Joe Cullen erklärt seinen Wurf – warum links am Oche für ihn die Mitte ist

Jeder Dartspieler hat seine Eigenheiten. Der eine steht fast kerzengerade vor dem Board, der andere dreht den Körper stärker ein, wieder andere suchen über Jahre nach dem perfekten Fußpunkt am Oche. Bei Joe Cullen sieht es für Zuschauer manchmal so aus, als würde er ziemlich weit links stehen. Für ihn selbst fühlt sich genau diese Position aber völlig gerade an.

Der Engländer hat seine Wurftechnik in einem Clip von Winmau genauer erklärt. Der entscheidende Punkt: Der 36-Jährige orientiert sich nicht daran, wie seine Position von außen wirkt, sondern daran, wie sich sein Arm zur Boardmitte bewegt. „Ich stehe links am Oche“, sagte Joe Cullen. Der Grund dafür sei simpel: „Mein Arm zeigt im Grunde auf die Mitte des Dartboards.“

Was von außen also wie ein seitlicher Stand wirkt, ist für Cullen die natürlichste Linie. Er habe nicht das Gefühl, von irgendwo anders zu werfen. „Für mein Gefühl stehe ich exakt in einer Linie mit der Mitte des Boards“, erklärte er. Sobald sein Arm hochgeht, fühlt es sich für ihn so an, als sei er direkt auf die Mitte ausgerichtet.

Warum es im Darts keine perfekte Standardhaltung gibt

Genau darin liegt der spannende Technikpunkt. Darts sieht oft nach Wiederholung und Perfektion aus, aber diese Perfektion ist bei jedem Spieler anders gebaut. „The Rockstar“ steht nach eigener Aussage nahezu gerade und fühlt sich in dieser Haltung am wohlsten. „Ich stehe eigentlich einfach gerade. Das ist für mich die bequemste Haltung“, sagte er.

Andere Profis lösen dieselbe Aufgabe völlig anders. Chris Dobey etwa steht laut Cullen deutlich schräger. Für ihn selbst wäre das nichts: „Chris Dobey steht viel schräger. Für mich fühlt sich das an, als würde ich mir den Knöchel brechen.“ Gleichzeitig zeigt genau dieses Beispiel, dass es im Darts nicht die eine richtige Haltung gibt. Entscheidend ist, ob sie für den jeweiligen Spieler stabil und wiederholbar funktioniert.

Auch Luke Humphries nennt er als Gegenbeispiel. Der Weltklasse-Spieler steht sehr gerade zum Board. Damit zeigt sich: Selbst auf höchstem Niveau führen unterschiedliche Körperhaltungen zum Erfolg, solange sie für den Spieler natürlich sind und unter Druck abrufbar bleiben.

Bemerkenswert ist auch, dass Cullen keinen festen Referenzpunkt nutzt. Keine spezielle Markierung, keine genaue Linie, kein Ritual mit dem Fuß. „Nein, ich habe keinen Referenzpunkt. Ich weiß einfach, dass ich links am Oche stehen muss. Das ist es, was für mich funktioniert“, erklärte er.

Das macht Cullens Erklärung so interessant. Sie zeigt, dass Technik im Darts nicht immer nach Lehrbuch aussehen muss. Entscheidend ist nicht, ob der Stand für Zuschauer gerade wirkt. Entscheidend ist, ob der Spieler seine Linie findet, ihr vertraut und sie unter Druck wiederholen kann.

Bei Joe Cullen beginnt diese Linie links am Oche. Für ihn ist sie trotzdem der direkte Weg zur Mitte.

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