Luke Humphries: US Darts Masters als mentale Befreiung

Luke Humphries hat in New York mehr gewonnen als einen weiteren World-Series-Titel. Natürlich war der 8:7-Erfolg gegen Luke Littler im Finale des US Darts Masters sportlich groß: Titel verteidigt, Madison Square Garden erneut erobert, nächstes Kapitel in der Rivalität der beiden besten Spieler der Welt geschrieben. Doch für den 31-Jährigen ging es nach dem letzten Dart vor allem um eines: endlich wieder ein enges Finale gegen Littler auf seine Seite zu ziehen.

Der Engländer wurde beim US Darts Masters zum ersten Spieler, der den Titel in New York erfolgreich verteidigen konnte. Vor 5.000 Zuschauern im ausverkauften Madison Square Garden lieferten „Cool Hand Luke“ und der aktuelle Weltmeister ein Finale, das erst im Entscheidungsleg kippte. Humphries hatte zuvor Stephen Bunting mit fast 106 Punkten im Schnitt geschlagen und im Halbfinale gegen Gian van Veen einen 3:6-Rückstand gedreht, inklusive zwei überstandener Matchdarts.

Humphries findet im Decider die Antwort

Dabei sah lange vieles nach einem kontrollierten Abend für Humphries aus. Der frühere Weltmeister führte 4:1 und hatte Darts zur möglichen 5:1-Führung. Doch „The Nuke“ nutzte die offene Tür, gewann vier Legs in Serie und drehte das Finale zwischenzeitlich auf 5:4. Erst danach bekam Luke Humphries das Momentum zurück. Im Entscheidungsleg spielte er schließlich einen 11-Darter und gewann das Finale mit einem 104er-Average.

Genau dieser letzte Moment machte den Sieg für den 31-Jährigen so wertvoll. In den vergangenen Monaten hatte er mehrere bittere Entscheidungslegs verloren: beim Masters, in der Premier League und in Kopenhagen. New York brachte nun die Antwort. „Ich glaube, das war wichtig für mich“, sagte er im PDC-Interview nach dem Finale. „Beim Masters habe ich im Entscheidungsleg verloren. In der Premier League: Entscheidungsleg. In Kopenhagen: Entscheidungsleg. Es fühlt sich irgendwann ein bisschen so an, als würdest du nicht über die Linie kommen.“

Humphries machte aber auch klar, dass er diese Niederlagen nicht als sportlichen Einbruch sieht. „Ich glaube nicht, dass ich in diesen Entscheidungslegs so schlecht gespielt habe. Es ist nur nicht in meine Richtung gefallen“, sagte er. Gegen Littler müsse man auf diesem Niveau eben bis zum letzten Dart liefern.

Wiedergutmachung für den Premier-League-Schmerz

Besonders die Premier League spielte in seiner Einordnung eine Rolle. Dort hatte Littler ihn im Finale am O2 knapp gestoppt und dem Engländer den erhofften Back-to-back-Triumph verwehrt. Das US Darts Masters ist kein Ranking-Major, aber für Humphries war die Titelverteidigung im Madison Square Garden trotzdem mehr als nur ein netter Zusatz im Kalender. „Großartig. Mehr als großartig, es ist unglaublich“, sagte Humphries über seinen zweiten New-York-Titel in Serie. „Das ist etwas, das ich irgendwann in meiner Karriere einfach einmal gewinnen wollte – an so einem ikonischen Ort.“

Gerade deshalb fühlte sich der Abend für Humphries wie eine kleine Korrektur an. „Es macht es ein bisschen wieder gut, dass es mir in der Premier League nicht gelungen ist“, sagte er. Der Traum sei gewesen, ein großes Event wie Premier League oder World Matchplay zweimal nacheinander zu gewinnen. New York sei für ihn nun „das Nächstbeste“.

Auch bei Sky Sports ordnete er den Ort selbst ein. „Das ist die ikonischste Halle, in die Darts meiner Meinung nach jemals kommen wird“, sagte er über den Madison Square Garden. Dass er dort nun zweimal hintereinander gewann, macht den Erfolg für ihn noch wertvoller.

Die Rivalität bleibt offen – und genau das hilft dem Sport

Mit dem nächsten Finale zwischen Humphries und Littler bekam die wichtigste Rivalität im aktuellen Dartsport ein weiteres Kapitel. Für ihn ist dabei entscheidend, dass die Duelle nicht einseitig werden. „Es ist keine gute Rivalität, wenn immer nur einer gewinnt und der andere zwar gut spielt, aber nicht gewinnt“, sagte er im PDC-Interview. „Ich habe jetzt wieder ein paar Spiele gegen ihn gewonnen, ziemlich konstant sogar. Das ist gut für den Sport.“

Gleichzeitig weiß die Nummer 2 der Welt, wie hoch die Messlatte bleibt. Über Littler sagte er nach dem Finale: „Er ist unglaublich. Er ist der schwerste Spieler der Welt, den man schlagen kann.“ Für ihn kommt der New-York-Titel deshalb zum richtigen Zeitpunkt. Er hat ein enges Finale gegen Littler gewonnen, einen Titel verteidigt, einen möglichen Decider-Komplex zumindest für den Moment abgeschüttelt und sich vor dem World Matchplay neues Selbstvertrauen geholt.

Der Sieg im Madison Square Garden war kein Ranking-Major. Aber mental könnte er für Luke Humphries deutlich mehr wert sein als viele größere Titel auf dem Papier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert