James Wade: Seniorenheim? Von wegen!

James Wade und Ruhestand? Das passt ungefähr so gut zusammen wie ein 26er-Setup auf Tops. Der Engländer ist längst nicht mehr der lauteste Name im Darts-Zirkus, aber genau das war bei „The Machine“ ja selten der Punkt. Er war nie der Spieler für große Gesten, nie der Dauer-Showman auf der Bühne – und doch ist er seit fast zwei Jahrzehnten einer, den niemand wirklich gern im Turnierbaum findet.

Nun hat James Wade noch einmal klargemacht, dass er seine Karriere nicht als langsamen Ausklang versteht. „Ich bin noch nicht fertig. Ich werde zu 100 Prozent noch einen Major gewinnen, bevor ich zurücktrete“, sagte Wade im Interview mit Oche180 am Rande der US Darts Masters. Eine Ansage, die zu ihm passt: trocken, direkt, selbstbewusst – und gar nicht so abwegig, wie sie auf den ersten Blick klingen mag.

Der Linkshänder ist 43, aber kein Nostalgie-Act. Er steht weiter in der erweiterten Weltspitze, hat in den vergangenen Jahren immer wieder tiefe Runs geliefert und bleibt einer der unangenehmsten Gegner auf großer Bühne. Sein Spiel lebt nicht von Dauerfeuer und 110er-Averages, sondern von Timing, Checkouts und dieser besonderen Fähigkeit, Gegner in Spiele zu ziehen, die sich plötzlich schwerer anfühlen, als sie laut Statistik sein müssten.

Warum Wade weiter gefährlich bleibt

Gerade deshalb ist die Major-Ansage mehr als ein Spruch. Er hat elf große Titel gewonnen, darunter World Matchplay, World Grand Prix, UK Open, Premier League und Masters. Die Weltmeisterschaft fehlt in seiner Sammlung, doch als Major-Spieler ist Wade längst historisch eingeordnet. Gleichzeitig weiß er selbst, dass in seiner Bilanz noch mehr möglich gewesen wäre. Finals gingen verloren, Chancen blieben liegen, manchmal war nicht die Qualität das Problem, sondern der Moment.

Diese Selbsteinschätzung macht die Aussage glaubwürdig. der Engländer verkauft keine Märchen vom großen Comeback aus dem Nichts, sondern erinnert daran, dass er nie ganz weg war. In einer Szene, die oft nach dem nächsten Wunderkind sucht, ist genau das seine Rolle: Er bleibt der Störfaktor, der keine Geschichte schöner macht, aber viele Geschichten kaputtwerfen kann.

Interessant ist auch, dass Wade die neue Luke-Ära nicht kleinredet. Über Luke Littler und Luke Humphries sagte er im weiteren Verlauf des Gespräches: „Luke und Luke machen das wirklich, wirklich großartig.“ Der 43-Jährige sieht also sehr genau, wie stark sich die Bühne gerade verschiebt. Littler bringt den Hype, Humphries die Konstanz, beide treiben den Sport nach vorne. Für viele ältere Spieler wäre das eine Bedrohungserzählung. Er macht daraus eher eine Kampfansage.

James Wade muss niemandem mehr beweisen, dass er ein großer Spieler war. Aber er will offenbar noch beweisen, dass er nicht nur einer war. Seniorenheim? Von wegen. „The Machine“ läuft weiter – vielleicht nicht immer spektakulär, aber gefährlich genug, um bei einem Major noch einmal die ganze Rechnung zu sprengen.

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