Henry Coates: Teilzeit-Metzger jagt den Traum von der Tour Card

Henry Coates hat innerhalb weniger Wochen den Sprung vom weitgehend unbekannten Nachwuchsspieler zum PDC-Titelgewinner geschafft. Abseits der ProTour führt der 20-jährige Engländer allerdings weiterhin einen ausgesprochen bodenständigen Alltag. An drei Tagen pro Woche arbeitet er in der Metzgerei seines Vaters, ehe er am Abend das Fleischermesser gegen seine Darts austauscht.

Über die ungewöhnliche Verbindung aus Familienbetrieb und Profisport sprach Coates in Episode 462 des Weekly Dartscast. Dort erklärte der Engländer, dass die Arbeit in der Metzgerei weiterhin fester Bestandteil seines Lebens sei. „Ich bin Teilzeit-Metzger im Betrieb meines Vaters. Ich arbeite dort drei Tage pro Woche, mache Burger und erledige die allgemeinen Arbeiten“, sagte Coates im Gespräch mit Alex Moss und Burton DeWitt.

Für den Dartsport bleiben ihm vor allem die arbeitsfreien Abende. Dann verbringt er meist einige Stunden am Board und kommt nach eigenen Angaben auf drei Spielabende pro Woche. Trotz seines inzwischen deutlich volleren Terminkalenders hat er seinen bisherigen Tagesablauf noch nicht grundlegend verändert.

Seine ersten Erfahrungen sammelte Coates bereits im Alter von acht Jahren in einer örtlichen Pub-Liga. Später gehörte er zu den auffälligsten englischen Nachwuchsspielern und führte als Kapitän eine englische Auswahl zum Titel beim JDC World Cup in Gibraltar. Zu dieser Mannschaft gehörte auch der spätere Weltmeister Luke Littler.

Der endgültige Durchbruch bei den Erwachsenen gelang dem Engländer bei Players Championship 25 in Hildesheim. Als Nachrücker von der Challenge Tour spielte er sich bis ins Finale und besiegte dort Damon Heta mit 8:4. Coates erreichte einen Average von 104,88 Punkten, obwohl sein australischer Gegner sogar auf 106,11 Punkte kam.

Damit wurde der 20-Jährige erst der fünfte Spieler ohne Tour Card, der ein PDC-Ranglistenturnier gewinnen konnte. Gleichzeitig ist er der jüngste Sieger ohne Tour Card innerhalb der bisherigen Tour-Card-Ära. Für seinen ersten Titel auf der ProTour erhielt er ein Preisgeld von 15.000 Pfund.

Bescheidene Feier nach historischem Titel

Eine große Party gab es nach dem überraschenden Triumph nicht. Stattdessen verbrachte Coates den Abend gemeinsam mit Nathan Potter, Charlie Manby sowie Potters Eltern. „Wir gingen chinesisch essen, fuhren anschließend zurück ins Hotel und spielten ein paar Karten. Es war einfach ein schöner und entspannter Abend“, berichtete der Engländer im Weekly Dartscast.

Durch den Titelgewinn hat sich seine sportliche Ausgangslage deutlich verbessert. Der Nachwuchsspieler darf inzwischen auf mögliche Debüts bei der Weltmeisterschaft, dem Grand Slam of Darts und den Players Championship Finals hoffen. Von diesen Aussichten möchte er sich jedoch nicht unter Druck setzen lassen. „Wenn ich mich qualifiziere und weiterhin gut spiele, wäre es eine weitere neue Erfahrung. Falls nicht, liegen noch viele Jahre vor mir“, erklärte Coates.

Sein wichtigstes Ziel bleibt ohnehin der Gewinn einer PDC Tour Card. Die Leistungen in Hildesheim haben ihm gezeigt, dass er bereits mit erfahrenen Profis mithalten und über einen vollständigen Turniertag konstant hohe Averages produzieren kann. „Ich habe jetzt das Selbstvertrauen, dauerhaft Averages von mehr als 90 Punkten zu spielen und im richtigen Moment auch einen dreistelligen Average nachzulegen. Für die Zukunft bin ich zuversichtlich, meine Tour Card zu holen“, sagte der Engländer.

Für Coates könnte der Sieg bei Players Championship 25 somit der entscheidende Schritt auf dem Weg in den professionellen Dartsport gewesen sein. Bis zur erhofften Tour Card bleibt er jedoch Teilzeit-Metzger – und arbeitet weiter zwischen Familienbetrieb, Trainingsboard und den großen PDC-Turnieren an seinem ungewöhnlichen Karriereweg.

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