Rob Cross findet seinen Siegeshunger wieder

Rob Cross hat in seiner Karriere beinahe alles erlebt: den sensationellen Aufstieg zum Weltmeister, große Titel, jahrelange Zugehörigkeit zur Weltspitze – aber auch Phasen voller Zweifel und sportlicher Rückschläge. Rückblickend hätte der Engländer vor allem einen Aspekt gerne früher verändert. „Voltage“ wünscht sich jene mentale Stärke, mit der Luke Littler seit seinem Einstieg bei den Profis auftritt.

Der 35-Jährige befindet sich mittlerweile in seiner zehnten Saison als Profi. Obwohl Cross bereits früh die größten Erfolge feierte, gelang es ihm nach eigener Einschätzung nicht immer, seine spielerischen Fähigkeiten mit der nötigen inneren Stabilität zu verbinden. Genau darin erkennt er einen entscheidenden Unterschied zum aktuellen Weltranglistenersten.

„Wenn ich mental etwas verändern könnte, dann wünschte ich, ich wäre vom ersten Jahr an so gewesen“, erklärte Rob Cross. „Schauen wir uns Luke Littler an. Er ist der beste Spieler der Welt. Mental ist er eine Festung.“ Littlers Fähigkeit, äußeren Druck auszublenden und auch in wichtigen Momenten sein höchstes Niveau abzurufen, beeindruckt den früheren Weltmeister. Der 19-Jährige wirkt selbst auf den größten Bühnen nur selten verunsichert. Für ihn ist diese mentale Widerstandskraft einer der wichtigsten Gründe für Littlers außergewöhnlichen Aufstieg.

Seine eigene Entwicklung verlief deutlich wechselhafter. Er beschrieb sich rückblickend mit einer gehörigen Portion Selbstironie: „Ich war dagegen zeitweise Mr Blobby oder Mr Bobby – ich war in all den Jahren alles Mögliche.“

Hinter dem scherzhaften Vergleich steckt eine offene Einschätzung seiner Schwierigkeiten. Cross gehörte über viele Jahre nahezu ununterbrochen zu den zehn besten Spielern der Welt. Zuletzt rutschte „Voltage“ jedoch erstmals seit 2017 zeitweise aus den Top 20 der PDC Order of Merit. Für einen Spieler, der seine gesamte Profikarriere in der erweiterten Weltspitze verbracht hat, bedeutete dies eine ungewohnte Situation.

Ganz ohne Reaktion blieb der Rückschlag nicht. Cross gewann in dieser Saison Players Championship 22 und erreichte bei den UK Open das Viertelfinale. Beim World Matchplay bestätigte er seine steigende Formkurve, als er Danny Noppert in der ersten Runde mit 10:3 besiegte. Damit zeigte der Engländer, dass er weiterhin in der Lage ist, bei großen und stark besetzten Turnieren überzeugende Leistungen abzurufen.

Schwierige Jahre machen „Voltage“ widerstandsfähiger

Die schwierigen Phasen seiner Karriere hätten ihn widerstandsfähiger gemacht. „Ich habe schon früher harte Zeiten erlebt und werde auch mit diesen klarkommen“, sagte er. „Ich bin wohl ziemlich belastbar und robust. Wenn etwas schiefläuft, bin ich daran gewöhnt. So ist das Leben.“

Entscheidend sei nicht, Rückschläge vollständig zu vermeiden, sondern die eigene Reaktion darauf. „Voltage“ weiß aus Erfahrung, wie stark seine Ergebnisse von seiner inneren Einstellung abhängen. Fehlen ihm Überzeugung und Hunger, verliert er nach eigener Aussage einen großen Teil seiner sportlichen Stärke. „Bei mir ist es eine Frage des Wollens“, erklärte der Weltmeister von 2018. „Wenn ich mental nicht richtig eingestellt bin, kann ich weder eine Tombola gewinnen noch Mickey Mouse schlagen.“

Aktuell verspürt Cross diese Probleme jedoch nicht. Er genießt den Dartsport wieder, arbeitet konzentriert und möchte in der zweiten Saisonhälfte angreifen. Nach den schwierigen Monaten sei die Bereitschaft zurückgekehrt, sich vollständig auf den sportlichen Erfolg einzulassen. „Im Moment bin ich bereit, diesen nächsten Schritt zu machen. Ich will gewinnen“, stellte Cross klar. Nun wolle er den Kopf einziehen, hart arbeiten und mit der richtigen Einstellung in den weiteren Verlauf des Jahres gehen.

Wie schnell sich seine Motivation verändern kann, weiß er allerdings selbst am besten. Seine Zukunftsprognose verband er deshalb erneut mit einem selbstironischen Kommentar: „Im Moment genieße ich Darts und möchte hier sein. Warum sollte ich das verschwenden? In einem Jahr will ich wahrscheinlich schon wieder nicht hier sein.“

Gerade diese Ehrlichkeit macht deutlich, worin sein größte Herausforderung liegt. An seinen spielerischen Fähigkeiten zweifelt der frühere Weltmeister nicht. Entscheidend wird sein, ob er seine derzeitige Motivation dauerhaft konservieren kann. Littlers „Festungsmentalität“ besitzt er vielleicht nicht seit dem ersten Tag – doch Rob Cross ist überzeugt, dass noch genügend Zeit bleibt, um mit neuer Widerstandskraft wieder anzugreifen.

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