Luke Littler will in den „PDC-Keller“ steigen

Nach seiner Rekordwoche beim World Matchplay führt der Weg für Luke Littler nicht in den Urlaub, sondern zurück auf den Floor. Der 19-Jährige will auch 2026 bei den Players Championship Finals antreten und seinen Titel in Minehead verteidigen. Dafür muss der Weltranglistenerste allerdings zunächst Preisgeld bei den verbliebenen Players Championships sammeln. Vier Turniere in Leicester hat „The Nuke“ fest ins Visier genommen – sehr zur Freude der PDC, aber offenbar weniger zur Freude seines Vaters.

Luke Littler hatte das World Matchplay mit einem deutlichen 18:9 gegen Gerwyn Price gewonnen. Im Finale spielte er einen Rekordaverage von 111,53 Punkten, über das gesamte Turnier kam er auf den historischen Bestwert von 111,04 Punkten. Hinzu kamen 66 geworfene 180er und ein Neun-Darter gegen Nathan Aspinall. Nach neun Tagen in den Winter Gardens wartet nun jedoch eine völlig andere Dartswelt.

„Eine der besten Wochen meines Lebens“

Im Interview mit Sky Sports bezeichnete Littler seine Titelverteidigung als eine der besten Wochen seines bisherigen Lebens. Die Zahlen ließen seine Auftritte teilweise mühelos erscheinen, auf der Bühne habe sich die Woche jedoch deutlich schwieriger angefühlt.

„Ich habe einige der besten Darts meines Lebens gespielt“, erklärte Littler. Die hohen Temperaturen in den Winter Gardens und die Qualität seiner Gegner hätten ihm dennoch alles abverlangt. Gleichzeitig habe er in Blackpool vermutlich die bislang beste Version seiner selbst gezeigt.

Dabei geht es für Littler längst nicht mehr nur um einzelne Titel. Der Engländer hat alle fünf großen Einzelturniere gewonnen, die im bisherigen Saisonverlauf ausgetragen wurden: die Weltmeisterschaft, das World Masters, die UK Open, die Premier League und das World Matchplay. Hinzu kommt der gemeinsam mit Luke Humphries errungene Titel beim World Cup.

Sein nächstes Ziel ist deshalb außergewöhnlich: Littler möchte sämtliche großen PDC-Titel innerhalb eines Kalenderjahres gewinnen. Dass dieser Clean Sweep tatsächlich sein erklärtes Ziel ist, hatte der Weltmeister bereits nach seiner erfolgreichen Titelverteidigung bei den UK Open bestätigt. Von Sky Sports auf den möglichen Gewinn aller großen PDC-Trophäen angesprochen, antwortete er: „Das ist natürlich das große Ziel.“

Ein solcher Sweep wäre nicht gänzlich ohne Vorbild. Phil Taylor gewann 2002 alle vier damals ausgetragenen großen PDC-Fernsehturniere. Sein Vorhaben besitzt jedoch eine völlig andere Dimension: Rechnet man den World Cup und die World Series Finals ein, umfasst der heutige Kalender elf große PDC-Titel.

Zu seiner Jagd nach diesem historischen Major-Sweep gehören auch die Players Championship Finals Ende November in Minehead. Dort würde er als Titelverteidiger antreten – sofern er sich überhaupt qualifiziert. Denn seine Erfolge auf den großen TV-Bühnen bringen ihm in der entscheidenden Rangliste keinen einzigen Pfund ein.

Vom Weltranglistenersten zum Unplatzierten

Die Qualifikation erfolgt ausschließlich über die Players Championship Order of Merit. Nur die 64 erfolgreichsten Spieler der insgesamt 34 Floor-Turniere erhalten einen Startplatz in Minehead.

Die Ausgangslage könnte kaum gegensätzlicher sein: In der PDC Order of Merit steht Littler mit riesigem Vorsprung an der Spitze, in der Players Championship Order of Merit wird er dagegen auf dem 149. Rang geführt. Da er 2026 noch kein Turnier der Serie bestritten hat, steht sein Preisgeldkonto bei null Pfund.

