Ricardo Pietreczko über Dartitis: „Noch nie so viel Menschlichkeit bei der PDC gesehen“

Ricardo Pietreczko hat offen über eine der schwierigsten Phasen seiner bisherigen Karriere gesprochen. Der Deutsche kämpfte über mehrere Wochen mit Dartitis und erreichte Anfang Mai bei den Players Championship 14 in Hildesheim einen emotionalen Tiefpunkt. Sein Erstrundenmatch gegen Jeffrey de Zwaan musste er bereits nach zwei Legs abbrechen.

Gemeinsam mit seiner Partnerin Lena und Co-Moderator Obelix schilderte Pietreczko, wie belastend die Probleme geworden waren. Lena hatte den Auftritt in Hildesheim aus unmittelbarer Nähe verfolgt. Sie beschrieb, dass ihr Partner am Board nicht mehr um das Ergebnis gespielt, sondern nur noch versucht habe, das Match irgendwie zu Ende zu bringen.

Auch der Deutsche selbst machte deutlich, wie stark ihn die Wurfblockade beanspruchte. Beim European-Tour-Turnier in Riesa erreichte er zwar das Achtelfinale, war nach seinen Begegnungen jedoch vollkommen erschöpft. Um den Dart weiterhin lösen zu können, baute der frühere European-Tour-Sieger bewusst eine zusätzliche Bewegung in seinen Ablauf ein. Diese sollte, wie er erklärte, „meinen Kopf überlisten“ und die eigentliche Blockade beim Abwurf umgehen.

Lange hatte der 31-Jährige geglaubt, seine Probleme ohne professionelle Unterstützung bewältigen zu können. Schließlich begann er jedoch die Zusammenarbeit mit Mentaltrainer Johannes Lipsius. Damit korrigierte er seine frühere Einschätzung, für Mentalcoaching grundsätzlich stark genug zu sein. Die Entscheidung erwies sich angesichts des näher rückenden World Cup of Darts als wichtiger Schritt.

Pietreczko erlebt große Unterstützung durch seine Konkurrenten

Besonders bewegt zeigte sich der Deutsche von der Reaktion seiner Mitspieler nach dem Abbruch in Hildesheim. Zahlreiche Profis kamen unmittelbar auf ihn zu, boten Hilfe an oder berichteten von eigenen Erfahrungen. Kevin Doets empfahl ihm Akupunktur, Martin Lukeman schlug Training in einem Longsleeve vor. Dirk van Duijvenbode nahm ihn in den Arm und sprach ihm Mut zu.

Er habe „nie so viel Menschlichkeit bei der PDC gesehen“, sagte Pietreczko in Folge 2 „Wir blicken zurück“ seines eigenen Podcasts „Zwischen Donnerschlag und Hinkelstein“. In einem von Konkurrenz und wirtschaftlichem Druck geprägten Umfeld hätten die Spieler die sportliche Rivalität in diesem Moment vollständig zurückgestellt.

Eine besondere Rolle spielte Martin Schindler. Trotz der öffentlichen Diskussionen um die Verfassung seines Teamkollegen stellte sich Deutschlands Nummer eins klar hinter seinen World-Cup-Partner. Der Betroffene räumte ein, vor dem Turnier keine vollständige Sicherheit gehabt zu haben, rechtzeitig wieder stabil spielen zu können. An seiner Teilnahme wollte er dennoch festhalten.

„Mit Martin, das passt halt“, erklärte der 31-Jährige mit Blick auf die gemeinsame Chemie auf der Bühne. Deutschland überstand beim World Cup die Gruppenphase und setzte sich anschließend mit 8:6 gegen Tschechien durch. Erst im Viertelfinale endete der Lauf durch ein 4:8 gegen die Niederlande. Dabei spielte das deutsche Duo einen starken Average von 96,58 Punkten.

Sportlich ist die schwierige Phase damit nicht automatisch abgeschlossen. Der offene Umgang mit der Dartitis, die Annahme professioneller Hilfe und der Rückhalt seiner Kollegen zeigen jedoch, dass Ricardo Pietreczko den Kampf nicht mehr allein führen muss.

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