Stephen Bunting glaubt, dass ihn ein Wechsel seines Spielmaterials wieder näher an die Weltspitze bringt. Nach dem 10:3 über Kim Huybrechts im Achtelfinale der European Championship 2026 sprach der Engländer am Samstag in Dortmund voller Zuversicht über seine neuen Darts. „Ich habe das Gefühl, dass mich diese Darts noch an ganz besondere Orte bringen werden“, erklärte er im Bühneninterview mit der PDC.
Der 41-Jährige räumte zugleich ein, dass er bei großen TV-Turnieren seit einiger Zeit nicht mehr so weit gekommen sei, wie er es sich wünsche. Ein gewisses Maß an Nervosität sei deshalb unvermeidlich. Gegen Huybrechts habe er sich auf der Bühne allerdings ausgesprochen wohlgefühlt. Es war die Aussage eines Spielers, der nach schwierigen Wochen wieder Vertrauen in sein eigenes Spiel fasst.
Noch eine Woche zuvor war Buntings Start bei der Europameisterschaft nicht gesichert. Erst sein Halbfinaleinzug beim letzten European-Tour-Turnier in Maastricht brachte ihn ins 32-köpfige Teilnehmerfeld. Auch der Auftakt in Dortmund hätte beinahe das sofortige Aus bedeutet: Gegen Danny Noppert musste er im Entscheidungsleg Matchdarts überstehen, ehe ihm ein 160er-Checkout den knappen 6:5-Erfolg bescherte. Nun steht er nach dem deutlichen Sieg über Huybrechts im Viertelfinale.
Vor allem auf die Doppel richtet Bunting den Blick. Gegen Huybrechts verwandelte er zehn seiner 18 Versuche und kam damit auf 55,56 Prozent. Bemerkenswert: Während der Belgier fünf 180er warf, gelang Bunting keine einzige maximale Aufnahme. Trotzdem erzielte er einen Average von 96,83 Punkten und gewann sieben Legs mehr als sein Gegner. Die Chancenverwertung war ein wesentlicher Unterschied.
Stephen Bunting setzt auf neue 21-Gramm-Darts
Hinter dem Aufschwung steckt eine bewusste Materialentscheidung. „The Bullet“ experimentierte zuletzt mehrfach mit dem Gewicht seiner Darts: Nach seinem langjährigen 18-Gramm-Setup spielte er zwischenzeitlich mit 23 Gramm, ehe er sich für die aktuellen 21-Gramm-Darts entschied. Bereits nach dem Noppert-Spiel erläuterte er Medienvertretern, weshalb er auch die Abstimmung von Barrel und Schaft veränderte. Mit einem längeren Barrel und kürzerem Schaft wollte er das K-Flex-System einsetzen. Zuvor hätten sich bei seinem alten Setup Flights wiederholt von den Schäften gelöst. Mit den neuen Darts habe er zunächst nur 15 bis 20 Minuten trainiert.
Dass Bunting seinem neuen Material bereits so viel Vertrauen entgegenbringt, überrascht angesichts der kurzen Eingewöhnungszeit. Nach seinem Achtelfinalsieg zeigte er sich insbesondere von der Treffsicherheit auf die Doppel überzeugt. „Ich habe das Gefühl, dass die Darts richtig, richtig gut fliegen – vor allem auf die Doppel“, erklärte Bunting im Bühneninterview mit der PDC. Schon beim vergangenen European-Tour-Wochenende hatte er nach eigener Aussage starke Doppelquoten erreicht. In Dortmund folgte ein weiterer Hinweis darauf, dass ihm das veränderte Material beim Ausmachen Sicherheit vermittelt. Vier Checkouts über 100 Punkte gegen Huybrechts, darunter ein 121er-Finish, passten zu diesem Eindruck. Ob die Umstellung langfristig trägt, wird sich erst über mehrere Turniere zeigen.
Auch die Weltrangliste spielt für „The Bullet“ eine wichtige Rolle. Im PDC-Bühneninterview betonte er, dass jeder weitere Sieg zusätzliches Ranglistenpreisgeld einbringe. Sein erklärtes Ziel: wieder unter die besten acht Spieler der Welt gelangen. Im vorläufigen Live-Ranking wurde er nach seinem Achtelfinaleinzug am Samstagnachmittag bereits auf Rang acht geführt. Diese Platzierung kann sich während des laufenden Turniers jedoch noch verändern. Für Bunting ist der Viertelfinaleinzug deshalb ein Schritt, nicht das Ende seiner Aufholjagd.
So ernst er die sportliche Aufgabe nimmt, so bewusst sucht er zwischen den Partien Ablenkung. Für Samstagabend kündigte der Engländer den Besuch eines Fußballspiels in Dortmund an. Besonders auf „You’ll Never Walk Alone“ freue er sich: Der Gesang lasse ihm die Haare auf den Armen zu Berge stehen, erzählte er nach dem Sieg. Danach gelte die Konzentration wieder dem Dartsport.
Am Sonntag wartet mit Gerwyn Price der nächste Härtetest auf Bunting. Nach dem dramatischen Auftaktsieg gegen Danny Noppert und der überzeugenden Vorstellung gegen Kim Huybrechts muss sich zeigen, ob seine neuen Darts auch gegen den Waliser den erhofften Unterschied machen.










