Nach seinem zweiten Titel bei der European Championship wirkte Ross Smith auf der Dortmunder Bühne erschöpft. Im Finale hatte er Martin Schindler mit 11:8 bezwungen. Im PDC-Bühneninterview sprach er über den Titelkampf, Selbstkritik und seine Zukunft.
Schindler hatte einen deutlichen Rückstand verkürzt und dfen 37-Jährigen noch einmal unter Druck gesetzt. „Ich will nicht lügen, gegen Martin bin ich ganz schön ins Schwitzen gekommen. Er hat einfach nicht nachgelassen, oder? Dafür gebührt ihm aller Respekt“, sagte der Engländer. Der frischgebackene Europameister schätzt „The Wall“ auch abseits des Boards.
Auch das Dortmunder Publikum erhielt ein ausdrückliches Lob. Obwohl Schindler als deutscher Finalist auf der Bühne stand, empfand Smith die Atmosphäre als fair und respektvoll. Der zweite EM-Titel nach 2022 und ein weiterer großer Triumph binnen weniger Wochen bedeuteten ihm viel. Mit der Trophäe in den Händen wirkte er überwältigt.
Als er auf die Möglichkeit weiterer Titel angesprochen wurde, wich „Smudger“ einer Prognose aus. Er richte den Blick ausschließlich auf seine nächste Partie und versuche, jedes Spiel wie ein Endspiel anzugehen. Dann wurde seine Antwort persönlich: „Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht so recht, was ich sagen soll. Ich weiß nur, dass jedes Spiel für mich ein Finale ist. Ich bin überglücklich, wieder ein Major gewonnen zu haben. Und dieser Titel ist für meine Mama und meinen Papa.“
Selbstkritik statt großer Ankündigungen
Bemerkenswert war, wie kritisch der neue Europameister seine Turnierwoche bewertete. „Ich glaube wirklich nicht, dass ich diese Woche besonders gut gespielt habe. Gegen Luke Woodhouse hatte ich ein richtig gutes Spiel, aber ich glaube auch, dass mich einige Gegner haben davonkommen lassen“, erklärte er. Die Konkurrenz habe Chancen liegen lassen, die seinen Weg zum Titel hätten beenden können. Smith machte daraus keinen Hehl – und sah gerade im Umgang mit solchen Situationen eine wichtige Leistung.
„Manchmal muss man auch dreckig gewinnen. Darauf bin ich stolz, denn man muss sich wirklich durchbeißen. Bei diesem Sport geht es nicht immer nur darum, gut zu spielen. Man muss hart kämpfen.“ Genau diesen Kampf habe er über das Wochenende angenommen. Sein Stolz galt nicht allein der Trophäe, sondern auch seiner Fähigkeit, schwierige Spiele ohne seine beste Form zu überstehen.
Zum Schluss ging es um die Premier League 2027. Ob seine jüngsten Titel für eine Nominierung ausreichen, wollte Smith nicht beurteilen. „Das liegt bei Herrn Porter und Herrn Hearn, nicht bei mir. Ich würde liebend gern dabei sein, aber ich entscheide das nicht. Ich werde weitermachen wie bisher, Darts genießen und vor großartigem Publikum spielen.“ Wieder dankte er den Zuschauern in Dortmund.
Sportlich könnte es für Smith bereits in dieser Woche weitergehen. Am 28. und 29. Oktober stehen in Den Bosch die Players Championship 31 und 32 auf dem Programm. Eine Teilnahme des neuen Europameisters ist möglich, offiziell bestätigt ist sie bislang jedoch nicht. Am 4. und 5. November folgen in Leicester mit der Players Championship 33 und 34 die letzten beiden Floor-Turniere des Jahres.
Anschließend richtet sich der Blick auf den Grand Slam of Darts vom 14. bis 22. November in Wolverhampton, für den der 30-Jährige bereits qualifiziert ist. Vom 27. bis 29. November stehen die Players Championship Finals in Minehead an, ehe im Dezember die Weltmeisterschaft beginnt. Dort wird sich zeigen, ob der Engländer seinen Erfolgslauf bis zum Jahresende fortsetzen kann.










