Gary Anderson schwärmt nach Finalniederlage von Budapest

Gary Anderson hat die Hungarian Darts Trophy 2026 zwar ohne Titel beendet, Budapest aber offenbar nachhaltig beeindruckt. Nach der deutlichen 2:8-Niederlage im Finale gegen Ross Smith sprach der Schotte offen über einen kräftezehrenden Finaltag, lobte seinen Gegner und fand vor allem für den MVM Dome und die ungarischen Fans außergewöhnlich warme Worte.

Der Weg ins Endspiel hatte dem zweimaligen Weltmeister einiges abverlangt. Bereits im Achtelfinale gegen Stephen Bunting musste „The Flying Scotsman“ beim 6:5 über die volle Distanz. Es folgte ein weiteres 6:5 gegen Gian van Veen, ehe er im Halbfinale gegen Nathan Aspinall sogar einen 4:6-Rückstand noch in einen 7:6-Sieg verwandelte.

Im Finale waren die Reserven schließlich weitgehend aufgebraucht. Anderson machte daraus nach der Partie kein Geheimnis und kommentierte seine Situation mit dem für ihn typischen Humor. „Mir ist schon lange vorher die Puste ausgegangen. Dass ich überhaupt bis ins Finale gekommen bin, war pures Glück. Es war fast ein Geschenk der Götter, dass ich es so weit geschafft habe“, sagte der Schotte im PDC-Gespräch und blickte damit selbstironisch auf seinen langen Finaltag zurück.

Seine Müdigkeit wollte er allerdings keinesfalls als Ausrede für die deutliche Niederlage verstanden wissen. Stattdessen rückte er unmittelbar die Leistung des neuen Champions in den Mittelpunkt. „Ross war heute brillant. Wenn man gesehen hat, wie er vorher gespielt hat, dann wusste man, dass es schwierig wird. Er war fantastisch“, erklärte Anderson und zollte seinem Finalgegner damit ausdrücklich Respekt.

Smith ließ ihm im Endspiel mit 8:2 kaum Möglichkeiten und sicherte sich verdient den Titel. Für Anderson änderte die Niederlage allerdings wenig daran, dass er Budapest mit sehr positiven Erinnerungen verlassen wird.

Anderson begeistert von Budapest und den Fans

Schon im Viertelfinale gegen Gian van Veen war deutlich geworden, auf wessen Seite ein großer Teil des Publikums stand. Im Halbfinale gegen Nathan Aspinall und später auch im Endspiel gegen Smith begleiteten Anderson immer wieder lautstarke „Gary, Gary“- und „Let’s go Gary“-Sprechchöre.

Der 55-Jährige nahm diesen Rückhalt sichtbar wahr. Selbst als das Finale immer deutlicher zugunsten seines Gegners verlief, blieben die Rufe aus den Rängen nicht aus. Nach dem Match fand Gary Anderson entsprechend deutliche Worte für den Austragungsort und die Fans. „Ich war schon an sehr vielen Austragungsorten. Das hier ist wahrscheinlich einer der besten, vielleicht sogar der beste. Belgien fand ich schon richtig gut, aber das hier setzt noch einen drauf. Es ist fantastisch. Und das Publikum – fantastisch.“

Gerade nach einem Finaltag mit drei Partien über die volle Distanz wirkte dieses Lob nicht wie eine reine Höflichkeitsfloskel. Die Zuschauer hatten den Schotten über Stunden begleitet und ihn auch nach schwächeren Aufnahmen immer wieder lautstark unterstützt. Spätestens am Sonntagabend war klar, dass Anderson in Budapest zum Publikumsliebling geworden war.

Dass ihm im Finale schließlich die Kräfte fehlten, bedeutet allerdings nicht, dass Anderson sportlich kürzertreten möchte. Der Finaleinzug zeigte vielmehr, dass er weiterhin tief in große Turniere vorstoßen kann – auch wenn er selbst sein Alter mit einem Augenzwinkern thematisierte. „Ich bin natürlich nicht mehr so jung wie diese Jungs, aber ich versuche es weiter“, sagte der zweimalige Weltmeister und richtete den Blick damit bereits wieder nach vorne.

Schon in der kommenden Woche könnte es für Anderson auf der European Tour weitergehen. „Sieht so aus, als würde ich nächste Woche nach Prag fahren“, erklärte er nach dem Finale. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die verbleibenden Turniere sportlich wichtig bleiben: „Wir haben noch einige Turniere vor uns, um uns für die Finals zu qualifizieren, und ich werde wirklich alles dafür geben.“

Damit rückte die Finalniederlage schnell in den Hintergrund. Budapest lieferte Anderson schließlich genügend positive Argumente: drei dramatische Siege am Finaltag, den Einzug ins Endspiel und eine Halle, die den „Flying Scotsman“ über Stunden lautstark unterstützte. Sollte er tatsächlich in Prag antreten, bekommt er dort direkt die nächste Gelegenheit, an diesen Lauf anzuknüpfen.

Der Titel ging an Ross Smith. Gary Anderson verließ Budapest dennoch als Finalist – und als klarer Publikumsliebling.

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