Ross Smith hat seinen guten Freund Damon Heta schon vor dem Achtelfinale der European Championship ins Visier genommen. Der Engländer kündigte an, den Australier am Samstag „auseinandernehmen“ zu wollen – eine scherzhafte Kampfansage, die nach seinem mühsamen Auftaktsieg gegen Karel Sedláček umso auffälliger klang. Denn als Nummer eins der Setzliste erlebte der Europameister von 2022 in Dortmund alles andere als einen Spaziergang.
Der „Smudger“ gewann am Donnerstagabend 6:4, traf aber nur sechs seiner 25 Doppelversuche. Die Quote von 24 Prozent erklärt, weshalb ein Drei-Dart-Average von 91,83 Punkten nicht zu einem souveränen Auftritt reichte. Sedláček spielte 89,81 Punkte im Schnitt und ließ im zehnten Leg fünf Darts auf das 5:5 liegen. Smith nutzte die Gelegenheit und beendete die Partie auf Doppel 2. Ein früher Rückschlag blieb ihm damit erspart, die Schwächen seiner Auftaktvorstellung konnte er jedoch kaum übersehen.
Im PDC-Bühneninterview nach der Begegnung machte der 37-Jährige deutlich, wie er das Wiedersehen mit Heta betrachtet: „Ich freue mich darauf, gegen Damo zu spielen. Er ist auch ein guter Kumpel von mir, ein wirklich netter Kerl. Ein großartiger Spieler. Aber sobald wir hier auf die Bühne kommen, geht es um den Wettkampf. Ich will gewinnen, so ist es nun einmal.“
Als Nummer eins unter Druck – vor dem Duell mit „The Heat“
Ross Smith führt die Setzliste der European Championship an, nachdem er die European Tour Order of Merit für dieses Turnier als Erster abgeschlossen hat. Ein Freilos garantiert ihm diese Position nicht. Mit Sedláček, dem letzten regulär qualifizierten Spieler, bekam er direkt einen Gegner, der seine Unsicherheiten ausnutzen konnte. Im Interview war Smith entsprechend selbstkritisch: „Es ist das erste Mal für mich, dass ich an Nummer eins gesetzt bin, also ist es ein Lernprozess. Aber Karel gebührt die volle Anerkennung. Ich weiß ganz genau, dass er mich hat davonkommen lassen. Karel ist ein großartiger Spieler.“
Das Lob ist bemerkenswert, weil der „Smudger“ seinen eigenen Auftritt nicht schönredete. Statt nach dem 6:4 von einer Pflichtaufgabe zu sprechen, bezeichnete er seine neue Rolle als Lernprozess. Die erste Runde zu überstehen, war für ihn offenbar wichtiger als ein glänzender Average. Für das Achtelfinale muss allerdings vor allem sein Doppelspiel stabiler werden.
Heta hat bereits gezeigt, dass man ihn nicht abschreiben darf. Gegen James Wade lag der Australier 3:5 zurück, überstand vier Matchdarts und gewann noch 6:5. Zudem stand sein Erfolg bereits fest, als Smith interviewt wurde. Die lockeren Worte über einen guten Freund kamen also nicht ins Blaue: Er kannte seinen nächsten Gegner und wusste, dass dieser selbst eine nervenaufreibende Partie hinter sich hatte.
Am spielfreien Freitag will Smith zunächst abschalten und am Samstag mit neuem Selbstvertrauen auf die Bühne zurückkehren. Im PDC-Bühneninterview erklärte er mit einem scherzhaften Seitenhieb: „Ich werde morgen wohl einfach ein bisschen entspannen, einen Kaffee trinken und etwas spazieren gehen. Und am Samstag werde ich früh aufstehen, wohl hierherkommen und versuchen, ihn ordentlich auseinanderzunehmen!“
Ob Smith seiner Ankündigung Taten folgen lassen kann, entscheidet sich am Samstag. Gegen den kampfstarken Heta dürfte sich der Topgesetzte kaum erneut eine Doppelquote von nur 24 Prozent leisten können. Für den Europameister von 2022 wird das Achtelfinale damit zur nächsten Bewährungsprobe – und zur Gelegenheit, den holprigen Turnierstart endgültig hinter sich zu lassen.










