Nathan Aspinall hat offen erklärt, warum er in dieser Saison auffällig viele ProTour-Turniere ausgelassen hat. Der Engländer gehört weiterhin zu den großen Namen der PDC, stand in diesem Jahr aber nur bei sechs der ersten 18 ProTour-Events am Board. Dabei ist seine sportliche Klasse unbestritten: Bei Players Championship 1 erreichte er direkt das Finale, verlor dort jedoch gegen James Wade.
Im Happy Hour Podcast machte Aspinall nun deutlich, dass es ihm nicht um fehlenden Ehrgeiz auf der großen Bühne geht. Vielmehr zieht er eine klare Grenze zwischen TV-Bühne und Floor-Alltag. Die Bühne liebe er weiterhin, die ProTour dagegen sei für ihn inzwischen eine Belastung.
Aspinall liebt die Bühne, aber nicht den Floor
Aspinall formulierte seine Gefühlslage ungewöhnlich offen. „Ich liebe es, wenn ich auf der Bühne stehe. Aber trainieren kann ich einfach nicht, es langweilt mich zu Tode“, sagte der Engländer im Happy Hour Podcast. Der große Reiz, der Lärm und die Energie eines Bühnenauftritts seien für ihn weiter besonders. Der Alltag abseits davon wirkt dagegen deutlich schwieriger.
Besonders klar wurde Aspinall beim Thema ProTour. „Dinge wie die ProTour hasse ich. Deshalb ziehe ich zurück. Ich genieße sie nicht“, erklärte er. Für viele Spieler ist die ProTour der zentrale Arbeitsort: Dort werden Preisgelder gesammelt, Ranglistenpositionen gesichert und Qualifikationen vorbereitet. Für Aspinall ist genau dieser Teil des Profidarts aber offenbar der Bereich, der ihm am wenigsten liegt.
Das ist bemerkenswert, weil der Engländer auf der großen Bühne weiterhin ein anderes Bild abgibt. Dort lebt er von Atmosphäre, Publikum und Druckmomenten. Auf dem Floor fehlt genau dieser Rahmen. Statt großer Halle und TV-Licht wartet dort der nüchterne Turnieralltag mit langen Tagen, vielen Spielen, Reisen und permanenter Ranglistenrechnung.
Exhibitions statt ProTour: Aspinall denkt auch geschäftlich
Aspinall erklärte zudem, dass seine Entscheidungen nicht nur emotional, sondern auch wirtschaftlich geprägt sind. Er habe zuletzt ProTour-Events ausgelassen, während er stattdessen mehrere Exhibitions spielte. Für ihn ist das auch eine Abwägung zwischen sportlichem Rankingwert und finanzieller Realität.
„Am Ende bin ich hier, um Geld für mich und meine Familie zu verdienen. Ich bin ein Geschäft“, sagte Nathan Aspinall. Damit beschreibt er den Konflikt sehr direkt. Sportlich sind ProTour-Events wichtig, weil sie Rankinggeld bringen. Finanziell und emotional können Exhibitions für einen etablierten Namen wie Aspinall aber attraktiver sein.
Genau dieser Gegensatz gehört inzwischen zum modernen PDC-Alltag. Nicht jedes wichtige Event ist automatisch auch das sinnvollste für jeden Spieler. Wer bereits einen großen Namen hat, viele Anfragen bekommt und auf Bühnenveranstaltungen gefragt ist, muss seinen Kalender anders bewerten als ein Spieler, der auf jedes Preisgeld der ProTour angewiesen ist.
Warum ProTour-Aussetzer trotzdem riskant sind
Ganz ohne Risiko ist Aspinalls Weg nicht. Die PDC Order of Merit basiert auf Preisgeld aus Rankingturnieren über zwei Jahre. Nicht jedes Event zählt für diese Weltrangliste: Die Premier League, der World Cup of Darts und die World Series Finals bringen kein Rankinggeld, während Players Championships, European Tour und Majors in die Wertung einfließen.
Aspinall steht in der Weltrangliste weiterhin komfortabel da. Dartsinside.de führt ihn aktuell bei 513.250 Pfund Rankinggeld. Seine Bilanz zeigt aber auch, warum die ProTour-Frage nicht nebensächlich ist: Nur 67.750 Pfund seiner Order-of-Merit-Summe stammen aus Players-Championship-Turnieren. Der deutlich größere Teil kommt aus Premier Events und European-Tour-Auftritten.
Auch in der Players Championship Order of Merit zeigt sich das Problem. Dort liegt Aspinall aktuell nur auf Rang 71, also außerhalb der Top 64, die sich für die Players Championship Finals qualifizieren. Das muss kein Alarmzeichen für seine Tour Card sein, zeigt aber: Wer Players-Championship-Events auslässt, verzichtet auf genau jene Preisgelder, die später für einzelne Qualifikationsrennen wichtig werden können.
Für einen Spieler seiner Klasse ist das kurzfristig kein akuter Tour-Card-Alarm. Langfristig bleibt es aber ein Balanceakt. Aspinall kann sich auf der großen Bühne viel holen, doch der Floor ist weiterhin der Ort, an dem wichtige Rankinggrundlagen gelegt werden.
Dartitis-Probleme auf dem Floor
Besonders relevant ist Aspinalls Hinweis auf seine Dartitis-Probleme. Der Engländer erklärte, dass diese auf der ProTour stärker zurückkämen als auf der Bühne. Auf dem Floor werde er sehr nervös, das Umfeld sei für ihn zu intensiv. Wichtig ist dabei: Aspinall spricht selbst über dieses Thema – es geht also nicht um Spekulationen von außen, sondern um seine eigene Erklärung.
Sportlich bleibt der Engländer trotzdem gefährlich. In dieser Saison gewann er bereits den German Darts Grand Prix auf der European Tour, im Finale setzte er sich gegen Kevin Doets durch. An diesem Wochenende soll Nathan Aspinall bei den International Darts Open in Riesa wieder ans Board zurückkehren.
Seine Aussagen zeigen deshalb keinen Spieler, der mit Darts abgeschlossen hat. Sie zeigen eher einen Profi, der sehr genau unterscheidet: große Bühne ja, Floor-Alltag nein. Gleichzeitig bleibt dieser Weg sportlich anspruchsvoll. Aspinall besitzt genug Klasse und Rankingpolster, um sich solche Entscheidungen leisten zu können – aber jeder ausgelassene ProTour-Tag ist auch ein Tag ohne mögliches Rankinggeld. Für die Konkurrenz bleibt er gerade dann gefährlich, wenn die Lichter wieder angehen.










