Ricardo Pietreczko hat bei Players Championship 12 in Milton Keynes ein bitteres Erstrunden-Aus kassiert. Der Deutsche verlor gegen Ryan Searle mit 4:6, doch im Mittelpunkt stand nicht allein das Ergebnis. Beim Stand von 3:3 geriet der Wurfablauf von „Pikachu“ sichtbar ins Stocken – eine Szene, die auch in der Übertragung für Aufmerksamkeit sorgte.
Pietreczko stand bei 141 Rest am Oche, stellte sich zunächst auf 71 Punkte und wollte offenbar über die Triple 13 weiter Druck machen. Doch dann brach sein Rhythmus. Der 31-Jährige setzte mehrfach zum Wurf an, stoppte mitten in der Bewegung und bekam den Dart zunächst nicht sauber aus der Hand. Nach mehreren Schattenwürfen traf er schließlich nur die einfache 13. Searle nutzte die Chance, checkte 25 Punkte zum Break und gewann die Partie später mit 6:4.
Durrant sieht keinen normalen Rhythmus
Glenn Durrant ordnete die Szene in der Übertragung deutlich ein. Der frühere Weltmeister fragte zunächst, ob es sich um ein Griffproblem handeln könne. Gleichzeitig betonte er, dass Pietreczko zuvor über sechs Legs „absolut brillant“ gespielt habe. Genau deshalb fiel der Bruch im Ablauf so stark auf.
Durrant beschrieb anschließend, dass der Deutsche nicht mehr in seinem natürlichen Rhythmus gewesen sei. Es wirke wie ein klassisches Beispiel dafür, dass ein Spieler die Darts nur irgendwie aus der Hand bekommen wolle. Der Wurf komme nicht wie üblich aus Unterarm, Handgelenk oder Ellenbogen, sondern deutlich stärker über die Schulter.
Besonders auffällig war Durrants Einschätzung zum Moment des Loslassens. Es wirke fast so, als würde das Gehirn sagen, den Dart nicht zu werfen, weil es nicht der normale Bewegungsablauf sei. Sein Fazit war entsprechend klar: „Er hat hier Probleme.“ Gleichzeitig hob Durrant hervor, dass die Entschlossenheit nicht verschwunden sei. Man habe am Ende gesehen, wie Pietreczko die Zähne zusammengebissen habe.
Keine Diagnose, aber eine heikle Szene
Bei solchen Bildern fällt im Darts schnell der Begriff Dartitis. Gemeint ist damit eine Blockade im Wurfablauf, bei der Spieler den Dart nicht mehr im gewohnten Moment loslassen können. Bei Pietreczko wäre eine solche Einordnung aber voreilig. Von außen lässt sich nicht sicher sagen, ob es sich um ein vorübergehendes Griffproblem, einen mentalen Block oder etwas anderes handelte.
Wichtig ist deshalb die Unterscheidung: Durrant stellte keine Diagnose, sondern beschrieb, was sichtbar war. Ein Spieler verlor seinen natürlichen Ablauf, setzte mehrfach ab und kämpfte erkennbar mit dem Loslassen des Darts. Eine eigene Erklärung von Pietreczko zu dieser konkreten Szene lag zunächst nicht vor.
Dass „Pikachu“ Probleme grundsätzlich nicht versteckt, zeigte sich in der Vergangenheit mehrfach. Bei der PDC Darts-WM 2026 sprach er nach seinem Erstrundensieg gegen José de Sousa offen über gesundheitliche Schwierigkeiten auf der Bühne. „Mitte des dritten Satzes hatte ich tatsächlich extreme Kreislaufprobleme“, sagte der Deutsche damals bei Sport1. Ihm sei teilweise „schwarz vor Augen“ gewesen.
Auch bei der Hungarian Darts Trophy 2024 erklärte Pietreczko seine Aufgabe gegen Ross Smith später selbst. Damals ging es um Schmerzen am rechten Handgelenk. Nach der Partie schrieb er: „Mein Handgelenk schmerzt extrem.“ Genau deshalb bleibt bei der Szene gegen Searle Vorsicht wichtig: Frühere Beispiele zeigen zwar, dass Pietreczko Probleme offen einordnet. Für den auffälligen Wurfablauf bei PC12 liegt eine eigene Erklärung aber bislang nicht vor.
Warum der Moment so wichtig ist
Die Niederlage sollte deshalb nicht einfach als normales 4:6 gegen Searle abgehakt werden. Pietreczko war im Match, hatte beim Stand von 3:3 die Chance, weiter Druck aufzubauen, und verlor dann in einem entscheidenden Moment den Rhythmus. Auf dem Floor kann so eine kurze Phase reichen, um ein ausgeglichenes Spiel kippen zu lassen.
Für den Deutschen kommt die Szene in einer Phase, in der er auf der Pro Tour ohnehin um Konstanz kämpfen muss. Seine Qualität ist unbestritten, doch gerade der Wurfablauf ist im Darts extrem sensibel. Wenn Timing, Griff und Selbstvertrauen nur kurz aus dem Gleichgewicht geraten, kann selbst ein einzelner Dart zur Herausforderung werden.
Genau das machte den Moment gegen Searle so auffällig. Es ging nicht nur um einen vergebenen Dart oder ein verlorenes Leg, sondern um einen sichtbaren Bruch in einem Bewegungsablauf, der bei Profis normalerweise automatisiert wirkt. Pietreczko verlor kurz seinen natürlichen Wurfrhythmus – und damit bekam dieses Erstrunden-Aus deutlich mehr Aufmerksamkeit als ein normales 4:6 auf dem Floor.







