European Championship 2026: Schindler zerlegt Clayton – „The Wall“ steht im Halbfinale

Martin Schindler hat die Dortmunder Westfalenhalle mit einer überragenden Vorstellung begeistert. Deutschlands Nummer eins bezwang Jonny Clayton bei der European Championship 2026 im Viertelfinale mit 10:1 und erreichte damit nicht nur erstmals das EM-Halbfinale, sondern auch sein erstes Major-Halbfinale überhaupt. Der 30-Jährige ließ dem Waliser kaum eine Chance und sorgte für eine ausgelassene Stimmung vor heimischem Publikum.

Dabei hatte vieles auf ein wesentlich engeres Duell hingedeutet. Clayton war am Samstag mit einem 10:8 gegen Josh Rock weitergekommen und hatte einen Average von 98,28 Punkten gespielt. Doch schon in der Anfangsphase zeigte sich, wer die entscheidenden Momente bestimmen würde. „The Wall“ nutzte seine ersten vier Doppelchancen, führte zur ersten Pause mit 4:1 und wurde von den Dortmunder Fans lautstark gefeiert.

Unmittelbar nach der Pause folgte der spektakulärste Moment: Mit einem 167er-Finish erhöhte Schindler auf 5:1. Den Treffer feierte er mit einem Brillen-Jubel. Anstatt Clayton noch einmal ins Spiel kommen zu lassen, zog der Deutsche auf 7:1 und schließlich auf 9:1 davon. Erst im achten Leg verfehlte er überhaupt erstmals ein Doppelfeld. Mit seinem zweiten Matchdart auf Doppel 20 machte er das 10:1 perfekt.

167er-Finish und 66,67 Prozent auf die Doppel

Wie dieses deutliche Ergebnis zustande kam, zeigt vor allem die Statistik beim Ausmachen. Schindler traf zehn seiner 15 Doppelversuche – eine Quote von 66,67 Prozent. Clayton hatte im gesamten Viertelfinale lediglich zwei Chancen auf die Doppel und nutzte davon eine. Damit fehlten dem Waliser trotz ordentlicher Aufnahmen die Gelegenheiten, seine Punkte auch in Leggewinne umzusetzen.

Noch auffälliger ist der Blick auf die Averages: 99,26 Punkte auf deutscher Seite standen 98,92 Punkten beim Gegner gegenüber. Obwohl Clayton mit vier 180ern sogar drei Maxima mehr warf, blieb er bei einem einzigen Leggewinn. Neben dem 167er-Finish gelang Schindler ein weiterer Checkout von mindestens 100 Punkten. Die beinahe identischen Punkteschnitte verdeutlichen, wie entscheidend die Chancenverwertung an diesem Nachmittag war.

Der Einzug in die Runde der letzten Vier krönt eine bemerkenswerte Entwicklung innerhalb weniger Tage. Zum Auftakt hatte „The Wall“ gegen Wessel Nijman noch ein Entscheidungsleg benötigt, um mit 6:5 weiterzukommen. Es folgte ein 10:4 über Jermaine Wattimena, gegen den er bereits 52,63 Prozent seiner Doppel getroffen hatte. Im Viertelfinale steigerte er diesen Wert nochmals deutlich.

Dabei war seine Teilnahme in Dortmund lange nicht sicher. Beim World Matchplay war früh Schluss, den World Grand Prix verpasste er. Erst als Nummer 31 der European Tour Order of Merit sicherte sich Schindler einen der 32 Startplätze. Nach dem Achtelfinale hatte er im PDC-Bühneninterview von einem „ziemlich merkwürdigen Jahr“ gesprochen: Teilweise habe er ordentlich gespielt und trotzdem verloren.

Am Sonntagabend bekommt diese Geschichte ihre nächste Fortsetzung. Ab 19 Uhr stehen die Halbfinals auf dem Programm; der Gegner wird zwischen Luke Littler und Krzysztof Ratajski, „The Polish Eagle“, ermittelt. Vor heimischem Publikum bietet sich nun die Chance, aus dem ersten Major-Halbfinale gleich den ersten Finaleinzug zu machen.

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