Der derzeitige 64. Rang wird von Brendan Dolan mit 22.750 Pfund gehalten. Dahinter folgen drei weitere Spieler mit derselben Summe. Diese Grenze ist allerdings nur eine Momentaufnahme. Da noch zehn Players Championships ausgetragen werden, dürfte der endgültige Cut-off weiter steigen. Sky Sports rechnet unter Berücksichtigung der erhöhten Preisgelder mit einer Qualifikationsgrenze von ungefähr 30.000 Pfund.

So wird das Preisgeld bei jedem Players Championship verteilt:

Platzierung Preisgeld
Turniersieg 15.000 Pfund
Finale 10.000 Pfund
Halbfinale 6.500 Pfund
Viertelfinale 4.000 Pfund
Achtelfinale 3.000 Pfund

Das Preisgeld pro Turnier wurde 2026 auf insgesamt 150.000 Pfund erhöht.

Bereits ein Turniersieg und ein weiteres Finale würden Littler 25.000 Pfund einbringen. Damit läge er über der heutigen Grenze, wäre angesichts des erwarteten Anstiegs aber vermutlich noch nicht sicher qualifiziert. Zwei Turniersiege ergäben genau 30.000 Pfund. Alternativ würden ein Sieg, ein verlorenes Finale und eine Halbfinalteilnahme zusammen 31.500 Pfund bringen.

Wie anspruchsvoll die Aufgabe ist, zeigt ein anderes Beispiel: Selbst vier Halbfinalteilnahmen wären lediglich 26.000 Pfund wert und könnten für Minehead zu wenig sein. Jeder frühe Ausrutscher würde somit den Druck auf die verbleibenden Turniere erheblich erhöhen.

Spanien muss warten – Leicester ruft

Die beiden Wettbewerbe am 28. und 29. Juli in Hildesheim lässt Littler aus. Seine nächsten Möglichkeiten bieten sich damit bei Players Championship 27 und 28 am 25. und 26. August in Leicester. Zwei weitere Turniere am selben Ort folgen am 4. und 5. November. Es sind die letzten beiden Wettbewerbe der Serie und damit Littlers endgültige Chancen, noch Preisgeld für die Qualifikation zu sammeln.

Eigentlich hatte Littler für diesen Zeitraum andere Pläne. „Ich glaube nicht, dass mein Vater besonders glücklich ist. Wir wollten eigentlich nach Spanien, aber jetzt fahren wir für einige ProTours nach Leicester“, sagte der Weltmeister nach seinem Matchplay-Triumph.

Littler verfolgt die Rangliste nach eigener Aussage bereits aufmerksam. Vier Veranstaltungen in Leicester müsse er nun spielen. „Wenn ich mich nicht qualifiziere, werde ich dafür kritisiert. Wenn ich mich qualifiziere, wahrscheinlich ebenfalls“, erklärte der 19-Jährige.

Seine Aussage klingt beinahe so, als ließe sich die Qualifikation mit vier kurzen Abstechern nach Leicester erledigen. Doch der Floor kennt keinen Bonus für Weltmeister. In einem Feld mit 128 Spielern benötigt Littler sieben Siege an einem Tag, um ein Turnier zu gewinnen. Zahlreiche Partien laufen gleichzeitig, die Pausen sind kurz und bereits eine schwächere Runde kann den gesamten Plan verändern.

Der Floor ist nicht einfach die kleinere Bühne, sondern häufig die schärfere Prüfung. Die Leistungsdichte ist enorm, gefährliche Gegner warten bereits zum Auftakt und die kurzen Distanzen lassen deutlich weniger Zeit für Korrekturen als ein langes Match in den Winter Gardens.

Die vier Turniere in Leicester werden deshalb zu mehr als gewöhnlichen ProTour-Terminen. Sie entscheiden darüber, ob Littler vom 27. bis 29. November in Minehead überhaupt die Möglichkeit erhält, seinen nächsten Titel zu verteidigen. Nach seiner Rekordshow auf der großen Bühne muss „The Nuke“ nun beweisen, dass seine außergewöhnliche Form auch im PDC-Keller Bestand hat.

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