Stephen Bunting hat sich in den vergangenen Jahren nicht nur sportlich zurück in die absolute Weltspitze gespielt. Der Engländer ist auch zu einem der auffälligsten Publikumslieblinge auf der PDC-Tour geworden. Ein großer Teil davon hat mit einem Song zu tun: „Titanium“ von David Guetta und Sia.
Was früher einfach ein Walk-on war, ist bei Bunting inzwischen fast ein eigenes kleines Event. Wenn „The Bullet“ auf die Bühne kommt, singt das Publikum regelmäßig mit, der Refrain hallt durch die Halle, und Bunting hält sich dabei oft die Hände an die Ohren. Für die Fans sieht das nach purer Darts-Party aus. Für Bunting selbst ist es offenbar deutlich nervenaufreibender.
Gegenüber Oche180 sprach der Weltranglistenneunte über die besondere Rolle seines Walk-ons. „Wenn ich dazu einlaufe, ist das ein so besonderes Gefühl, das Publikum macht mit und ich halte mir die Ohren, während alle mitsingen“, sagte Stephen Bunting. Der Song sei inzwischen „eine riesige Hymne“ geworden.
Bunting wird in New York auf seinen Walk-on angesprochen
Der Titanium-Effekt ist längst über die Darts-Bühne hinaus spürbar. Er freute sich darüber, dass der Song ebenso wie die bekannte Darts-Hymne „Chase The Sun“ auch in Fußballstadien während der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 in den USA zu hören war. Ob das wirklich mit seiner Verbindung zum Song zu tun hatte, wollte er nicht behaupten. „Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob es mit mir zu tun hat, es ist einfach ein fantastischer Song“, sagte er.
Für ihn ist der Walk-on längst Teil seiner sportlichen Identität geworden. Früher lief er zu „Surfin’ Bird“ von The Trashmen ein, einem Song, der durch die Serie Family Guy noch einmal populär wurde. Doch irgendwann wollte die aktuelle Nummer 9 der Welt raus aus dieser Ecke. „Ich wollte von diesem Peter-Griffin-Tagline wegkommen, was mir gelungen ist“, erklärte er.
Genau das hat funktioniert. Vielleicht sogar besser, als der Engländer selbst erwartet hatte. In New York wurde er nach eigener Aussage nicht nur als starker Dartspieler erkannt, sondern auch als „der Typ mit dem Walk-on“. Das zeigt, wie sehr sich der Song in der Wahrnehmung festgesetzt hat. „The Bullet“ hat nicht nur eine Einlaufmusik. Er hat ein Markenzeichen.
Und trotzdem steckt darin ein gewisser Druck. Denn je größer der Moment wird, desto mehr muss der Spieler ihn auch tragen. Ein Walk-on ist im modernen Darts nicht mehr nur der Weg von der Kabine zur Bühne. Er ist Show, Erwartung, Energie und manchmal auch Belastung. Gerade bei einem Publikumsliebling wie Bunting wird aus dem Einlauf ein Versprechen: Gleich kommt Stimmung, gleich kommt Verbindung, gleich kommt dieses gemeinsame Singen.
Der 41-Jährige nimmt das an. „Ich liebe es absolut, es ist jetzt ein riesiger Teil meines Spiels und es verleiht mir Charakter“, sagte er. Gleichzeitig gab er offen zu: „Ich bin ehrlich gesagt nervöser beim Walk-on als beim eigentlichen Spielen, was seltsam klingt.“
Genau dieser Satz macht die Geschichte so sympathisch. Sportlich gehört er längst wieder zu den stärksten Spielern der Welt. Aber sein Beispiel zeigt auch, wie sehr moderne Darts-Profis Figuren auf einer großen Bühne geworden sind. Bei Stephen Bunting beginnt das Match nicht erst mit dem ersten Dart. Es beginnt mit den ersten Takten von „Titanium“.










