Sohn Rocky gibt Van Duijvenbode Kraft in der schwersten Phase

Dirk van Duijvenbode fehlte nur noch ein Leg zu seinem ersten Halbfinale beim World Matchplay. Er führte Gary Anderson mit 15:8, spielte einen Average von 100,98 Punkten und hatte das Viertelfinale über weite Strecken unter Kontrolle. Doch nach der letzten Pause geriet eine beinahe entschiedene Partie noch einmal ins Wanken.

Anderson gewann fünf Legs hintereinander und verkürzte auf 13:15. Während seiner Aufholjagd spielte der zweimalige Weltmeister unter anderem ein 154er-Finish. Aus einem scheinbar klaren Abend wurde innerhalb weniger Minuten ein Krimi.

Van Duijvenbode wusste, dass die Unterbrechung seinem Gegner eine neue Gelegenheit gegeben hatte. „Ehrlich gesagt, die Pause hätte zu keinem schlechteren Zeitpunkt kommen können. Man weiß einfach, dass Gary das Spiel liebt. Er gibt niemals auf“, erklärte der 34-Jährige anschließend im Interview mit Sky Sports.

Anderson spielte nun befreiter, während der Niederländer immer deutlicher spürte, wie nah der größte Matchplay-Erfolg seiner Karriere bereits gewesen war. Mit jedem verlorenen Leg nahm die Nervosität zu. Genau dieses Gefühl führte seine Gedanken jedoch zu seinem Sohn Rocky.

Während seiner Turnierreisen erzählt Rocky seinem Vater regelmäßig von Bauchschmerzen. Nicht wegen einer Erkrankung, sondern weil er ihn vermisst und nicht möchte, dass er für mehrere Tage von zu Hause wegfährt.

Als Van Duijvenbode während Andersons Aufholjagd selbst ein nervöses Gefühl im Magen bemerkte, musste er an seinen Sohn denken. „Jedes Mal, wenn mein Junge mich anruft, wenn ich weg bin, sagt er immer, er habe Magenschmerzen. Das liegt daran, dass er nicht will, dass ich weggehe“, berichtete er.

Aus der eigenen Anspannung wurde damit ein persönlicher Antrieb. Er hatte mehrere Tage fern von seiner Familie verbracht und wollte den besonderen Lauf in Blackpool nun nicht kurz vor dem Ziel aus der Hand geben. „Ich dachte: Ich habe diese Magenschmerzen. Er hat Magenschmerzen, wenn ich gehe. Ich kann ihn jetzt nicht enttäuschen.“

Die Gedanken an Rocky ließen den Druck nicht einfach verschwinden. Sie gaben ihm aber einen Grund, sich noch einmal zu sammeln und den Blick auf das entscheidende Leg zu richten. Nachdem Anderson fünf Durchgänge in Serie gewonnen hatte, stoppte Van Duijvenbode die Aufholjagd und machte den 16:13-Erfolg perfekt.

Damit beendete er zugleich eine Serie von vier Niederlagen gegen Anderson und erreichte erstmals das Halbfinale in den Winter Gardens. Dort trifft der „Aubergenius“ auf Luke Littler und kämpft um den Einzug in sein erstes großes TV-Finale.

Der Sieg gegen Anderson wird jedoch unabhängig vom weiteren Turnierverlauf in Erinnerung bleiben. Nicht nur wegen des starken Averages oder der dramatischen Schlussphase, sondern wegen des Gedankens, der Van Duijvenbode im schwierigsten Moment neue Kraft gab.

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