James Wade will nicht als Miesepeter gelten – und glaubt weiter an große Titel

James Wade ist seit Jahren einer der Spieler, die man am Board nur schwer aus der Ruhe bringt. Der Engländer wirkt kontrolliert, oft trocken, manchmal fast unnahbar. Genau dieses Bild will er vor dem World Matchplay in Blackpool ein Stück weit korrigieren. Nicht mit großen Gesten, sondern mit etwas mehr Offenheit.

Der 43-Jährige hatte im vergangenen Jahr das Finale beim World Matchplay gegen Luke Littler verloren. Auch bei den letzten beiden UK Open stand Wade jeweils im Endspiel – und musste sich beide Male Littler geschlagen geben. Trotzdem ist der Weltranglistensechste überzeugt, dass seine Zeit auf der großen Bühne noch nicht vorbei ist.

Bei Oche180 sprach Wade nun über sein Image, seine jüngsten Auftritte in den sozialen Medien und die Frage, warum er manchmal mürrischer wirkt, als er eigentlich ist. „Ich möchte den Leuten einfach zeigen, dass ich nicht so miesepetrig bin, wie ich rüberkomme“, sagte Wade gegenüber Oche180. „Manche von uns sind glücklich, aber wir müssen nicht die ganze Zeit unsere Zähne zeigen“, sagte „The Machine“.

Dass James Wade zuletzt mehr von sich zeigte, sei keine Reaktion auf andere Spieler. Er habe diese Entscheidung bewusst getroffen. Der Engländer versucht, die Dinge lockerer zu nehmen und abseits des Boards etwas mehr von seiner Persönlichkeit sichtbar zu machen. Aus ihm wird dadurch kein Showspieler. Aber der alte Eindruck vom grimmigen Dauerprofi bekommt zumindest Risse.

Sportlich bleibt er ohnehin ein Sonderfall. Elf Major-Titel, ein World-Matchplay-Sieg aus dem Jahr 2007 und eine Karriere, die mehrere PDC-Generationen überstanden hat. Während viele Spieler kamen und wieder verschwanden, blieb er in der Weltspitze. Genau deshalb wirken seine jüngsten Finalniederlagen nicht wie ein Schlusspunkt, sondern eher wie verpasste Möglichkeiten.

Wade hadert mit verpassten Darts gegen Littler

Besonders das World Matchplay-Finale gegen Littler beschäftigt den 43-Jährigen noch immer. In der entscheidenden Phase hatte er mehrere Darts, um 15:14 in Führung zu gehen. Er nutzte sie nicht. Für ihn war das kein Detail, das man einfach wegschiebt, sondern der Moment, an dem ein mögliches Finale kippte und so sagte er im weiteren Verklauf des Gespräches: „Ich glaube immer noch, dass ich noch ein paar TV-Titel gewinnen werde, bevor ich aufhöre“, und fügte hinzu: „Ich war nicht gut genug, das ist die Antwort.“

Diese Selbstkritik passt zu m Engländer. Er sucht nicht lange nach Ausreden, sondern benennt den Punkt, der ihn selbst am meisten stört. Gegen Littler hatte er die Chance, ein langes Finale auf seine Seite zu ziehen. Dass ihm genau dort die Doppel entglitten, ordnet er nüchtern im Interview ein und sagte: „Beim World Matchplay hatte ich drei oder vier Darts, um 15:14 in Führung zu gehen, und habe sie nicht getroffen“, sagte die aktuelle Nummer 6 der Welt. und merkte an: „In einem so langen Spiel ist das einfach schlecht.“

Vor dem nächsten Anlauf in Blackpool bleibt damit eine klare Frage: Bekommt „The Machine“ die großen Momente noch einmal sauber zu Ende gespielt? Sein Spiel ist weiter stark genug, um auf TV-Bühnen weit zu kommen. Seine Erfahrung ist ohnehin kaum zu ersetzen. Aber gegen Spieler wie Littler reicht es nicht, nur lange mitzuhalten. Die entscheidenden Darts müssen sitzen.

Auch abseits des Boards versucht der Engländer, alte Muster zu durchbrechen. Beim US Masters in New York habe er mehr unternommen als sonst. Normalerweise bleibe er in der Nähe des Hotels, suche sich ein Restaurant in direkter Umgebung und ziehe sich danach wieder zurück. Inzwischen zwinge er sich bewusst dazu, andere Wege zu gehen.

Er begründete das auch mit seinen Kindern. Er wolle nicht, dass sie dieselben Unsicherheiten übernehmen. Wenn er heute in ein Restaurant wolle, dann laufe er eher bewusst eine längere Strecke, statt nur die bequemste Option direkt neben dem Hotel zu wählen.

Damit kommt Wade mit einer ungewohnten Mischung nach Blackpool. Auf der einen Seite steht der erfahrene Profi, der weiter an große TV-Titel glaubt. Auf der anderen Seite ein Spieler, der versucht, sich selbst etwas mehr zu öffnen. James Wade wird dadurch nicht plötzlich laut. Aber vielleicht reicht es schon, wenn er ein bisschen weniger verschlossen wirkt – und am Board wieder genau die Darts trifft, die zuletzt gefehlt haben.

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