Henry Coates gehörte schon als Kleinkind an die Dartscheibe. Der heute 20 Jahre alte Engländer war gerade einmal zwei Jahre alt, als er seine ersten Pfeile warf. Damals ahnte noch niemand, dass aus der ungewöhnlichen Leidenschaft einmal ein historischer Erfolg auf der PDC-Tour entstehen würde.
Im Juli gewann er als Challenge-Tour-Nachrücker die Players Championship 25. Damit wurde er erst zum fünften Spieler, der ohne eigene Tour Card ein PDC-Ranglistenturnier für sich entscheiden konnte. Sein Weg zu diesem Erfolg begann allerdings nicht in einer professionellen Akademie, sondern mit einer Magnet-Dartscheibe und einer Windel.
Ein Freund seines älteren Bruders schenkte ihm im Alter von zwei Jahren die erste Scheibe. Die Begeisterung entwickelte sich schnell zu mehr als einem gewöhnlichen Kinderspiel. „Ich war so jung, aber nach den Erzählungen meiner Eltern lief ich in einer Windel herum und wollte einfach nicht aufhören“, sagte der Engländer im Gespräch mit der BBC.
Sein Vater spielte selbst in einer örtlichen Pub League und nahm ihn regelmäßig mit. Bereits mit drei Jahren wünschte sich er zu Weihnachten eine richtige Dartscheibe und echte Pfeile. Die ersten Trainingseinheiten hinterließen allerdings deutliche Spuren im Elternhaus. „Es waren Hunderte Löcher. Ich glaube, sie brachten eine Schutzwand an, um die Wand zu schützen“, erinnerte er sich.
Mit acht Jahren gegen erwachsene Pub-Spieler
Nur wenige Jahre später stellte sich Henry Coates bereits deutlich älteren Gegnern. Mit acht Jahren trat er erstmals in der örtlichen Pub League an. Dort musste er nicht nur sportlich mithalten, sondern auch früh lernen, mit Druck und kleinen psychologischen Spielchen umzugehen.
„Die älteren Spieler versuchen, dich zu schlagen und in deinen Kopf zu kommen“, erklärte der Engländer. Er habe gelernt, damit umzugehen und sich am Oche durchzusetzen. Für manche erfahrenen Spieler sei es nicht gerade angenehm gewesen, gegen einen Achtjährigen anzutreten und möglicherweise zu verlieren.
Seine Entwicklung setzte Henry Coates später in der Junior Academy des ehemaligen PDC-Profis Jamie Caven in Derby fort. Dort erhielt er wichtige Grundlagen für den Schritt auf die Challenge Tour und seine ersten Einsätze bei den Players Championships.
Seinen bislang größten Erfolg feierte Henry Coates schließlich bei der Players Championship 25. Als Nachrücker aus der Challenge Tour rückte er in das Teilnehmerfeld und spielte sich überraschend bis ins Finale. Dort bezwang er den australischen Topspieler Damon Heta mit 8:4 und einem Average von 104,88 Punkten.
Mit jeder gewonnenen Partie wuchs das Selbstvertrauen. „Ich dachte einfach, dass kein Druck auf mir liegt. Ich spielte weiter und spielte gut“, beschrieb er seinen Sensationslauf. Trotz des Ranglistentitels besitzt Henry Coates weiterhin keine Tour Card. Sein Erfolg hat die Ausgangslage im Kampf um einen dauerhaften Platz auf der PDC-Tour jedoch erheblich verbessert.
Schon in der kommenden Woche könnte Henry Coates wieder auf der ProTour am Oche stehen. Am 25. und 26. August werden in Leicester die Players Championship 27 und 28 ausgetragen. Da der Engländer keine Tour Card besitzt, hat er allerdings keinen garantierten Startplatz. Coates kann erneut als Nachrücker aus der Challenge Tour in das Teilnehmerfeld rücken, wenn nicht alle Tour-Card-Inhaber für die beiden Turniere melden.
Auch eine Qualifikation für die Darts-WM könnte ihm weitere Möglichkeiten eröffnen. Aus dem kleinen Jungen mit Magnetpfeilen und Windel ist längst einer der spannendsten Nachwuchsspieler im englischen Dartsport geworden.










