Zwei Players Championships bleiben noch, dann steht das Feld für das World Matchplay in Blackpool. Am Montag und Dienstag fallen in Leicester die letzten Entscheidungen vor dem Cut-off. Es geht um Tagessiege, Preisgeld, Pro-Tour-Form – und vor allem um die letzten Tickets für den Winter Gardens.
Ein großer Teil des Feldes ist bereits praktisch sortiert. Die Spannung liegt nicht mehr ganz oben in der PDC Order of Merit, sondern an der Schnittstelle zur ProTour Order of Merit. Dort hält Damon Heta aktuell den letzten Platz, während Dave Chisnall, Kim Huybrechts und weitere Verfolger noch auf ihre Chance hoffen.
Die Qualifikation für das World Matchplay läuft über zwei Wege: Die Top 16 der PDC Order of Merit sind gesetzt. Dazu kommen die besten 16 Spieler der ProTour Order of Merit, die nicht bereits über die große Rangliste qualifiziert sind. Genau diese zweite Rechnung macht PC23 und PC24 so wichtig.
Warum die große Order of Merit praktisch dicht ist
Der erste Blick geht auf die PDC Order of Merit. Dort liegt Nathan Aspinall aktuell auf Platz 16 bei £516.250. Direkt dahinter steht Jermaine Wattimena bei £478.500. Der Abstand beträgt also £37.750.
Das Problem für alle Verfolger: Bei zwei verbleibenden Players Championships sind maximal £30.000 möglich. Ein Turniersieg bringt £15.000. Selbst zwei Titel würden also nicht reichen, um diese Lücke vollständig zu schließen.
Heißt: Die große Tür nach Blackpool ist praktisch zu. Wer jetzt noch ins World Matchplay will, muss durch die Pro-Tour-Tür.
Dabei ist wichtig: Ein Blick auf die normale Pro Tour Order of Merit kann zunächst verwirren. Dort stehen auch Spieler weit oben, die längst über die Top 16 der PDC Order of Merit qualifiziert sind. Für das World Matchplay zählt aber die bereinigte Rechnung. Wer bereits über die große Order qualifiziert ist, wird für die 16 zusätzlichen Pro-Tour-Plätze nicht mehr mitgezählt.
Genau dadurch entsteht die entscheidende Cut-off-Zone. Und dort ist Damon Heta aktuell der wichtigste Name.
| Spieler | Pro-Tour-Preisgeld | Lage |
|---|---|---|
| Daryl Gurney | £83.000 | knapp über der Linie |
| Cameron Menzies | £81.750 | nur £500 vor Heta |
| Damon Heta | £81.250 | aktueller Cut-off |
| Dave Chisnall | £76.000 | £5.250 zurück |
| Kim Huybrechts | £75.250 | £6.000 zurück |
| Sebastian Bialecki | £72.500 | £8.750 zurück |
| Karel Sedlacek | £71.750 | £9.500 zurück |
| Jeffrey de Graaf | £69.250 | £12.000 zurück |
Damit ist die Ausgangslage klar: Heta ist der Mann auf der Linie. Alles darüber ist aktuell drin, alles darunter muss jagen. Für Chisnall und Huybrechts ist der Rückstand noch überschaubar. Für Bialecki, Sedlacek und de Graaf braucht es bereits deutlich tiefere Läufe.
Wichtig ist aber auch: Heta ist nach aktueller Entrylage selbst in Leicester dabei. Er muss seine Position also nicht nur passiv verteidigen, sondern kann selbst nachlegen. Jeder Sieg des Australiers erhöht den Druck auf die Verfolger. Jeder frühe Ausrutscher hält die Tür dagegen weit offen.
Chisnall jagt Heta – Springer steht komfortabel
Für Dave Chisnall ist die Rechnung vergleichsweise klar. Er liegt £5.250 hinter Heta. Ein Halbfinale bei einer Players Championship bringt £6.500 und würde ihn über die aktuelle Cut-Linie heben, sofern Heta nicht selbst punktet. Für Chisnall reicht also ein richtig guter Tag, um das Rennen zu drehen.
