Wessel Nijman vor dem Major-Härtetest – Jetzt wartet das englische Publikum

Wessel Nijman hat 2026 längst Zahlen gesammelt, bei denen man zweimal hinschauen muss. Sechs Players-Championship-Titel in einem Kalenderjahr, zwei Titel auf der European Tour und eine Serie starker Averages, die ihn Woche für Woche wie einen der stabilsten Spieler der Saison aussehen lässt. Trotzdem fehlt dem Niederländer noch der eine Schritt, der aus einer starken Saison eine große Darts-Geschichte macht: der Durchbruch bei einem TV-Major.

Genau darum geht es jetzt. Der 26-Jährige hat auf dem Floor geliefert, auf der European Tour geliefert und gezeigt, dass seine Entwicklung kein kurzer Formlauf ist. Aber die größten Prüfungen im Darts kommen nicht nur über Zahlen. Sie kommen über Bühne, Gegner, Erwartung – und manchmal über ein Publikum, das ziemlich klar auf der anderen Seite steht.

Paul Nicholson sieht darin den entscheidenden nächsten Test. Gegenüber Sporting Life, sagte der frühere Major-Sieger: „Wenn Littler der größte Name war, hat Wessel Nijman den größten Sprung gemacht.“ Das ist eine starke Einordnung, denn Nijman steht längst nicht mehr nur für Talent. Er steht für Ergebnisse.

Nicholson verwies dabei auf die Dimension seiner Saison: „Acht Ranglistentitel, bevor wir überhaupt den Juli erreicht haben, sind außergewöhnlich, darunter zwei auf der European Tour.“ Der Vergleich ist entsprechend groß. Sollte der Niederländer in diesem Tempo weitermachen, könnte er in Bereiche vorstoßen, die bisher nur absolute Schwergewichte erreicht haben.

Vom Floor-Dominator zum TV-Major-Kandidaten?

Der spannende Punkt ist aber nicht nur, wie viele Titel Wessel Nijman gewonnen hat. Entscheidend ist, wo er sie gewonnen hat. Nicholson hob genau das hervor und sagte im weiteren Verlauf des Gespräches: „Er hat Göttingen erobert. Er hat die Slowakei unter sengenden Bedingungen vor Tausenden von Zuschauern gemeistert.“ Für ihn ist das ein Hinweis darauf, dass Nijman längst mehr kann als nur Floor-Turniere ohne großen Bühnenlärm.

Das macht die Debatte so interessant. Lange war bei der aktuellen Nummer 14 der Welt die Frage: Lässt sich diese brutale Konstanz auch auf die ganz große TV-Bühne übertragen? Der Niederländer hat noch nie das Viertelfinale eines im Fernsehen übertragenen Majors erreicht. Für einen Spieler mit seiner aktuellen Saisonbilanz wirkt das fast wie der letzte offene Punkt in der Bewerbung zum echten Titelkandidaten.

Nicholson glaubt, dass genau dieser Schritt näher rückt. „Er beweist, dass er mit großen Bühnen, verschiedenen Veranstaltungsorten und unterschiedlichen Umgebungen umgehen kann“, sagte er. Und weiter: „Die letzte Frage war immer, ob sich seine Floor-Form ins Fernsehen übertragen lässt.“

Der nächste Härtetest dürfte dabei nicht nur sportlich, sondern auch atmosphärisch werden. Viele große PDC-Majors werden in Großbritannien gespielt. Dort wird der 26-Jährige bei Duellen gegen englische oder britische Gegner kaum mit neutraler Stimmung rechnen können. Nicholson formulierte es deutlich: „Die einzige Unbekannte ist jetzt, wie er damit umgehen wird, wenn das britische Publikum bei den großen TV-Events unweigerlich seinen Gegner unterstützen wird.“

Genau darin liegt der Kern. Nijman muss nicht mehr beweisen, dass er Darts spielen kann. Das hat er getan. Er muss auch nicht mehr beweisen, dass er Turniere gewinnen kann. Auch das hat er getan. Jetzt geht es um die Frage, ob er diese Form auch dann hält, wenn die Bühne lauter, die Gegner prominenter und die Stimmung unangenehmer wird.

Für Nicholson ist der nächste große Schritt nur eine Frage der Zeit. „Persönlich glaube ich, dass er eine große Chance hat, noch in diesem Jahr einen Major-Titel zu gewinnen“, sagte er. Das ist kein kleiner Satz. Aber bei Nijman wirkt er inzwischen nicht mehr übertrieben.

Der Niederländer ist längst mehr als ein Formspieler. Er ist einer der spannendsten Prüfsteine für die neue Tiefe im PDC-Feld. Die Zahlen sprechen für ihn. Die Titel sprechen für ihn. Jetzt muss nur noch der Moment kommen, in dem Wessel Nijman auch auf der ganz großen TV-Bühne nicht mehr als Herausforderer wirkt – sondern als Spieler, den alle anderen stoppen müssen.

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