Jim Long: Der harte Alltag vor dem ersten Dart

Während andere Profis zur Players Championship einfach ins Auto steigen, muss Jim Long erst die Koffer packen, den Atlantik überqueren und den Jetlag abschütteln – bevor überhaupt der erste Dart geworfen ist.

Der Kanadier gehört zu den Spielern, für die eine Saison auf der PDC-Tour weit mehr bedeutet als Training, Matchpraxis und Ranglistenpunkte. Der 58-Jährige lebt in Ontario, bestreitet aber eine Tour, deren Zentrum weiterhin klar in Europa liegt. Wigan, Leicester, Hildesheim – für viele Tour-Card-Inhaber sind das Turnierorte, die mit vergleichsweise überschaubarem Reiseaufwand verbunden sind. Für Long beginnt der Weg dorthin oft mit einem Interkontinentalflug.

Genau dieser Teil des Profidarts bleibt im Blick auf Ergebnisse und Averages häufig unsichtbar. Am Board zählt am Ende nur, wer die Doppel trifft. Doch bevor „The Gentleman“ überhaupt ans Oche tritt, hat er oft bereits mehrere Zeitzonen, lange Flugzeiten, Hotelwechsel und eine komplette Reiseplanung hinter sich. Dass das Spuren hinterlässt, macht der er nun deutlich.

„Letztes Jahr hatte ich von April bis Oktober enorm mit Jetlag zu kämpfen“, sagte Long im Gespräch mit Bang On Target. Dazu komme die ständige Organisation rund um Buchungen und Reisen. Sein Fazit fällt entsprechend klar aus: „Hundert Prozent fokussiert zu sein, ist extrem schwer.“

Warum Longs Tour-Alltag eine andere Dimension hat

Für Long ist die PDC -Tour damit nicht nur sportlich, sondern auch logistisch eine Belastungsprobe. Während europäische Spieler nach einem Pro-Tour-Block teilweise nach Hause fahren können, wartet auf ihn häufig die nächste Hotelnacht, der nächste Flughafen oder der nächste Langstreckenflug. Der eigentliche Wettkampf beginnt für ihn also nicht erst mit dem Walk-on, sondern schon Tage vorher.

Ein Umzug nach Großbritannien hätte vieles vereinfacht. Jim Long stellt jedoch klar, dass dieser Schritt für ihn nie ernsthaft infrage kam. Damit bleibt er ein Pendler zwischen zwei Dartswelten: seiner Heimat in Kanada und dem europäischen Zentrum des PDC-Kalenders.

Auch finanziell ist diese Entscheidung anspruchsvoll. Sponsoren helfen ihm zwar bei einzelnen Kosten, etwa bei Bahnfahrten, gelegentlichen Flügen innerhalb Europas oder Hotels. Die großen Ausgaben rund um die Reisen zwischen Kanada und Europa trägt er jedoch zu einem erheblichen Teil selbst. Für einen Spieler außerhalb Europas wird eine komplette PDC-Saison dadurch schnell zu einer Rechnung, die nicht nur sportlich aufgehen muss.

Gerade deshalb erzählt seine Situation mehr als nur eine persönliche Geschichte. Sie zeigt, wie unterschiedlich die Voraussetzungen auf der Tour sein können. Wer aus England, den Niederlanden oder Deutschland kommt, hat im dichten PDC-Kalender andere Startbedingungen als ein Spieler aus Nordamerika. Die Gegner am Board sind dieselben, der Weg dorthin aber nicht.

Sportlich bleibt er dennoch ambitioniert. Der Kanadier will seine Chancen auf der ProTour nutzen und sich wieder für die Weltmeisterschaft empfehlen. Dass er diesen Weg trotz Jetlag, Reisekosten und ständiger Planung weitergeht, zeigt, wie groß der Antrieb ist.

Für Jim Long besteht die PDC Tour deshalb nicht nur aus 501 Punkten pro Leg. Sie besteht aus Flügen, Koffern, Müdigkeit, Fokusarbeit und der Frage, wie viel Energie noch übrig ist, wenn der erste Dart tatsächlich geworfen wird.

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