Dave Chisnall in der Formkrise – Ratlosigkeit statt alter Stärke

Dave Chisnall hatte sich von den letzten Players-Championship-Turnieren der Saison mehr versprochen. Die Vorbereitung stimmte nach eigener Aussage, er fühlte sich fit und ausgeschlafen. In Leicester folgte dennoch die nächste Enttäuschung: Erst verlor er 3:6 gegen Jurjen van der Velde, einen Tag später 4:6 gegen Mensur Suljović. Beide Male war bereits nach der ersten Runde Schluss.

Gegen van der Velde kam Chisnall auf einen Average von 77,45 Punkten, gegen Suljović auf 82,22. Noch am 22. September hatte er bei Players Championship 29 gegen Mario Vandenbogaerde und Scott Williams Averages von 102,61 und 101,43 gespielt. Die Qualität ist also vorhanden. Was dem Engländer derzeit fehlt, ist die Konstanz, sie über mehrere Turniere hinweg abzurufen.

In seiner Kwiff-Kolumne sprach Chisnall offen über die Diskrepanz zwischen Training und Wettkampf. Besonders die verpassten Doppel gegen van der Velde beschäftigten ihn: „Ich habe das Bullseye für ein 167er-Finish verpasst und danach, glaube ich, ungefähr 18 Darts auf Doppel vergeben. Wenn die Pfeile statt im Doppelring im Einfachfeld landen, denkt man viel zu viel darüber nach, besonders bei ungeraden Restpunkten. Dann ist man mental einfach nicht richtig eingestellt.“

Darin liegt ein Teil der Erklärung. Fehlschläge auf Doppel kosten Legs und können sich auf die folgenden Aufnahmen auswirken. Allein dadurch lassen sich die schwachen Averages allerdings nicht erklären. Chisnall verlor in Leicester nicht bloß wegen einzelner vergebener Chancen; auch beim Scoring blieb er deutlich unter dem, was er wenige Wochen zuvor gezeigt hatte.

Gegen Suljović kam nach seiner Einschätzung das ungewohnte Spieltempo hinzu. Der Österreicher nimmt sich mehr Zeit für seine Würfe, Chisnall bevorzugt einen schnellen Rhythmus. Das macht die Aufgabe unbequemer, ist auf der ProTour aber nichts Außergewöhnliches. Wer wieder regelmäßig weit kommen will, muss auch solche Partien bestehen.

In Minehead wartet Gabriel Clemens

Aufgeben will „Chizzy“ deshalb nicht. Er verwies darauf, dass auch andere Profis nach längeren Formtiefs zurückgekommen seien. Etwas Hoffnung gab es am Freitag in der Grand-Slam-of-Darts-Qualifikation: Gegen Viktor Tingström und Sietse Lap gewann er, anschließend unterlag er im entscheidenden Spiel Bradley Brooks mit 2:5.

Die Niederlage verdient eine differenzierte Betrachtung. Brooks spielte einen Average von 106,31 Punkten und setzte den Engländer damit erheblich unter Druck. Chisnall selbst kam auf 88,47 Punkte – mehr als bei seinen letzten beiden Auftritten in Leicester, aber nicht genug für das Ticket nach Wolverhampton. Das Ergebnis gegen einen derart starken Gegner ist kein Beleg für einen neuerlichen Totalausfall. Die verpasste Qualifikation bleibt trotzdem ein Rückschlag.

Vom 27. bis 29. November geht es bei den Players Championship Finals in Minehead weiter. Dort trifft Chisnall zum Auftakt auf Gabriel Clemens. In der Setzliste liegen beide direkt nebeneinander: Clemens auf Rang 32, der Engländer auf Rang 33. Die Setzliste basiert ausschließlich auf dem Preisgeld aus den 34 Players-Championship-Turnieren der Saison, nicht auf der allgemeinen Weltrangliste. Für Chisnall ist Platz 33 daher ein unmittelbares Abbild seiner Floor-Saison – unabhängig von früheren Erfolgen auf anderen PDC-Bühnen. Seine Einschätzung der Paarung enthält eine Portion Selbstironie: „Der November könnte mit den Players Championship Finals noch ein guter Monat werden. Ich wurde gegen Gabriel Clemens gelost, was für mich auf dem Papier nach einer guten Auslosung aussieht. Aber er wird über ein Spiel gegen mich vermutlich dasselbe sagen. Also schauen wir mal.“

Das ist keine falsche Bescheidenheit. Die Platzierungen zeigen, wie eng die beiden in dieser Saison beieinanderliegen. Chisnall muss nicht seinen früheren Ruf verteidigen, sondern wieder konstant punkten und seine Chancen nutzen. Ein Sieg gegen Clemens wäre ein Anfang. Ob er tatsächlich aus der Krise findet, zeigt sich erst danach.

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