Martin Schindler nach EM-Finale unter Tränen: „Ich bin trotzdem sehr glücklich“

Martin Schindler stand in der Dortmunder Westfalenhalle, wischte sich die Tränen aus den Augen und musste nach Worten suchen. Wenige Minuten zuvor hatte der 30-Jährige das Finale der European Championship 2026 gegen Ross Smith mit 8:11 verloren. Trotzdem wirkte der Deutsche nicht wie jemand, der nur eine verpasste Chance beklagt. Im Bühneninterview der PDC wurde deutlich, warum ihn dieser Abend so sehr bewegte: Was zehn Jahre zuvor kaum vorstellbar gewesen war, war plötzlich Realität.

„Ja, auf jeden Fall. Es gibt sehr, sehr viele positive Dinge, die ich mitnehme. Aber ich muss sagen: Als ich vor zehn Jahren angefangen habe, habe ich nichts erwartet. Und jetzt stand ich in einem Major-Finale und habe alles versucht, um zu gewinnen. Fair Play an Ross, er hat gut gespielt. Entschuldigung. Ich habe verloren, aber ich bin trotzdem sehr glücklich. Wirklich.“ Der Moment hatte sportliches Gewicht.

Noch eine Woche vor Dortmund war die EM-Teilnahme keineswegs sicher; als Nummer 31 der European Tour Order of Merit schaffte es „The Wall“ gerade noch ins Feld der 32 Qualifizierten. Nach einem knappen Auftaktsieg gegen Wessel Nijman folgten ein 10:4 gegen Jermaine Wattimena, ein überragendes 10:1 gegen Jonny Clayton mit 167er-Checkout und schließlich das 11:6 im Halbfinale gegen Krzysztof Ratajski. Als erster Deutscher stand Martin Schindler damit in einem großen individuellen PDC-Major-Endspiel.

Das Finale selbst war keine Geschichte ohne Brüche. Ross Smith zog zwischenzeitlich auf 8:2 davon, ehe Schindler noch einmal auf 9:7 verkürzte. Für den Titel reichte es nicht. Gerade deshalb verdient die Reaktion nach dem letzten Dart Beachtung: Der Finalist redete seine Niederlage nicht schön, sondern unterschied zwischen dem verlorenen Endspiel und dem Wert seines gesamten Turniers. Das ist mehr als Trost nach einem zweiten Platz. Es ist ein realistischer Blick auf einen Karriere-Meilenstein.

Zwischen Tränen, Dankbarkeit und Grand-Slam-Vorfreude

Als das Bühneninterview zum Grand Slam of Darts wechselte, änderte sich die Stimmung. Durch den Finaleinzug hatte sich Martin Schindler direkt qualifiziert und musste nicht mehr zum Tour-Card-Holder-Qualifier antreten. Die Antwort fiel ebenso erleichtert wie spontan aus: „Ja, das ist wahrscheinlich das Beste daran! Ich bin jetzt beim Grand Slam dabei, oder? Martin, ich muss nicht in die Quali, ja!“

Dann ging es um die Fans. Die Westfalenhalle hatte den deutschen Finalisten durch das Wochenende getragen, und angesichts dieser Unterstützung verlor er erneut beinahe die Fassung. Statt allgemeiner Floskeln fand er sehr direkte Worte an die Zuschauer: „Ehrlich gesagt verdanke ich dem Publikum wahrscheinlich alles. Sie haben mich immer unterstützt, und dafür bin ich wirklich dankbar. Danke Dortmund, danke für die Unterstützung.“ Und weiter sagte Schindler: „Wir sind weit gekommen. Ich hätte wirklich gerne mehr gemacht, aber man muss auch sagen: Fair Play an Ross Smith, er war wirklich gut unterwegs. Ich war nicht auf meinem Level. Aber so ist es.“

Die Enttäuschung über die verpasste Krönung bleibt. Doch Dortmund brachte dem 30-jährigen Schindler 80.000 Pfund Preisgeld, die Rückkehr in die Top 20 der Weltrangliste und einen gesicherten Grand-Slam-Startplatz. Bereits am 28. und 29. Oktober könnten bei den Players Championships 31 und 32 in Den Bosch die nächsten Einsätze folgen; am 4. und 5. November stehen in Leicester die Turniere 33 und 34 an. Ob er bei den vier Floor-Turnieren antritt, ist bislang nicht offiziell bestätigt; eine öffentliche Absage liegt ebenfalls nicht vor.

Vom 14. bis 22. November steht für den Brandenburger der Grand Slam of Darts in Wolverhampton an. Sein Startplatz ist bereits gesichert. Ob er dort an seine starken Leistungen von Dortmund anknüpfen kann, wird sich erst im Turnier zeigen.

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