Die Winter Gardens und Phil Taylor – über viele Jahre gehörte das untrennbar zusammen. Kein Spieler hat das World Matchplay so geprägt wie „The Power“. Die Trophäe trägt mittlerweile seinen Namen, Blackpool wurde zu seinem sportlichen Wohnzimmer.
Doch nun ist Luke Littler dabei, an diesem traditionsreichen Ort seine ganz eigene Geschichte zu schreiben. Der 19-Jährige zog am Donnerstagabend mit einem deutlichen 16:7-Erfolg gegen Josh Rock ins Halbfinale ein. Dabei spielte er einen Average von 109,57 Punkten, warf satte 17-mal die 180 und verwandelte 53 Prozent seiner Versuche auf die Doppel.
Zu Beginn konnte Rock die Partie noch offen gestalten. Nach zehn Legs stand es 5:5, ehe Littler das Tempo noch einmal deutlich anzog. Der Titelverteidiger gewann zunächst eine komplette Session mit 5:0 und baute seine Serie anschließend auf sieben Legs in Folge aus. Rock erhielt während Littlers Fünferlauf nicht einmal einen Versuch auf die Doppel. Aus einem ausgeglichenen Viertelfinale wurde innerhalb kürzester Zeit eine einseitige Angelegenheit.
„Es war wieder ein brillantes Spiel von mir“, erklärte Littler anschließend im Sky-Sports-Interview. „Ich hatte einen 109er-Average, ich glaube einen 113er und jetzt wieder einen 109er. Ich muss einfach versuchen, so weiterzumachen.“ Trotz der Deutlichkeit zollte er seinem Gegner Respekt: „Fair Play an Josh, er hat mir wirklich ein sehr gutes Spiel geliefert. Ich glaube, im dritten Abschnitt habe ich alle fünf Legs gewonnen.“
Schon in der Runde zuvor hatte Littler für einen der großen Momente des Turniers gesorgt. Gegen Nathan Aspinall eröffnete er die Partie direkt mit einem 9-Darter und gewann das Match später mit 11:8. Sein Average von 113,68 Punkten war der zweithöchste, der jemals beim World Matchplay gespielt wurde.
Es war bereits Littlers zweiter 9-Darter in den Winter Gardens. Im Vorjahr hatte er im Halbfinale gegen Josh Rock ebenfalls das perfekte Leg gespielt. Damit ist er nach Phil Taylor erst der zweite Spieler, dem zwei 9-Darter beim World Matchplay gelungen sind – und der erste, der dies in zwei aufeinanderfolgenden Jahren geschafft hat.
Auf die Frage, ob er derzeit die besten Darts seines Lebens spiele, musste „The Nuke“ deshalb nicht lange überlegen. „Ja, momentan fühle ich mich sehr gut. Mein Finishing wird noch besser werden.“ Nach Averages von 109, 113 und erneut 109 Punkten gab er die Zielrichtung für das Halbfinale mit einem Lächeln bereits vor: „Im nächsten Spiel versuchen wir also, besser als 109 zu spielen“, sagte die Nummer 1 der Welt.
Wird aus „Taylor’s Town“ nun „Littler’s Town“?
Nach der nächsten herausragenden Vorstellung rückte schließlich die besondere Beziehung zwischen einem Spieler und den Winter Gardens in den Mittelpunkt. Blackpool galt lange als „Taylor’s Town“. Doch angesichts von Littlers Leistungen wurde er gefragt, ob sich der traditionsreiche Austragungsort langsam in „Littler’s Town“ verwandle.
Der Engländer wollte noch nicht ganz so weit gehen – ließ die Tür aber weit offen. Er sagte im weiteren Verlauf des Gespräch: „Ja, ich meine, es ist ein sehr guter Austragungsort für mich. Meine größten Erfolge hatte ich wahrscheinlich bisher im Alexandra Palace bei den Weltmeisterschaften.“ und fügte hinzu: „Aber wer weiß: Sollte ich hier tatsächlich den Pokal gewinnen, könnte es mein Lieblingsort werden. Jetzt erhole ich mich erst einmal, und dann kommen wir in ein paar Tagen wieder hierher zurück.“
Noch gehört Blackpool in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem Phil Taylor. Doch „The Nuke“ sammelt Argumente, die Winter Gardens ebenfalls zu seinem sportlichen Zuhause zu machen: der erste Titel, zwei 9-Darter, historische Averages und nun die nächste dominante Vorstellung. Auf dem Weg zur erfolgreichen Titelverteidigung wartet als Nächstes Dirk van Duijvenbode. Der Niederländer setzte sich in seinem Viertelfinale mit 16:13 gegen Gary Anderson durch, nachdem er zwischenzeitlich bereits mit 15:8 geführt hatte.
Der zweifache Weltmeister weiß, wie er den Niederländer unter Druck setzen möchte. „Ich denke, ich muss früh gegen ihn in Führung gehen..“ Gelingt ihm das erneut, fehlt Littler nur noch ein Sieg zum nächsten Finale in Blackpool. Und sollte er am Ende tatsächlich wieder die Phil Taylor Trophy in die Höhe stemmen, dürfte die Frage nach „Littler’s Town“ noch ein gutes Stück lauter werden.










