich seine Tour Card direkt am ersten Tag der Final Stage zurück. Diese Woche bleibt für viele Spieler eine der härtesten Prüfungen im Kalender, weil es dort nicht nur um ein Turnier, sondern um berufliche Perspektiven geht. Griffin kennt beide Seiten: das Warten, das Rechnen, den Druck – und den Moment, wenn es endlich reicht.
„Ich hoffe wirklich, dass ich nie wieder dorthin muss“, sagte Griffin im Weekly Dartscast. Leverkusen ist nun der nächste sichtbare Schritt dieses Comebacks. Bei den European Darts Open geht es für Griffin nicht nur um Runde zwei, sondern um den Nachweis, dass er solche Bühnen inzwischen anders spielen kann. Sollte er Sedlacek schlagen, würde in der zweiten Runde Jonny Clayton warten. Allein dieser mögliche Anschluss zeigt, wie schnell ein European-Tour-Debüt größer werden kann.
Für Griffin ist das aber zunächst Zukunftsmusik. Sein Fokus liegt auf dem ersten Auftritt, dem ersten Walk-on, den ersten Legs auf der European Tour. Gerade bei Debüts entscheidet oft weniger die Vorgeschichte als der Start ins Match. Ein frühes Break, sichere Doppel, ein paar saubere Aufnahmen – und plötzlich wird aus Nervosität Rhythmus.
Die European Darts Open bekommen durch Griffin keinen lauten Star-Aufhänger, aber eine gute Sportgeschichte. Ein Spieler, der lange auf diesen Moment warten musste, trifft auf einen erfahrenen Gegner und eine Bühne, die ihm bislang fehlte. Niemand erwartet den großen Lauf. Genau deshalb kann Leverkusen für Rhys Griffin der richtige Ort sein, um endlich auf der European Tour anzukommen.









