Um etwa 9:30 Uhr war Kim Huybrechts noch zu Hause in Antwerpen. Am Abend stand er bei der European Championship 2026 in Dortmund auf der Bühne – und bezwang Ryan Searle mit 6:1. Mit einem Drei-Dart-Average von 103,81 Punkten erzielte der Belgier den höchsten Drei-Dart-Average des gesamten Auftaktabends. Dabei hatte er am Morgen nicht einmal einen Startplatz.
Sechs Tage zuvor hatte Huybrechts seine EM-Chance eigentlich schon verspielt. Bei der Dutch Darts Championship in Maastricht hatte er gegen Jimmy van Schie vier Matchdarts vergeben und die Auftaktpartie mit 5:6 verloren. Weil die Konkurrenz anschließend punktete, fiel er in der abschließenden European Tour Order of Merit auf Rang 33 zurück. Karel Sedláček erhielt bei gleichem Preisgeld von 34.500 Pfund als Nummer 32 den letzten regulären EM-Startplatz. Dortmund schien damit außer Reichweite.
Dann musste Luke Humphries seine Teilnahme wegen einer diagnostizierten Magen-Darm-Entzündung kurzfristig absagen. Die PDC rückte den bestplatzierten, noch nicht qualifizierten Spieler nach. Gegen 9:30 Uhr klingelte in Antwerpen das Telefon. Anstelle eines gewöhnlichen Donnerstags wartete plötzlich ein Auftritt in der Westfalenhalle. Im Gespräch mit The Independent sagte der 40-Jährige: „Ich bin durchs Haus getanzt, noch bevor ich abgenommen habe. Also: ein guter Tag!“
Viel Zeit zum Nachdenken blieb nicht. Um 14 Uhr setzte sich Huybrechts ins Auto und fuhr die rund drei Stunden nach Dortmund. Nach der Ankunft blieb Gelegenheit für eine Mahlzeit und ein kurzes Training. Eine Übernachtung hatte er nicht eingeplant: Da am Freitag keine Partie anstand, wollte er noch in derselben Nacht zurück nach Antwerpen fahren. Für ihn war es das erste Mal, dass er am Tag eines solchen Turnierauftritts eine derart lange Anreise absolvierte.
Sechs Legs in Folge und ein besonderer Dank an Erik Clarys
Auf der Bühne begann die Partie zunächst denkbar schlecht. Ryan Searle nahm seinem Gegner im ersten Leg den Anwurf ab. Doch danach kippte das Duell vollständig. Huybrechts gewann sechs Legs hintereinander, warf sechs 180er und verwandelte sechs seiner neun Doppelversuche. Searle erreichte selbst einen Average von 98,59 Punkten, fand gegen das hohe Scoring aber keine Antwort mehr. Mit einem 89er-Finish machte der Belgier den deutlichen Sieg perfekt. Die kurzfristige Anreise empfand er nach dem Match nicht als Nachteil. Gegenüber dem belgischen Sender VTM erklärte er: „Manchmal ist wenig Vorbereitung besser als eine sehr gute Vorbereitung. Das hat sich heute gezeigt.“
Er habe ohne besondere Erwartungen antreten können; allein die Teilnahme sei bereits ein Bonus gewesen. Seine Darts seien endlich wieder so geflogen, wie er es sich wünsche. Dass er zuvor schon bei drei Major-Turnieren knapp an der Qualifikation gescheitert war, verlieh dem Erfolg zusätzliche Bedeutung. Die Erleichterung nach dem letzten Doppel war entsprechend groß.
Einen Teil des Erfolgs schrieb Huybrechts ausdrücklich Erik Clarys zu. Die Zusammenarbeit mit dem früheren belgischen Profi sei für ihn sehr wichtig.
Am Samstag trifft Kim Huybrechts im Achtelfinale auf Stephen Bunting, der Danny Noppert nach einem 160er-Checkout im Entscheidungsleg mit 6:5 besiegte. Trotz dieser nächsten Herausforderung wollte der überraschende EM-Teilnehmer an seiner gelassenen Haltung festhalten wie er VTM sagte: „Den Rest des Wochenendes werde ich genauso angehen: Alles darf, nichts muss.“










