Ende September nannte Kevin Doets drei Spieler, zu denen er früher aufgeschaut hatte: Raymond van Barneveld, Roland Scholten und Michael van Gerwen. Knapp vier Wochen später stand ihm einer davon in Dortmund gegenüber. Der 28-Jährige gewann 6:3 – und zeigte ausgerechnet gegen sein früheres Idol, wie weit er sich inzwischen entwickelt hat.
Er setzte van Gerwen von Beginn an unter Druck. Ein 106er-Checkout brachte ihm das Break, unmittelbar darauf stellte er mit einem 132er-Finish über das Bullseye auf 3:0. Später führte „Hawkeye“ sogar 5:1. Der 37-Jährige verkürzte noch auf 3:5, ehe Doets mit einem 12-Darter den Schlusspunkt setzte.
Beim Average lagen beide nah beieinander: Er spielte 97,14 Punkte, van Gerwen 95,70. Entscheidend war das Finishing. Doets traf sechs seiner elf Doppelversuche (54,55 Prozent), van Gerwen lediglich drei von elf (27,27 Prozent).
Doets geht seinen eigenen Weg – MvG sucht nach Antworten
Wie bewusst er seinen Weg inzwischen verfolgt, zeigte schon ein Interview vom 28. September mit The Sporting News. Damals sprach er über die niederländischen Dartsgrößen seiner Jugend: „Ich habe nie wirklich versucht, wie einer von ihnen zu sein oder aufzutreten. Ich bin einfach ich selbst, mit meinem eigenen Wurfstil.“
Er erklärte außerdem, die meisten seiner früheren Idole mittlerweile besiegt zu haben. Statt sich weiterhin an ihnen zu orientieren, wolle er sein eigenes Spiel entwickeln. Der Erfolg in Dortmund passt zu dieser Haltung, auch wenn ihm die Begegnung keineswegs gleichgültig war.
Nach dem Sieg betonte der 28-Jährige gegenüber Sky Sports, wie schwierig allein die Auslosung gewesen sei. Schließlich bleibe Michael van Gerwen einer der erfolgreichsten niederländischen Spieler, den er über Jahre bewundert habe. Gleichzeitig klang die Nummer 28 der Welt sehr selbstbewusst: „Er spielte nicht so, wie er kann, aber ich bin wirklich froh über den Sieg. Ich hatte die ganze Partie das Gefühl, der bessere Spieler zu sein.“
Van Gerwen sprach nach dem Match deutlich weniger gelöst. Gegenüber Viaplay räumte er ein, dass die wiederholten frühen Niederlagen an ihm nagen. Vor allem die Checkouts über 106 und 132 Punkte trafen ihn in ungünstigen Momenten. Er habe entscheidende Triple verpasst und auf starke Legs von Doets zu selten eine Antwort gefunden.
Dennoch wollte der dreimalige Weltmeister seine Leistung nicht völlig schlechtreden. Wie das niederländische Portal DartsKing aus dem Viaplay-Interview berichtet, erklärte MvG: „Das ist nicht einmal besonders schlecht, vor allem nicht für die erste Runde. Ich weiß aber, dass ich deutlich besser kann, und danach muss ich streben.“
Er müsse weiter an sich arbeiten, sagte van Gerwen, statt sich daran aufzuhalten, dass seine Gegner gegen ihn häufig noch etwas zulegen. Für Doets ist der Erfolg dagegen ein weiteres Zeichen seines sportlichen Aufschwungs. Bereits im Mai gewann er bei Players Championship 13 seinen ersten PDC-Ranglistentitel.
Am Samstagabend trifft „Hawkeye“ im Achtelfinale der European Championship 2026 auf Krzysztof Ratajski. Der Pole setzte sich zum Auftakt mit 6:2 gegen Dave Chisnall durch. Nun sind erstmals zehn gewonnene Legs nötig. Doets muss also auch über die längere Distanz überzeugen. Ein weiterer Sieg würde ihm bei seiner ersten Europameisterschaft den Einzug ins Viertelfinale sichern.










