Joe Cullen ist des Darts müde – „100 Dinge lieber“

Joe Cullen gab für seine Karriere einst seinen sicheren Arbeitsplatz auf und nahm gemeinsam mit seiner jungen Familie erhebliche finanzielle Risiken in Kauf. Fast zwei Jahrzehnte später beschreibt der Engländer seine Beziehung zum Profisport deutlich nüchterner. Im „Tops and Tales Podcast“ erklärte der 37-Jährige, dass er den Dartsport verlassen würde, wenn ihm ein anderer Beruf ein vergleichbares Einkommen bieten könnte.

„Ich glaube, es liegt daran, dass ich das schon so lange mache“, sagte der Engländer im Gespräch mit PDC-Caller Huw Ware. Weil er bereits in jungen Jahren auf dem Circuit begonnen habe, komme ihm seine Karriere inzwischen besonders lang vor. „Wenn ich vielleicht einen anderen Job finden könnte, der genauso gut bezahlt wird, würde ich das definitiv machen.“

Damit zeichnet er ein deutlich anderes Bild als zu Beginn seiner Laufbahn. Damals arbeitete „The Rockstar“ als Postbote, wurde mit 18 Jahren Vater und entschied sich gemeinsam mit seiner Frau trotz großer finanzieller Risiken für den Weg als Dartsprofi. Zeitweise musste sich die Familie Geld bei den Eltern leihen, um den Alltag zu finanzieren.

Der frühere Masters-Sieger betont allerdings, dass er seine heutige Situation keineswegs als selbstverständlich betrachtet. „Ich bin nicht so dumm zu glauben, dass ich nicht großes Glück habe, dort zu sein, wo ich bin, und das tun zu können, was ich tue“, erklärte Joe Cullen.

Anschließend formulierte er seine aktuelle Haltung besonders deutlich: „Ich könnte 100 Dinge nennen, die ich viel lieber machen würde, als Darts zu spielen. Aber Darts bezahlt eben die Rechnungen.“

„The Rockstar“ dachte mehrfach über das Aufhören nach

Cullen hat einen möglichen Rückzug nach eigener Aussage bereits mehrfach mit seiner Frau besprochen. Diese habe ihm entgegnet, dass er einfach mit dem Spielen aufhören könne. Für den Engländer ist die Entscheidung jedoch wesentlich komplizierter.

Sollte er seine Karriere beenden und einige Jahre später doch zurückkehren wollen, wäre der Weg auf die PDC-Tour äußerst schwierig. Hinzu kommen bestehende Verpflichtungen gegenüber Sponsoren und weiteren Partnern. Zugleich bietet ihm der Profisport ein Einkommen, das sich außerhalb des Darts nur schwer ersetzen ließe.

„Ich glaube, ich wäre ziemlich dumm, das einfach aus einer Laune heraus aufzugeben“, sagte der Engländer. Seine Aussagen sind deshalb nicht als konkrete Rücktrittsankündigung zu verstehen. Sie zeigen vielmehr, wie stark sich sein Verhältnis zum Sport im Laufe der Jahre verändert hat.

Der Kontrast zu seinen schwierigen Anfangsjahren ist deutlich. Damals musste Cullen Turniere gewinnen, weil seine Familie auf das Preisgeld angewiesen war. Heute bietet ihm ausgerechnet der Dartsport die finanzielle Sicherheit, für die er seinen damaligen Beruf aufgab. Die frühere Begeisterung für das Leben auf dem Circuit scheint jedoch nicht mehr in gleicher Form vorhanden zu sein.

Wie groß die Opfer zu Beginn seiner Laufbahn waren, schilderte der 37-Jährige bereits ausführlich im selben Podcast. Der Engländer gab seinen Arbeitsplatz auf, während seine Frau die junge Familie finanziell absicherte. Der Hintergrund seiner Karriere ist in unserem Artikel „Joe Cullen ging für seinen Darts-Traum an seine Grenzen“ ausführlich nachzulesen.

Trotz seiner Zweifel verfolgt Cullen weiterhin sportliche Ziele. Er wolle nicht zu den Spielern gehören, deren Karriere langsam auslaufe und die schließlich aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwänden. „Ich möchte nicht einer von denen sein, die einfach versanden und von denen man nie wieder etwas hört“, erklärte der Engländer. Nur er selbst könne diese Entwicklung verhindern und seine Laufbahn wieder in die gewünschte Richtung lenken.

Cullen sieht weiterhin genügend Potenzial, um bei den großen Turnieren eine Rolle zu spielen. Seine vergangenen Jahre bewertet er zwar selbstkritisch, verweist aber darauf, dass er trotz schwächerer Phasen weiterhin regelmäßig die TV-Turniere erreicht habe. Der frühere Premier-League-Finalist glaubt deshalb, dass mit größerem Einsatz erneut bedeutende Erfolge möglich sind. „Stell dir vor, ich würde wieder etwas mehr Arbeit investieren, anstatt nur zu den TV-Turnieren zu erscheinen“, sagte Cullen. Dann könne er wieder für Aufsehen sorgen und möglicherweise noch einmal einen großen Titel gewinnen.

Joe Cullen befindet sich damit an einem Wendepunkt: Die frühere Begeisterung ist nüchterner Routine gewichen, doch sein Ehrgeiz ist noch nicht verschwunden. Bevor er die Bühne verlässt, will „The Rockstar“ offenbar noch einmal zeigen, welches sportliche Potenzial weiterhin in ihm steckt.

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