Tommy Morris: Vom Außenseiter zum WM-Teilnehmer

Tommy Morris hatte zu Beginn des Jahres ein Ziel, das für viele PDC-Profis längst selbstverständlich ist: einmal bei der Darts-Weltmeisterschaft im Alexandra Palace spielen. Der 34-jährige Engländer hat sich inzwischen seinen WM-Startplatz gesichert. Im Dezember steht er erstmals auf der WM-Bühne – und reist sogar als Sieger eines Players-Championship-Turniers nach London. Eine Tour Card, also einen festen Platz auf der Profitour, besitzt er trotzdem nicht.

Sein WM-Ticket verdankt „The Gun“ nicht erst dem überraschenden Titelgewinn in Leicester. Er beendete die Challenge Tour auf Platz drei und sicherte sich über diese Jahreswertung die Teilnahme an der Weltmeisterschaft. Die Turnierserie ist für Spieler ohne Tour Card ein wichtiger Weg zu den großen PDC-Wettbewerben. Morris nutzte außerdem freie Startplätze bei den Players Championships, um gegen die etablierten Profis anzutreten.

Im Interview mit der PDC nach seinem Sieg beschrieb er, wie sich seine Ziele verändert haben: „Das ist jetzt mein Traum. Zu Beginn des Jahres hatte ich mir vorgenommen, die Weltmeisterschaft zu erreichen. Mein nächstes Ziel ist eine Tour Card, damit ich dauerhaft mit diesen Jungs spielen kann. Sie haben mich alle so herzlich aufgenommen.“

Der erste Traum war also bereits greifbar, bevor Morris am 5. November in Leicester die Dartswelt überraschte. Eine Woche nach seiner Finalniederlage gegen Chris Dobey in Den Bosch schlug er unter anderem Rob Cross, Wessel Nijman und Jermaine Wattimena.

Im Finale bezwang er Luke Humphries mit 8:5 und beendete das Match mit einem 161er-Checkout. Sein Erfolg gegen den ehemaligen Weltmeister hatte für ihn eine besondere Bedeutung: „Ihn zu schlagen und das Match so zu beenden, bedeutet mir unglaublich viel. Er gehört zu den Spielern, zu denen ich aufschaue. Letztes Jahr habe ich ihn noch im Fernsehen gesehen und mir gesagt: Das kann ich auch. Dass ich ihn jetzt so besiege, macht mich sehr, sehr stolz.“

Drei große Bühnen – und eine offene Zukunft

Die nächsten Wochen werden für Morris zum bislang größten Abschnitt seiner Karriere. Beim Grand Slam of Darts 2026 in Wolverhampton feiert er sein Debüt, bei den Players Championship Finals 2026 in Minehead trifft er zum Auftakt auf Callan Rydz. Anschließend folgt die World Darts Championship 2026/27 im Ally Pally.

Der Players-Championship-Titel brachte ihm den Grand-Slam-Startplatz; der Weg zur WM führte dagegen über die Challenge Tour. Auch für Minehead hat er sich mit seinen Floor-Ergebnissen qualifiziert.

Trotz der großen Turniere klingt Morris nach seinem Triumph weniger wie ein Star als wie jemand, der selbst noch begreifen muss, was passiert ist. Gegenüber Oche180 sagte er: „Ich komme aus dem Nichts. Ich habe nicht einmal eine Tour Card. Dass ich hierherkomme und so etwas schaffe, ist unglaublich. Ich vertrete den Ort, aus dem ich komme, und spiele für meine Familie. Ich weiß gar nicht richtig, was gerade passiert. Ich bin einfach so glücklich.“

Der Jubel ändert allerdings nichts an der sportlichen Ausgangslage. Sollte Morris nach der WM unter den besten 64 der PDC Order of Merit stehen, könnte er sich eine Tour Card für 2027 über die Weltrangliste sichern. Andernfalls kann er bei der Q-School antreten; für deren Final Stage ist er aufgrund seiner Challenge-Tour-Platzierung bereits qualifiziert. Eine sichere Tour Card hat ihm der Sieg gegen Humphries nicht eingebracht.

Vor einem Jahr sah Morris Spielern wie Humphries noch im Fernsehen zu. Jetzt steht sein eigenes WM-Debüt im Alexandra Palace bevor. Die Tour Card bleibt sein nächstes großes Ziel, doch den ersten Traum hat er bereits erfüllt. Aus dem Nachrücker ist ein PDC-Turniersieger geworden, der im Dezember selbst auf der größten Bühne des Dartsports steht.

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