Sieben Duelle, sieben Niederlagen – diese Bilanz hatte Krzysztof Ratajski vor seinem Viertelfinale gegen Luke Littler vorzuweisen. In Dortmund beendete der 49-Jährige die Serie ausgerechnet bei der European Championship 2026. Mit 10:6 warf er den Weltranglistenersten aus dem Turnier und erreichte die Runde der letzten Vier. Der Pole führte zwischenzeitlich 8:3, musste anschließend noch einmal eine Aufholjagd abwehren und machte beim Stand von 9:6 den überraschenden Erfolg perfekt.
Die Entscheidung fiel vor allem auf den Doppelfeldern. Zehn von 18 Versuchen traf der Außenseiter, eine Quote von 55,56 Prozent. Sein Gegner benötigte 16 Darts für sechs erfolgreiche Checkouts und lag bei 37,50 Prozent. Beim Average hatte der Sieger mit 100,79 zu 99,08 Punkten ebenfalls die Nase vorn. Auch die fünf 180er gegenüber sieben Maximum-Aufnahmen des Engländers änderten nichts am Ausgang. Am Samstag hatte der Titelanwärter noch mit 114,47 Punkten im Average gegen Nathan Aspinall geglänzt.
Aus deutscher Sicht wurde die Nachmittagssession bei der European Championship 2026 zum Festtag. Martin Schindler zerlegte Jonny Clayton mit 10:1 und stand danach zum ersten Mal in einem Halbfinale eines Einzel-Majors. Nach dem Ausgleich zum 1:1 gewann „The Wall“ neun Legs in Folge. Beim 4:1 in der ersten Pause deutete sich die Überlegenheit bereits an. Danach folgte ein spektakuläres 167er-Finish zum 5:1. Mit dem Jubel der Zuschauer im Rücken blieb der 30-Jährige bis zum entscheidenden Matchdart auf Doppel 20 konsequent.
Entscheidend war die Chancenverwertung: Zehn Treffer bei 15 Doppelversuchen ergeben 66,67 Prozent, der Waliser kam überhaupt nur zweimal zum Wurf auf ein Doppelfeld. Der Deutsche warf lediglich eine 180, sein Gegner vier – ein gutes Beispiel dafür, dass Maximum-Aufnahmen nicht allein über Leggewinne entscheiden. Mit einem Average von 103,16 Punkten überzeugte der Strausberger auch beim Scoring. Sein Weg führte über ein 6:5 gegen Wessel Nijman und ein 10:4 gegen Jermaine Wattimena.
Die Leistung wiegt auch deshalb schwer, weil seine Saison bislang von Rückschlägen geprägt war. Den World Grand Prix verpasste er, und für die European Championship qualifizierte er sich erst beim letzten European-Tour-Turnier. Mit Platz 31 der Qualifikationsrangliste reiste er keineswegs als einer der großen Favoriten an.
Den Viertelfinaltag der European Championship eröffnete Ross Smith mit einem 10:6 über Luke Woodhouse. Beide lieferten hohe Punkteschnitte: 107,00 Punkte beim Sieger, 102,40 beim unterlegenen Engländer. Sieben 180er, 14 Aufnahmen zwischen 140 und 179 Punkten und ein 145er-Checkout waren die auffälligsten Zahlen des Gewinners. Der Kontrahent kam trotz guter Scoringleistung und einer Doppelquote von 60 Prozent nicht entscheidend heran. Für den Neun-Darter-Schützen, der anschließend Titelverteidiger Gian van Veen ausgeschaltet hatte, endete das Turnier dennoch im Viertelfinale. Smith, Europameister von 2022, darf dagegen weiter vom nächsten Titel träumen.
Auch Gerwyn Price setzte ein deutliches Zeichen. Gegen Stephen Bunting stand am Ende ein 10:3. Der Waliser erreichte 103,03 Punkte im Drei-Dart-Average und verwandelte zehn seiner 18 Doppelversuche. Die Quote von 55,56 Prozent war deutlich besser als die 27,27 Prozent seines Gegners. Dazu kamen vier 180er und zwei Checkouts von mindestens 100 Punkten. „The Iceman“ hatte zuvor bereits Rob Cross und Cameron Menzies bezwungen und untermauerte mit seinem dritten Erfolg die Titelambitionen.
European Championship 2026: Das sind die Halbfinals
Für das erste Halbfinale steht damit das Duell zwischen Smith und Price fest. Anschließend treffen Schindler und Ratajski aufeinander. Die Abendsession beginnt um 19 Uhr deutscher Zeit in der Westfalenhalle. Die Vorschlussrunde wird im Modus „Best of 21 Legs“ gespielt: Wer elf Legs erreicht, zieht ins Endspiel ein. Das Finale folgt noch am selben Abend und wird ebenfalls über maximal 21 Legs entschieden.
Der Sieger der European Championship 2026 erhält 150.000 Pfund, der unterlegene Finalist 80.000 Pfund. Bereits das Halbfinale garantiert jedem der vier verbliebenen Spieler 50.000 Pfund. Doch noch wichtiger ist die sportliche Ausgangslage: Mit dem Aus des Weltranglistenersten ist der Titelkampf neu sortiert. Zwei Siege trennen die verbliebenen Profis von der Trophäe. Vor allem die deutschen Zuschauer dürfen weiter auf einen historischen Abend hoffen.










