Luke Humphries hat einen konsequenten Weg gefunden, um dem zunehmenden Druck im professionellen Dartsport zu entkommen. Sobald der Weltranglistenzweite das Oche verlässt und zu seiner Familie zurückkehrt, spielt sein Beruf keine Rolle mehr. Er schaut keine Übertragungen, verfolgt keine Nachrichten und sucht auch nicht im Internet nach Meldungen über den Sport. Sein Zuhause bezeichnet er deshalb als „Darts-freien Haushalt“.
Für den 31-Jährigen ist die klare Trennung zwischen Karriere und Privatleben inzwischen unverzichtbar geworden. Bei einem Turnier konzentriere er sich vollständig auf seine Aufgabe und investiere alles in seine Leistung. Zu Hause wolle er dagegen Ehemann und Familienvater sein, ohne sich weiter mit Ergebnissen, Gegnern oder der nächsten Veranstaltung zu beschäftigen. „Wenn ich beim Darts bin, konzentriere ich mich voll darauf und gebe alles“, erklärte Luke Humphries gegenüber SportBreaks. „Wenn ich zu Hause bei meiner Familie bin, schaue ich kein Darts und denke auch nicht darüber nach.“
Auch die Suche nach Berichten und Reaktionen vermeidet „Cool Hand Luke“ bewusst. Er wolle verhindern, dass ihn der Sport selbst nach einem Turnier weiter begleitet. „Ich suche nichts über Darts. Für mich ist es ein Darts-freier Haushalt“, sagte der Engländer. Diese Trennung helfe ihm dabei, Abstand zu gewinnen und mit der Belastung an der Spitze des PDC-Systems umzugehen.
Der Druck habe sich durch die stark gestiegene Popularität des Dartsports noch einmal deutlich verändert. Er und Luke Littler stehen mittlerweile bei nahezu jeder öffentlichen Äußerung unter Beobachtung. Selbst gewöhnliche Beiträge in den sozialen Netzwerken würden schnell aufgegriffen und zur Schlagzeile gemacht.
„Es lastet viel auf deinen Schultern“, erklärte die Nummer 2 der Welt. Es gebe inzwischen deutlich mehr Medien, die nahezu alles aufgreifen würden. „Wenn Luke Littler oder ich etwas in den sozialen Medien veröffentlichen, ist es eine Nachricht. Eigentlich ist es keine Nachricht, aber durch die Größe des Dartsports wird es dazu.“
Humphries hat den Wandel selbst in kurzer Zeit erlebt. Seit seinem Durchbruch im Herbst 2023 gewann der Engländer acht große Einzel-Majors, darunter die Weltmeisterschaft, den World Grand Prix, den Grand Slam und das World Matchplay. Dazu entwickelte er sich zu Littlers größtem sportlichen Rivalen. Die beiden standen sich mehrfach in bedeutenden Endspielen gegenüber und prägen inzwischen zahlreiche große PDC-Turniere.
Mit den Erfolgen wuchs jedoch auch die Erwartungshaltung. Er räumt ein, dass dieser Druck belastend sein könne. Vollständig vermeiden lasse er sich an der Weltspitze nicht. Mit zunehmender Erfahrung lerne man allerdings, besser damit umzugehen und die öffentliche Aufmerksamkeit richtig einzuordnen.
Humphries warnt junge Spieler vor dem Littler-Vergleich
Neben seinem persönlichen Umgang mit dem Druck richtete Humphries auch eine deutliche Botschaft an die nächste Generation. Viele Nachwuchsspieler würden sich an den außergewöhnlichen Karrieren von ihm und Littler orientieren. Besonders Littlers rasanter Aufstieg könne jedoch Erwartungen erzeugen, die kaum zu erfüllen seien.
Wer im Sport erfolgreich sein wolle, müsse einen großen Teil seines Lebens investieren. Gleichzeitig sei es ein Fehler, den eigenen Fortschritt ausschließlich mit den Erfolgen anderer Spieler zu vergleichen. „Viele schauen auf mich und Luke und wollen erreichen, was wir erreicht haben“, sagte Humphries. Es sei jedoch äußerst schwierig, die Karriere eines anderen Spielers zu kopieren.
„Man muss seinen eigenen Weg gehen“, stellte der ehemalige Weltmeister klar. Gerade junge Spieler würden Littlers Entwicklung sehen und glauben, sie müssten dieselbe Laufbahn einschlagen. Wenn sie in einem bestimmten Alter noch nicht die gleichen Erfolge vorweisen könnten, betrachteten sie ihre eigene Karriere zu schnell als gescheitert.
Humphries widerspricht dieser Sichtweise. Ein Spieler müsse weder Weltmeister werden noch zahlreiche Major-Titel gewinnen, um sich im Dartsport eine erfolgreiche Existenz aufzubauen. Auch kleinere sportliche Schritte, regelmäßige Preisgelder und ein einzelner großer Turniersieg könnten eine Karriere entscheidend verändern.
Auf der Bühne will Luke Humphries weiterhin um die wichtigsten Titel kämpfen. Zu Hause zieht er dagegen eine klare Grenze. Die „Darts-freie Zone“ gibt ihm den notwendigen Abstand von Ergebnissen, Schlagzeilen und den ständigen Vergleichen mit Littler – und damit die Möglichkeit, beim nächsten Turnier wieder vollständig fokussiert ans Oche zurückzukehren.










