Vincent van der Voort hat sich über Simon Whitlocks erneute Teilnahme an der World Series lustig gemacht. Im Podcast „Darts Draait Door“ deutete der Niederländer scherzhaft an, der Australier müsse etwas über Barry Hearn wissen oder sogar kompromittierende Fotos besitzen, um weiterhin Startplätze auf der großen Bühne zu erhalten.
Ein markiger Spruch, der sich bestens für Schlagzeilen eignet. Mit den tatsächlichen Umständen der Teilnahme hat er allerdings wenig zu tun.
Der inzwischen 57 Jahre alte Australier wurde weder aus nostalgischen Gründen eingeladen noch erhielt er von der PDC eine zweifelhafte Wildcard. Er gewann die ANZ Premier League und qualifizierte sich dadurch sportlich für die World-Series-Turniere in Australien und Neuseeland. Seinen Platz bekam der „Wizard“ also nicht geschenkt, sondern erspielte ihn sich am Board.
Van der Voort erklärte zunächst: „Sie werden sich schon etwas einfallen lassen, damit er teilnehmen kann.“ Sollte Whitlock im kommenden Jahr nicht erneut gewinnen, werde die Qualifikation vermutlich einfach für fünf Jahre gültig erklärt, spottete der Niederländer weiter.
Anschließend legte er nach: „Ich glaube, Whitlock weiß etwas über Barry Hearn.“ Auf Nachfrage des Moderators wurde der Scherz noch persönlicher. Vielleicht habe der Australier Barry Hearn beim Umziehen fotografiert und halte diese Aufnahmen nun zurück, mutmaßte Van der Voort. Natürlich waren die Aussagen erkennbar nicht ernst gemeint. Dennoch hinterlassen sie einen großspurigen Beigeschmack.
Über Whitlocks aktuelle Leistungsfähigkeit darf diskutiert werden. Der „Wizard“ verlor seine vergangenen sechs Auftritte bei World-Series-Turnieren jeweils in der ersten Runde. Auch das Jahr 2024 verlief enttäuschend, ehe er Anfang 2025 seine Tour Card abgeben musste. Dass er nicht mehr das Niveau seiner erfolgreichsten Jahre erreicht, ist kaum zu bestreiten. Wer sich derart öffentlich über die Karrierechancen eines anderen Spielers lustig macht, sollte allerdings auch einen Blick auf die eigene Bilanz vertragen.
Whitlock stand sowohl bei der BDO- als auch bei der PDC-Weltmeisterschaft im Finale. Er gewann 2012 die Europameisterschaft, erreichte weitere große TV-Endspiele und führte Australien 2022 gemeinsam mit Damon Heta zum Titel beim World Cup of Darts. Über viele Jahre gehörte er zur erweiterten Weltspitze und war regelmäßig bei den wichtigsten Turnieren vertreten.
Van der Voort war ebenfalls lange ein etablierter PDC-Profi, erreichte die Top 16 der Weltrangliste und feierte mehrere Turniersiege. Ein großer PDC-Majortitel fehlt in seiner Vita jedoch. Auch ein WM-Finale oder ein Triumph beim World Cup gelang ihm nicht.
Das macht seine Karriere keineswegs bedeutungslos. Es lässt den Spott über einen deutlich erfolgreicheren Kollegen aber umso überheblicher erscheinen. Gerade Van der Voort sollte wissen, wie schwierig es ist, sich über Jahre auf der Tour zu behaupten und auch im fortgeschrittenen Darts-Alter noch Startplätze zu erkämpfen.
Der Australier mag inzwischen grauer sein, seine Tour Card verloren haben und auf der World Series zuletzt regelmäßig früh ausgeschieden sein. Trotzdem hat er sportlich mehr erreicht als der Mann, der ihn nun öffentlich verspottet. Für seine Teilnahme in Australien und Neuseeland brauchte der „Wizard“ weder geheime Absprachen noch angebliche Fotos von Barry Hearn. Er gewann die ANZ Premier League und erspielte sich seinen Startplatz am Board.
Van der Voorts Scherz mag im Podcast für Lacher sorgen. Als Kritik an Whitlocks Teilnahme ist er jedoch nicht nur großspurig, sondern schlicht am entscheidenden Fakt vorbei.










