László Kádár hat bei der Hungarian Darts Trophy 2026 für eine der ungewöhnlichsten Geschichten des ersten Turniertages gesorgt. Der 57-Jährige besiegte Daryl Gurney mit 6:5 und gewann damit direkt bei seinem ersten Auftritt auf einer PDC-Bühne gegen einen etablierten Profi.
Bemerkenswert ist dabei nicht nur der sportliche Erfolg. Kadar macht keinen Hehl daraus, dass er trotz dieses Sieges keine Karriere auf der PDC Tour anstrebt. Der Ungar arbeitet als Lehrer und Schuldirektor im rumänischen Mezőrücs. Genau daher stammt auch sein Spitzname „The Teacher“.
„Ich plane nicht, PDC-Spieler zu werden“, sagte Kadar nach seinem Sieg gegenüber Nemzeti Sport. Der Grund dafür liegt vor allem in seinem Beruf. Mehrere Tage am Stück könne er in der Schule nicht fehlen. Zudem erklärte der 57-Jährige, dass er seine Arbeit liebe und nicht vorhabe, sie für eine Darts-Karriere aufzugeben.
Dass er überhaupt beim Qualifier für die Hungarian Darts Trophy antreten konnte, hing auch mit dem Termin zusammen. Das Turnier findet diesmal bereits Ende August statt. Kadar erklärte, dass er den ungarischen Qualifier auch deshalb gespielt habe, weil das Event nicht wie zuvor erst im September ausgetragen wird.
„Das Publikum hat mir enorme Kraft gegeben“
Auf der Bühne ließ sich „The Teacher“ von seinem PDC-Debüt kaum beeindrucken. Gegen Gurney hielt er das Match bis ins Entscheidungsleg offen. Am Ende standen ein Average von 93,90 Punkten, vier 180er und sechs Treffer bei 14 Versuchen auf die Doppelfelder.
Der 57-Jährige erklärte anschließend, dass die Fehler seines Gegners ihm zunehmend Selbstvertrauen gegeben hätten. Gleichzeitig spielte die Unterstützung im MVM Dome für ihn eine entscheidende Rolle. „Die Erfahrung und das Publikum haben mir enorme Kraft gegeben“, sagte der Ungar. Mehrfach habe er sich während des Spiels gedacht, noch ein Triple oder Doppel treffen zu müssen, weil die Unterstützung von den Rängen so außergewöhnlich gewesen sei.
Auch seine vier 180er verband der 57-Jährige mit der Atmosphäre in Budapest. In dieser Stimmung wäre es für ihn fast schade gewesen, kein Maximum zu werfen. Selbst bei 161 Punkten Rest versuchte er das Checkout, obwohl Gurney noch nicht auf einem Finish stand. „Wir haben es gemeinsam geschafft – sie für mich, ich für sie“, sagte Kadar mit Blick auf die Fans.
Dass der Erfolg gegen Gurney nicht völlig aus dem Nichts kam, zeigt seine Erfahrung außerhalb der PDC. Seit 2010 ist er regelmäßig bei WDF-Turnieren unterwegs, fünf davon konnte er gewinnen. Zudem nahm er bereits dreimal an einer WDF-Weltmeisterschaft teil.
Der Auftritt in Budapest war für ihn trotzdem eine neue Größenordnung. Gurney ging als Nummer 30 der Welt in die Partie und gewann in seiner Karriere unter anderem den World Grand Prix sowie die Players Championship Finals. Kadar ließ sich davon nicht beeindrucken und nutzte die Schwächen des Nordiren konsequent.
Gerade deshalb wirkt seine Entscheidung gegen eine PDC-Karriere ungewöhnlich. Während viele Spieler einen solchen Sieg als möglichen Einstieg in eine professionelle Laufbahn sehen würden, bleiben für den 57-Jährigen Schule und Beruf klar im Mittelpunkt.
Viel Zeit zum Genießen bleibt ihm allerdings nicht. Am Samstagabend steht bereits die nächste große Aufgabe an. In der zweiten Runde trifft Kadar im zweiten Match der Abend-Session auf Jonny Clayton. Der Waliser gehört seit Jahren zur erweiterten Weltspitze und geht als klarer Favorit in das Duell. Für „The Teacher“ bietet sich damit die nächste Gelegenheit, seinen überraschenden Lauf in Budapest fortzusetzen.
Nach dem 6:5 gegen Gurney hat Kadar bereits gezeigt, dass er auch gegen erfahrene PDC-Profis bestehen kann. Unabhängig vom Ausgang gegen Clayton ist sein Debüt damit schon jetzt einer der besonderen Momente dieser Hungarian Darts Trophy.









