Scott Williams hat offen über eine der schwierigsten Phasen seiner bisherigen Karriere gesprochen. Der 36-Jährige kämpfte in diesem Jahr mit Dartitis, verlor zeitweise seinen gewohnten Wurfrhythmus und geriet auch mental massiv unter Druck. Die Probleme gingen so weit, dass „Shaggy“ nach eigener Aussage mehrfach auf der Tour weinte.
Sportlich verlief die Saison für den Engländer bislang enttäuschend. Er erreichte auf der ProTour kein Viertelfinale, sein bestes Resultat war der Einzug ins Achtelfinale bei Players Championship 10. Gleichzeitig liegt er derzeit außerhalb der Qualifikationsplätze für die Players Championship Finals und die Weltmeisterschaft.
Doch die Ergebnisse erzählen nur einen Teil der Geschichte. Gegenüber Oche180 schilderte Williams, wie schwer es ihm zunächst fiel, überhaupt zu akzeptieren, dass mit seinem Wurf etwas nicht stimmte. „Am Anfang war es hart, weil man sich nicht eingestehen will, dass man Dartitis hat“, sagte Williams gegenüber Oche180. „Man merkt einfach, dass irgendetwas nicht stimmt.“
Zusätzlich belasteten ihn Probleme außerhalb des Boards. „Shaggy“ betrieb einen Dartshop und begann gleichzeitig als Coach zu arbeiten. Beides habe viel Zeit und Energie gekostet, während seine eigene Leistung immer weiter nachließ. „Ich habe meine ganze Zeit und Energie dort hineingesteckt. Dadurch ging mein eigenes Spiel bergab“, erklärte der Engländer.
UK Open wird zum Tiefpunkt
Besonders deutlich wurden die Probleme bei den UK Open. Der 36-Jährige führte gegen Benjamin Pratnemer zwischenzeitlich klar, ehe sein Wurf plötzlich vollständig aus dem Rhythmus geriet. „Ich glaube, ich lag 4:1 vorne. Dann wurde ich auf einmal so unwohl, dass ich den Dart nicht mehr loslassen konnte“, erinnerte sich Williams.
Die mentale Belastung war enorm. Selbst Siege konnten die Situation nicht sofort verbessern. „Ich habe dieses Jahr ein paar Mal auf der Tour geweint“, sagte „Shaggy“. „Ich habe Spiele gewonnen und danach trotzdem geweint.“
Besonders eindrücklich war ein Sieg gegen Tyler Thorpe. Der Engländer gewann mit 6:4 und spielte dabei gleich fünf Checkouts über das Bullseye. Was von außen spektakulär wirkte, war für ihn selbst Ausdruck der Probleme in seinem Kopf. „Keines davon war eigentlich ein Weg, bei dem man normalerweise über das Bull gehen würde. Aber in meinem Kopf hat es genau so funktioniert“, erklärte er.
Nach der Partie brachen die Emotionen erneut durch. Er ging zu seinem Manager zurück, auch seine Frau war vor Ort. „Ich habe geweint. Ich wusste selbst nicht genau, warum.“
Trotz der schwierigen ersten Saisonhälfte sieht Williams inzwischen erste Fortschritte. In den vergangenen Wochen habe sich sein Wurf nach einer Veränderung am Setup deutlich verbessert. „Wie man zuletzt gesehen hat, waren auch ein paar 9-Darter dabei. Der Wurf ist viel besser“, sagte der Engländer. „Seit sechs bis acht Wochen habe ich etwas am Material verändert und langsam kommt alles wieder zusammen.“
Der frühere WM-Halbfinalist weiß allerdings auch, dass ihn die schwache erste Jahreshälfte noch teuer zu stehen kommen könnte. Die Qualifikation für wichtige Turniere ist dadurch deutlich schwieriger geworden. „Vielleicht kostet mich die erste Hälfte des Jahres am Ende sehr viel“, erklärte er. „Wenn das so ist, dann ist das Darts und das ist mein Leben. Dann mache ich weiter und tue das, was nötig ist, um wieder nach oben zu kommen.“
Für „Shaggy“ geht es in den kommenden Wochen darum, die Fortschritte aus dem veränderten Setup auch in Ergebnisse umzusetzen. Die schwache erste Saisonhälfte könnte ihn die Qualifikation für wichtige Turniere kosten. Gleichzeitig deutet seine jüngste Entwicklung darauf hin, dass er seinen Wurf wieder besser unter Kontrolle bekommt.









