Gleiche Halle, neues Drama – und am Ende ein deutscher Titel: Gabriel Clemens hat Players Championship 24 in Leicester gewonnen und damit einen turbulenten ProTour-Tag aus deutscher Sicht spektakulär gedreht. „The German Giant“ bezwang im Finale Luke Woodhouse mit 8:6 und krönte einen Lauf, der zwischenzeitlich schon als reine Schadensbegrenzung begonnen hatte.
Denn der deutsche PC24-Tag roch früh nach dem nächsten Rückschlag. Martin Schindler scheiterte trotz Aufholjagd mit 4:6 an Connor Scutt, Ricardo Pietreczko fand erneut keinen stabilen Zugriff, mehrere weitere deutsche Starter verabschiedeten sich früh. Doch der 42-Jährige machte aus dem deutschen Drama-Tag erst einen Lichtblick – und später eine Titelgeschichte.
Clemens wirft van Gerwen raus – und marschiert weiter
Der erste große Moment kam in der Runde der letzten 64. Der Saarländer traf auf Michael van Gerwen – und ließ sich auch davon nicht aus dem Rhythmus bringen, dass der Niederländer statistisch vorne lag. Van Gerwen spielte einen 96,28er-Average, Clemens kam auf 91,60. Doch er gewann die entscheidenden Legs, blieb in der Schlussphase stabil und setzte sich mit 6:4 durch.
Dieser Sieg war der Wendepunkt des deutschen Tages. Aus einem ohnehin schwierigen PC24-Verlauf wurde plötzlich eine Geschichte mit echtem Zug: Der 42-Jährige hatte nicht nur irgendein Match gewonnen, sondern einen dreifachen Weltmeister aus dem Turnier genommen. Und anders als so oft auf der ProTour blieb es nicht bei einem einzelnen Ausrufezeichen.
In der Runde der letzten 32 folgte der nächste enge Test. Gegen Kevin Doets musste Clemens über die volle Distanz, gewann aber erneut im Decider mit 6:5. Diesmal passten auch die Zahlen zum Ergebnis: Clemens spielte einen 98,12er-Average, Doets hielt mit 96,43 dagegen. Es war ein Match auf Augenhöhe – und wieder war es Clemens, der das letzte Leg auf seine Seite zog.
Auch im Achtelfinale blieb der „The German Giant“ nervenstark. Gegen Scott Williams ging es erneut in den Decider, erneut mit dem besseren Ende für Clemens. Beim 6:5 spielte Williams mit 94,48 minimal höher als Clemens mit 94,17, doch auch hier zählte am Ende nicht der schönere Wert, sondern das bessere Timing. Der Deutsche stand im Viertelfinale – und war damit längst mehr als nur der deutsche Retter eines wackligen Tages.
Vom Lichtblick zum Titelkandidaten
Spätestens mit dem klaren 6:1 gegen Mickey Mansell war aus dem deutschen Lichtblick ein echter Turnierlauf geworden. Er ließ im Viertelfinale kaum Zweifel aufkommen, spielte konzentriert durch und zog verdient ins Halbfinale ein. Der 42-Jährige hatte an diesem Dienstag nicht nur den richtigen Arm, sondern vor allem den richtigen Stand gefunden.
Im Halbfinale legte er dann sein bestes Match des Tages nach. Gegen Brendan Dolan setzte er sich mit 7:3 durch und spielte dabei einen 100,77er-Average. Genau dieses Spiel machte aus dem starken Lauf endgültig eine Titelchance. Nach den engen Matches zuvor wirkte er nun nicht mehr wie jemand, der sich durch den Tag rettet, sondern wie ein Spieler, der den Titel ernsthaft greifen kann.
Im Finale wartete Luke Woodhouse, der zuvor unter anderem Gian van Veen und Danny Noppert aus dem Weg geräumt hatte. Woodhouse spielte im Endspiel mit 96,00 sogar den leicht höheren Average, Der Saarländer kam auf 94,53. Doch auch hier passte das Muster dieses Tages: Der Deutsche musste nicht jeden Statistikwert gewinnen. Er musste die richtigen Legs gewinnen.
Genau das tat er. Beim 8:6 blieb Clemens in einem engen Finale stabil, nutzte seine Chancen und brachte den Titel über die Linie. Es war der perfekte Abschluss eines Tages, der für die deutschen Starter zunächst nach Frust, frühen Aus und neuen Fragezeichen aussah. Stattdessen steht am Ende der größte deutsche Moment des Leicester-Doppelpacks.
Auch der Vergleich zum Vortag macht den Lauf noch bemerkenswerter. Bei Players Championship 23 war Yorick Hofkens mit seinem Achtelfinale der deutsche Lichtblick gewesen. Einen Tag später setzte er deutlich einen drauf: van Gerwen geschlagen, zwei Decider überstanden, Mansell klar besiegt, Dolan im Halbfinale dominiert und Woodhouse im Finale bezwungen.
Aus „Drama, Drama, Drama“ wurde damit ein deutscher Titel-Tag. Gabriel Clemens rettete Players Championship 24 aus deutscher Sicht nicht nur – er gewann das Turnier.









