William O’Connor hat beim World Cup of Darts nicht nur sportlich geliefert, sondern auch den Turniermodus deutlich kritisiert. Nach Irlands 4:1-Auftaktsieg gegen Singapur nahm der Ire die Regel ins Visier, nach der die vier Topnationen direkt ins Achtelfinale einsteigen, während andere gesetzte Teams erst durch die Gruppenphase müssen.
Irland ist mit William O’Connor und Mickey Mansell als Nummer acht gesetzt. Trotzdem muss das Duo in der Vorrunde antreten. England, die Niederlande, Nordirland und Schottland steigen dagegen erst in der K.o.-Runde ein. Genau daran stört sich der erfahrene Ire.
Der 39-Jährige aus Limerick ist einer der erfahrensten Spieler in diesem Wettbewerb. Beim World Cup steht O’Connor bereits zum 16. Mal für Irland auf der Bühne. Gerade deshalb hat seine Kritik Gewicht: Sie kommt nicht von einem Außenseiter, der sich nur über eine schwere Auslosung beschwert, sondern von einem langjährigen World-Cup-Spieler, der den Wettbewerb genau kennt.
William O’Connor kritisiert Vorteil für Top-4-Teams
Laut talksport bezeichnete O’Connor die Regelung als „absolutely rubbish“. Besonders stört ihn, dass die vier bestgesetzten Nationen erst später ins Turnier einsteigen und damit die gefährlichen kurzen Gruppenspiele umgehen.
Sein Punkt ist nachvollziehbar: In der Gruppenphase wird über Best of 7 Legs gespielt. Die Distanz ist kurz, ein frühes Break oder ein schwacher Start kann sofort teuer werden. Wer dagegen erst im Achtelfinale einsteigt, spielt nicht nur später, sondern auch unter anderen Bedingungen.
Der Ire brachte das deutlich auf den Punkt. Sinngemäß sagte er, wenn es ein World Cup sei, sollten alle Teams im selben Draw starten. Außerdem forderte er, die Topteams sollten in dieselbe Runde wie die anderen Nationen gesetzt werden.
Genau darin liegt der Kern seiner Kritik. Es geht nicht darum, dass Irland Angst vor der Gruppenphase hätte. Es geht um die Frage, warum ein Teil der gesetzten Teams sofort liefern muss, während die größten Nationen zunächst zuschauen dürfen.
Der Ire spricht aus Erfahrung
O’Connor kennt den World Cup of Darts besser als fast jeder andere Spieler im Feld. 2019 stand er mit Steve Lennon sogar im Finale. Seit Jahren gehört er zu den prägenden Figuren des irischen Teams, auch wenn Irland nicht zu den ganz großen Favoriten zählt.
Gerade deshalb wirkt seine Kritik nicht wie ein spontaner Frustmoment. Der Routinier sieht einen Wettbewerb, der als Team-Weltcup verkauft wird, aber nicht für alle Teams gleich beginnt. Für ihn passt das nicht zusammen.
Dass Irland den Auftakt gewonnen hat, macht die Aussagen sogar stärker. Die Kritik kommt nicht nach einer Niederlage, sondern nach einem Sieg. Es geht also nicht darum, eine sportliche Enttäuschung zu erklären. Es geht um den Grundsatz.
Kurze Distanz macht die Gruppenphase gefährlich
Die Kritik richtet sich nicht nur gegen das Freilos selbst, sondern auch gegen die Kombination mit der kurzen Distanz. In der Vorrunde kann ein Match schnell kippen. Ein verpasstes Doppel, ein schlechtes Leg oder ein starker Lauf des Gegners reichen, um eine Gruppe plötzlich kompliziert zu machen.
Der Ire formulierte es drastisch: Bei diesem Format könnten sogar „two boys from the pub“ auftauchen und gewinnen. Das ist zugespitzt, erklärt aber sehr gut, warum er die Regel für unfair hält.
Die Top-4-Teams müssen diese kurze Gefahrenzone nicht durchlaufen. Sie starten erst, wenn das Turnier bereits sortiert ist. Für Teams wie Irland, Belgien, Deutschland, Wales oder Australien gilt das nicht. Auch sie sind gesetzt, müssen aber trotzdem durch die Gruppenphase.
Irland erledigt die Aufgabe gegen Singapur
Sportlich ließ sich Irland von der Diskussion zunächst nicht aus dem Konzept bringen. Das Duo gewann sein Auftaktspiel gegen Singapur mit 4:1 und verschaffte sich damit eine gute Ausgangslage in der Gruppe.
Mit einem weiteren Sieg gegen Gibraltar würde Irland den Sprung in die K.o.-Runde schaffen. Gibraltar war kurzfristig ins Teilnehmerfeld gerückt, nachdem Uganda wegen Visa-Problemen nicht antreten konnte. Der Weg ist damit klar: erst die Gruppe gewinnen, dann in der K.o.-Runde zeigen, dass Irland auch sportlich zu den gefährlichen Teams gehört.
Trotzdem bleibt die Kritik am Modus bestehen. Denn selbst wenn Irland weiterkommt, hat das Team zusätzliche Arbeit erledigen müssen, die den Top 4 erspart bleibt. Genau diese Ungleichheit macht die Debatte so interessant.
Die Regel bleibt ein Streitpunkt
Aus Turnierlogik lässt sich die Regel erklären: Die größten Nationen bleiben sicher bis zur K.o.-Phase im Wettbewerb, das Achtelfinale bekommt zusätzliche Strahlkraft und die Setzliste schützt die Topteams stärker. Für Teams außerhalb der Top 4 wirkt sie aber wie eine zusätzliche Hürde.
Genau diese Spannung legt die Kritik offen. Der World Cup lebt von Nationen, Überraschungen und kurzen Teamduellen. Gleichzeitig beginnt das Turnier nicht für alle gesetzten Teams unter denselben Bedingungen.
Irland hat gegen Singapur den ersten Schritt gemacht. Doch nach dem Auftakt wurde deutlich, dass für William O’Connor nicht nur das nächste Spiel zählt. Es geht auch um die Frage, ob ein World Cup wirklich gleich beginnen sollte — oder ob die größten Nationen weiter eine Sonderrolle behalten.







