Martin Schindler hat nach dem deutschen Aus beim World Cup of Darts für Gesprächsstoff gesorgt. Nicht mit einem langen Statement, sondern mit einem Bild: Auf Instagram zeigte der Deutsche eine Verpackung des Winmau Blade X in einer Mülltonne. Im Kontext des bitteren Viertelfinal-Aus gegen die Niederlande wurde der Post schnell als Frustsignal gelesen.
Deutschland hatte das Duell mit Michael van Gerwen und Gian van Veen mit 4:8 verloren. Besonders bitter: In der Schlussphase war das deutsche Duo kurz davor, noch einmal auf 5:7 heranzukommen. Doch ein Dart blieb nicht im Board stecken, sondern fiel heraus. Die mögliche Aufholjagd war damit praktisch beendet.
Schindlers Bouncer als Auslöser für neuen Ärger
Ein Bouncer ist im Darts immer ärgerlich. In einem Viertelfinale vor heimischem Publikum wiegt er aber noch schwerer. Schindler reagierte schon auf der Bühne sichtbar verärgert. Nach dem Match folgte der Instagram-Post mit der Board-Verpackung in der Mülltonne.
Ganz eindeutig war das Bild nicht. Schindler zeigte keine zerstörte Dartscheibe, sondern eine Verpackung. Ob es sich um eine symbolische Reaktion auf den Bouncer oder schlicht um entsorgten Karton handelte, ließ er offen. Der Zeitpunkt des Posts machte die Botschaft nach dem deutschen Aus dennoch deutlich genug.
Dabei ging es nicht nur um eine einzelne Szene. Der Bouncer gegen die Niederlande wurde zum Symbol für eine Diskussion, die schon vor dem World Cup lief. Mehrere Spieler hatten sich in den vergangenen Monaten kritisch über Boards, Bounce-outs und das Gefühl beim Eintritt der Darts geäußert.
Die Board-Debatte begann schon im Frühjahr
Die Kritik am Winmau Blade X kam nicht erst in Frankfurt auf. Schon bei den UK Open rückten auffällige Bounce-outs in den Fokus, unter anderem im Bull-Bereich. Auch Luke Littler war in Minehead von einem kuriosen Bounce-out betroffen, konnte sein Match gegen Josh Rock später aber dennoch gewinnen.
Besonders deutlich wurde Gabriel Clemens. Der „German Giant“ sprach im Podcast Darts auf die 1 über die neuen PDC-Boards und fand klare Worte. „Absolute Katastrophe“, sagte Clemens damals, als er auf die Boards angesprochen wurde. Aus seiner Sicht habe es bei den UK Open sehr viele Bouncer gegeben.
Damit war die Diskussion Monate vor Schindlers Szene angelegt. Auf der einen Seite standen Spieler und Zuschauer, die Probleme im Board oder zu viele abgewiesene Darts wahrnahmen. Auf der anderen Seite verwiesen Hersteller und Partner darauf, dass das Board technisch genau dafür entwickelt worden sei, Bounce-outs zu reduzieren.
Anderson legt beim World Cup nach
Beim World Cup wurde die Debatte erneut größer. Schon nach Schottlands 8:0-Achtelfinalsieg gegen Norwegen hatte Gary Anderson die verwendeten Winmau-Blade-X-Boards scharf angegriffen. „Das sind die schlechtesten Dartboards überhaupt“, sagte Anderson laut Sky Sport nach dem Match. Der zweimalige Weltmeister legte nach: „Fragt irgendjemanden auf der Tour, fragt sogar die PDC, fragt sogar die Hersteller – sie werden euch sagen, dass die Boards absolut schlecht sind.“
Anderson erklärte außerdem, dass er sein Material angepasst habe, weil die Darts seiner Ansicht nach zu gerade ins Board gingen. Deshalb habe er andere Points genutzt, um mehr Winkel in den Eintritt der Darts zu bekommen. Die Kritik betrifft damit nicht nur einzelne Frustmomente, sondern greift direkt in Setup, Vertrauen und Spielgefühl ein.
Winmau weist die Kritik zurück
Winmau hatte die Kritik am Blade X bereits im Frühjahr zurückgewiesen. Nodor-Group-CEO Tom Brown erklärte im Gespräch mit Oche180, statistisch habe das Blade X weniger Bounce-outs als jedes frühere Board. Zugleich räumte er ein, dass solche Szenen nie vollständig auszuschließen seien. Auch nach Andersons Aussagen verteidigte Winmau das Board erneut. Der Hersteller erklärte: „Wir haben Garys Kommentare nach Schottlands fantastischer Leistung beim World Cup of Darts zur Kenntnis genommen. Das Feedback anderer Spieler und unserer Partner bei der PDC zur Performance des Blade X war positiv.“
Damit steht Aussage gegen Wahrnehmung: Auf der einen Seite verweist der Hersteller auf Daten und positives Feedback, auf der anderen Seite stehen sichtbare Frustmomente wie bei Schindler sowie die klare Kritik von Clemens und Anderson.
Sportlich bleibt das deutsche Aus gegen die Niederlande bestehen. Doch der Nachklang des Viertelfinals dreht sich nicht nur um verpasste Chancen, sondern auch um die Frage, ob die aktuellen Boards den Ansprüchen der Profis gerecht werden. Schindlers Instagram-Post hat diese Diskussion noch einmal sichtbar gemacht.










