Jim Long hat den nächsten Anlauf auf den Titel bei der North American Darts Championship verpasst. Der Kanadier verlor das Finale im Madison Square Garden klar mit 1:6 gegen Adam Sevada und musste sich damit erneut mit Platz zwei begnügen. Schon im Vorjahr hatte „The Gentleman“ das Endspiel des wichtigsten nordamerikanischen PDC-Turniers verloren.
Dabei war sein Auftritt in New York insgesamt deutlich besser, als es das Finale vermuten lässt. Der 58-Jährige spielte sich mit Siegen gegen Brayden Hall und Fred Krueger ins Endspiel. Besonders das Halbfinale gegen Krueger wurde eng: Long überstand einen Matchdart, ehe er das Duell doch noch für sich entschied. Einen Tag zuvor hatte er beim US Darts Masters außerdem für ein Ausrufezeichen gesorgt und Josh Rock mit 6:4 aus dem Turnier genommen.
Long findet im Finale keinen Rhythmus
Im Finale gegen Sevada kam Long jedoch nie richtig in die Partie. Sevada erwischte den besseren Start, setzte sich früh ab und ließ dem Kanadier kaum Gelegenheit, das Match noch einmal zu drehen. Er konnte zwar ein Leg holen, bekam aber nicht den Zugriff, den er in den Runden zuvor noch gehabt hatte. Am Ende stand ein klares 1:6 – und ein Finalabend, der für ihn spürbar anders lief als seine Auftritte zuvor.
Nach der Partie machte der Kanadier keinen Versuch, die Niederlage schönzureden. „Heute war ein schwieriger Tag für mich. Ich habe mich überhaupt nicht wohlgefühlt“, sagte Long nach dem Finale. Genau dieser Satz erklärt viel: Er hatte sich in New York zuvor als gefährlicher Bühnenspieler gezeigt, bekam aber ausgerechnet im wichtigsten Match des Abends keinen Rhythmus.
Besonders interessant war seine Einordnung des Drucks. Für den 58-Jährigen fühlte sich die North American Championship schwerer an als manches Duell mit den absoluten Topstars. „Es ist verrückt, wie dieses Event so viel mehr Druck erzeugen kann als Spiele gegen die Top acht der Welt“, erklärte der PDC-Tour-Card-Inhaber.
Das klingt zunächst ungewöhnlich, ist aber nachvollziehbar. Gegen Spieler wie Josh Rock konnte er einen Tag zuvor frei aufspielen. Bei der North American Championship ging es dagegen um mehr als nur ein starkes Ergebnis: regionaler Titel, Finalchance, Prestige und die große Gelegenheit, sich auf nordamerikanischer Bühne endgültig zu belohnen. Dieser Druck liegt anders – vielleicht sogar näher am eigenen Anspruch.
Am Ende blieb Long nur die klare Analyse. „Ich habe nicht gut genug gespielt, und das war es“, sagte er. „Ich bin ohne Zweifel enttäuscht.“ Das passte zum Verlauf des Finals: kein kompletter Einbruch über das gesamte Wochenende, sondern ein einzelnes Match, in dem Sevada besser startete, stabiler blieb und die entscheidenden Momente konsequenter nutzte.
Für „The Gentleman“ ist die Niederlage bitter, weil er erneut nah dran war. Gleichzeitig bestätigte sein New-York-Wochenende, dass er auf nordamerikanischer Bühne weiter zu den stärksten Spielern gehört. Der Sieg gegen Rock, das überstandene Halbfinale und der erneute Finaleinzug zeigen, dass Jim Long nicht weit weg ist.
Nur der letzte Schritt fehlt weiter. Und genau dieser letzte Schritt war im Madison Square Garden diesmal wieder der schwerste.










