Martin Schindler zieht Bilanz: „Ein ziemlich merkwürdiges Jahr“

Martin Schindler steht erstmals im Viertelfinale der European Championship. Doch nach seinem 10:4-Erfolg gegen Jermaine Wattimena sprach Deutschlands Nummer eins nicht nur über das sportliche Ergebnis. Im PDC-Bühneninterview am Samstagabend in der Dortmunder Westfalenhalle blickte er auf eine Saison zurück, in der gute Leistungen und enttäuschende Resultate für ihn häufig nah beieinanderlagen. „Es war ein ziemlich merkwürdiges Jahr für mich“, sagte der 30-Jährige. „Manchmal habe ich gar nicht so schlecht gespielt und meine Matches trotzdem verloren.“

Diesen Rückblick untermauern die Ergebnisse auf den großen Bühnen. Beim World Matchplay kam der Brandenburger nicht über die erste Runde hinaus, den World Grand Prix verpasste er. Auch die Teilnahme an der European Championship war lange unsicher. Erst beim letzten Turnier der European Tour stand endgültig fest, dass er nach Dortmund reisen würde. In der abschließenden European Tour Order of Merit belegte er Platz 31 von 32 qualifizierten Spielern.

Umso bedeutsamer ist für Schindler der aktuelle Turnierverlauf. „Jetzt bin ich zum ersten Mal am letzten Turniertag dabei“, freute er sich nach seinem Achtelfinale. Hinter diesem Satz stehen zwei sehr unterschiedliche Siege: Gegen den an Position zwei gesetzten Wessel Nijman musste er beim 6:5 bis ins Entscheidungsleg kämpfen. Wattimena bezwang er am Samstag dagegen deutlich mit 10:4.

„The Wall“ will Fan-Energie nutzen, ohne die Ruhe zu verlieren

Dass das Ergebnis nicht die ganze Geschichte des Achtelfinals erzählt, zeigte sich auch in einzelnen Spielsituationen. Beim Stand von 5:3 gelang dem 30-Jährigen ein 121er-Finish gegen den Anwurf, mit dem er seinen Vorsprung ausbaute. Im Bühneninterview ordnete er den Erfolg dennoch nüchtern ein und verwies darauf, dass Wattimena nicht seinen besten Tag erwischt hatte.

Schindler selbst überzeugte besonders auf den Doppelfeldern: Zehn seiner 19 Versuche trafen das Ziel, eine Checkoutquote von 52,63 Prozent. Diese Konsequenz half ihm, sich in den entscheidenden Phasen abzusetzen. Anders als beim nervenaufreibenden Auftakt gegen Nijman musste er diesmal nicht bis zum letzten möglichen Leg um den Sieg kämpfen.

Auch die Unterstützung der Dortmunder Zuschauer spielte im Interview eine wichtige Rolle. Schindler genoss die Atmosphäre in der Westfalenhalle, beschrieb aber zugleich, warum er sich von der Begeisterung nicht mitreißen lassen darf. „Ich versuche, so ruhig wie möglich zu bleiben“, erklärte Schindler. Gleichzeitig wolle er die Energie der Fans mit ans Board nehmen, ohne die Kontrolle über sein eigenes Spiel zu verlieren. Die Unterstützung der Zuschauer sei ein zusätzlicher Antrieb, doch letztlich müsse er weiterhin solide Darts spielen.

Gerade diese Balance zwischen Emotionen und Konzentration macht einen Heimauftritt besonders. Gegen Wattimena gelang es Schindler, die Stimmung in der Halle zu genießen und gleichzeitig die wichtigen Treffer zu setzen. Für den Brandenburger ist das nach einer schwierigen Saison ein wichtiger Schritt – auch wenn zwei Siege die Rückschläge der vergangenen Monate nicht ungeschehen machen.

Am Sonntag, 25. Oktober, wartet mit Jonny Clayton der nächste Gegner. Die Viertelfinals beginnen um 13 Uhr, Schindlers Partie ist als drittes Spiel voraussichtlich gegen 15:15 Uhr angesetzt. Der tatsächliche Anwurf hängt von der Dauer der vorherigen Begegnungen ab. Mit einem weiteren Sieg könnte „The Wall“ erstmals das Halbfinale der European Championship erreichen, das noch am Sonntagabend ausgetragen wird.

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