Nick Kenny hat offen über die Schattenseiten des Lebens als Darts-Profi gesprochen. Der Waliser schilderte im aktuellen „Tops and Tales“-Podcast mit Huw Ware, wie sehr ihn Niederlagenserien, Reisen und finanzieller Druck zeitweise belastet haben.
Der 33-Jährige gehört seit Jahren zum erweiterten Kreis der PDC-Tour, doch der Weg als Profi war für ihn nicht immer geradlinig. 2023 verpasste er die Players Championship Finals, ein Jahr später auch die Qualifikation für die Weltmeisterschaft. Erst bei der WM 2025 sorgte er mit Siegen gegen Stowe Buntz und Raymond van Barneveld wieder für ein Ausrufezeichen, bevor er in der dritten Runde an Luke Humphries scheiterte.
Im Gespräch mit Huw Ware machte Kenny deutlich, wie schnell eine längere Negativserie auch mental an die Substanz gehen kann. „Es ist erdrückend, um ehrlich zu sein. Ich wollte ein paar Mal alles hinschmeißen“, sagte er im Podcast. Der Waliser erklärte, dass anhaltende Niederlagen leicht zu einer Abwärtsspirale führen können. Wer über Wochen oder Monate kaum Spiele gewinnt, beginnt irgendwann an sich selbst und am eigenen Weg zu zweifeln.
Kenny spricht über mentale und finanzielle Belastung
Besonders deutlich wurde er beim Thema Alltag auf der Tour. Von außen wirke das Leben eines Profis oft komfortabel, tatsächlich seien Reisen, Hotels, Kosten und die ständige Abwesenheit für viele Spieler eine große Belastung. „Es kann sich wie ein Luxusleben anhören. Für die Topspieler vielleicht. Aber 90 Prozent der Zeit kann es hart sein“, erklärte Kenny im weiteren Verlauf des Gesprächs.
Der 33-Jährige verwies zudem darauf, dass erspieltes Preisgeld nicht automatisch gleichbedeutend mit hohem Einkommen ist. Reisekosten, Unterkünfte, Steuern und weitere Ausgaben reduzieren die Einnahmen erheblich. Gerade für Spieler außerhalb der absoluten Weltspitze kann deshalb jede verlorene Runde wirtschaftlich spürbar werden.
Wie sehr ihn diese Situation bereits belastet hat, zeigte sich nach eigenen Angaben besonders während der Covid-Zeit. Er erinnerte sich daran, wie er bei einer damaligen Super Series mehrere Erstrunden-Niederlagen in Folge kassierte und schließlich emotional zusammenbrach.
„Ich bin einfach in Tränen ausgebrochen“, berichtete Kenny. „Ich war von allem überwältigt.“ In dieser Phase habe er sich mehrfach gefragt, ob das Leben auf der Tour wirklich der richtige Weg für ihn sei. Gleichzeitig hob er hervor, wie wichtig die Unterstützung seines Managers gewesen sei, der ihm durch schwierige Momente geholfen habe.
Die Belastung beschränkt sich aber nicht nur auf Ergebnisse. Kenny sprach auch darüber, wie sehr der permanente Reisealltag das Privatleben beeinflussen kann. Aktuell habe er noch keine Kinder, doch mit Blick auf eine mögliche Familiengründung werde sich seine Situation erneut verändern.
„Man ist die ganze Zeit unterwegs“, sagte er im Podcast. „Wenn ich irgendwann Kinder habe, wird sich mein Lebensstil wieder verändern.“ Seine Aussagen zeigen eine Seite des Profi-Darts, die zwischen steigenden Preisgeldern und großen TV-Abenden leicht untergeht. Für viele Tourcard-Inhaber ist der Alltag geprägt von langen Reisen, finanziellen Risiken und dem ständigen Druck, Ergebnisse liefern zu müssen.
Nick Kenny hat diese schwierigen Phasen bislang immer wieder überwunden. Gleichzeitig macht sein offener Einblick deutlich, dass eine Tourcard nicht automatisch Sicherheit bedeutet. Für viele Profis beginnt der eigentliche Druck erst dann, wenn sie ihren Platz auf der Tour dauerhaft behaupten müssen.