Kim Huybrechts braucht eine ähnliche Rechnung. Mit £75.250 liegt er £6.000 hinter Heta. Auch für ihn wäre ein Halbfinale der direkte Sprung in den Bereich, in dem es für Heta, Menzies und Gurney unangenehm wird. Bei Chisnall und Huybrechts geht es also nicht um ein Darts-Wunder, sondern um einen tiefen Floor-Lauf.
Bei Sebastian Bialecki und Karel Sedlacek wird es schon komplizierter. Bialecki fehlen £8.750, Sedlacek £9.500. Ein einzelnes Viertelfinale reicht nicht. Beide brauchen entweder ein Finale oder eine Kombination aus zwei starken Tagen. Wer am Montag früh rausgeht, steht am Dienstag sofort unter Maximaldruck.
Jeffrey de Graaf ist der nächste interessante Name. Er steht bei £69.250 und hat damit £12.000 Rückstand auf Heta. Ein Titel würde alles verändern, zwei Halbfinals könnten ebenfalls reichen. Ohne Finalnähe wird es für ihn aber schwer. De Graaf ist noch im Rennen, aber nicht mehr in der Kategorie „ein guter Nachmittag reicht“.
Dahinter wird es schnell extrem. Richard Veenstra steht zwar bei £66.000, lässt nach aktueller Entrylage aber mindestens einen der beiden Tage aus. Selbst ein Titel bei einem einzelnen verbleibenden Turnier würde ihn nur auf £81.000 bringen – und damit knapp unter die aktuelle Heta-Marke.
Cristo Reyes, Mensur Suljovic, Maik Kuivenhoven, Mike De Decker, Tom Bissell, Callan Rydz und Lukas Wenig bewegen sich ebenfalls fast nur noch im Extrembereich. Bei Wenig ist die Rechnung besonders hart: Zwei Titel würden ihn auf £81.500 bringen und damit knapp über die aktuelle Linie. Alles darunter reicht nach aktuellem Stand nicht.
Ein Sonderfall bleibt Beau Greaves. Für das Women’s World Matchplay ist sie ohnehin qualifiziert. Im offenen World Matchplay lebt dagegen nur noch ein Extrem-Szenario. Mit £55.250 müsste sie in Leicester praktisch zwei außergewöhnliche Tage erwischen. Ein Titel allein reicht nicht, selbst Titel plus Finale wäre nach aktueller Linie noch zu wenig. Würde sie es dennoch schaffen, wäre das ein spektakulärer Blackpool-Doppelstart im Winter Gardens.
Aus deutscher Sicht ist die Lage deutlich angenehmer. Niko Springer fehlt zwar in Leicester, steht in der bereinigten Pro-Tour-Rechnung aber bei £108.250. Das ist so weit über der Cut-Linie, dass er trotz Absage kaum noch zittern muss. Selbst Chisnall käme mit zwei Titeln nur auf £106.000. Springer kann also zuschauen, rechnen lassen und ziemlich sicher für Blackpool planen.
Auch Martin Schindler steht mit £101.000 komfortabel. Ganz so wasserdicht wie bei Springer ist die Rechnung nicht, aber Schindler hat ein ordentliches Polster und liegt klar auf Kurs. Für Gabriel Clemens, Ricardo Pietreczko und Max Hopp ist das World-Matchplay-Rennen dagegen vorbei.
Damit läuft der eigentliche Krimi auf die Kante um Heta hinaus. Gurney und Menzies stehen knapp davor, Heta hält den letzten Platz, Chisnall und Huybrechts lauern dahinter. Bialecki, Sedlacek und de Graaf brauchen tiefe Läufe. Alles darunter ist fast nur noch Rechenspiel für Optimisten.
Der Montag dürfte das Rennen deutlich sortieren. Wer nach PC23 nicht mehr innerhalb eines Turniersiegs zur Cut-Linie steht, braucht am Dienstag kein Rechenmodell mehr, sondern ein kleines Darts-Wunder. In Leicester geht es also nicht nur um zwei weitere Floor-Titel. Es geht um Blackpool, um verpasste Chancen, um letzte Türen – und um die Frage, wer sich auf den letzten Metern noch in den Winter Gardens rechnet.










