Jonny Clayton: Bloß nicht Littler im Premier League-Halbfinale

Jonny Clayton steht in der Premier League Darts 2026 ganz oben – und doch geht es für den Waliser in den kommenden Wochen nicht nur um Platz eins. Vor der Finals Night im Londoner O2 wird auch die Setzposition immer wichtiger. Denn wer nach der Ligaphase in den Top zwei steht, kann ein mögliches Halbfinale gegen Luke Littler vermeiden.

Genau dieser Gedanke spielt im Umfeld von „The Ferret“ offenbar eine Rolle. Der frühere BDO-Weltmeister Mark Webster erklärte vor Night 13 in Aberdeen, er habe zuletzt mit dem 51-Jährigen gesprochen. Sein Eindruck: Das unmittelbare Ziel sei es, in den Top zwei zu bleiben und „jede Art von Halbfinale gegen Luke Littler“ zu vermeiden.

Das klingt im ersten Moment frech, ist aber reine Turnierlogik. Der frühere Premier-League-Champion führt die Tabelle nach zwölf Abenden an, Littler lauert direkt dahinter. Beide gehören längst zu den prägenden Spielern dieser Saison. Wer den derzeit gefährlichsten Mann der Liga erst im Finale treffen kann, hat am O2 bereits einen wichtigen Vorteil gewonnen.

Warum Platz zwei plötzlich Gold wert ist

Die Premier League belohnt nicht nur starke Einzelabende, sondern auch die Position nach 16 Nights. Die besten vier Spieler erreichen die Play-offs in London, wo Halbfinale und Finale am 28. Mai im O2 ausgetragen werden. Für einen Night-Sieg gibt es fünf Punkte, für den Finaleinzug drei Punkte und für eine Halbfinalteilnahme zwei Punkte. Genau deshalb kann sich die Tabelle an einem einzigen Abend deutlich verschieben.

Nach Night 12 führt Clayton die Tabelle mit 32 Punkten an. Littler liegt mit 29 Punkten direkt dahinter, dahinter folgen Gerwyn Price mit 19 Punkten und Michael van Gerwen mit 18 Punkten. Der Vorsprung auf Platz drei ist also komfortabel, aber der Abstand zu Littler bleibt eng. Genau daraus entsteht der eigentliche Druck: Für den Waliser geht es nicht nur darum, die Play-offs zu erreichen, sondern die Top zwei zu verteidigen.

Der Grund ist einfach: In der Finals Night spielt Platz eins gegen Platz vier und Platz zwei gegen Platz drei. Bleiben Clayton und Littler beide in den Top zwei, wäre ein direktes Duell erst im Finale möglich. Das macht Platz eins oder zwei deutlich wertvoller als einen normalen Tabellenrang. Es geht um den Weg zum Titel, nicht nur um Prestige.

Webster brachte diese Logik deutlich auf den Punkt. Spieler würden zwar häufig sagen, ihnen sei der Gegner egal. In Wahrheit spiele man aber lieber gegen jemand anderen als gegen die Nummer eins und den aktuell besten Spieler der Welt. Genau darin liegt der Reiz dieser Geschichte: Der Waliser hat vor Littler keine Kapitulation nötig, aber er wäre schlecht beraten, den schwersten möglichen Weg freiwillig zu nehmen.

Clayton weiß, dass er Littler schlagen kann

Angst wäre deshalb das falsche Wort. Der 51-Jährige hat Littler in dieser Premier-League-Saison bereits mehrfach geärgert und geschlagen. Webster erinnerte ebenfalls daran, dass der Routinier gegen den Weltmeister schon erfolgreich war und grundsätzlich weiß, dass er dieses Duell gewinnen kann.

Trotzdem bleibt Littler der Gegner, dem man am liebsten so spät wie möglich begegnet. Das zeigte auch Night 12 in Liverpool. Dort trafen beide im Finale aufeinander, und Littler gewann deutlich mit 6:1. Für Clayton war das kein Absturz, aber eine Erinnerung daran, wie schnell ein Abend gegen den Engländer kippen kann.

Genau deshalb ist der Begriff „Littler-Umweg“ so passend. „The Ferret“ muss dem 19-Jährigen nicht aus Schwäche ausweichen. Er muss nur clever genug sein, den besten Weg durch das Turnier zu suchen. Wer in London Champion werden will, muss wahrscheinlich ohnehin an Littler vorbei. Die Frage ist nur: schon im Halbfinale oder erst im Finale?

Aberdeen wird zum nächsten Kontrollpunkt

Vor Night 13 in Aberdeen trifft Clayton im Viertelfinale auf Gian van Veen. Auch dieses Duell ist wichtig, weil der Waliser seinen Platz an der Spitze festigen will. Littler spielt auf der anderen Seite gegen Josh Rock. Beide können also erneut Kurs auf ein direktes Finale nehmen.

Für den Tabellenführer geht es dabei um mehr als den nächsten Abendssieg. Er hat sich mit vier Night-Siegen in eine hervorragende Position gebracht, aber die Premier League bleibt bis zum Schluss ein Rennen um Momentum. Jeder Punkt kann darüber entscheiden, ob der Weg am O2 günstiger oder deutlich schwerer wird.

Genau das macht die Ausgangslage so interessant. Jonny Clayton ist Tabellenführer, spielt eine starke Saison und wirkt laut Webster derzeit relativ frei. Trotzdem zeigt die Debatte um Littler, wie groß der Respekt vor dem Weltmeister inzwischen ist. Selbst der Mann an der Spitze möchte ihn nicht früher als nötig treffen.

Für den früheren Premier-League-Champion ist Aberdeen deshalb nicht nur die nächste Station auf dem Weg nach London. Es ist ein weiterer Schritt in einem stillen Positionskampf: vorne bleiben, Top zwei absichern – und Luke Littler im Premier League-Halbfinale möglichst aus dem Weg gehen.

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