Luke Humphries: Warum der Titelverteidiger plötzlich Favorit ist

Luke Humphries geht mit viel Rückenwind in die Premier League Finals Night im Londoner O2. Der Titelverteidiger war lange nicht sicher für die Play-offs qualifiziert, kommt nun aber mit dem vielleicht stärksten Momentum aller vier Finalisten nach London.

Der frühere Weltmeister erreichte an den letzten vier Spieltagen jeweils das Finale, gewann in Birmingham sogar den Abend und sicherte sich in Sheffield schließlich Platz drei in der Tabelle. Damit trifft Luke Humphries im zweiten Halbfinale auf Jonny Clayton. Im ersten Halbfinale stehen sich Tabellenführer Luke Littler und Gerwyn Price gegenüber.

Humphries dreht rechtzeitig auf

Noch vor wenigen Wochen war die Ausgangslage für Humphries deutlich unangenehmer. Der Engländer musste um seinen Platz unter den besten Vier kämpfen, während Littler, Clayton und Price phasenweise sicherer wirkten. Doch ausgerechnet im letzten Abschnitt der Ligaphase fand der Titelverteidiger wieder zu jener Form, die ihn auf der großen Bühne so gefährlich macht.

Sky-Sports-Experte Wayne Mardle sieht Humphries deshalb inzwischen als den Spieler, den es zu schlagen gilt. „Ich habe keine Ahnung, wer gewinnt, aber wegen der aktuellen Form gehe ich mit Humphries“, sagte er. Besonders beeindruckt zeigte er sich davon, wie der Engländer die vergangenen Wochen angenommen hat: „Es wäre leicht gewesen einzubrechen, aber er hat gezeigt, dass er ein absoluter Champion ist.“

Auch sportlich gibt es starke Argumente. In Sheffield schlug Humphries Littler im Halbfinale klar mit 6:1 und gewann dabei sechs Legs in Serie. Schon zuvor hatte er in Birmingham gegen Littler ebenfalls sechs Legs nacheinander geholt. Gerade diese direkten Ausrufezeichen gegen den Tabellenführer verändern die Wahrnehmung vor dem Finalabend.

Scoring macht den Titelverteidiger so gefährlich

Besonders sein Scoring macht Humphries aktuell so gefährlich. Mardle bezeichnete ihn bei Sky Sports als „einen der besten Scorer der Welt“ und ergänzte, der Titelverteidiger sei in dieser Hinsicht einer der besten Spieler, die er seit längerer Zeit gesehen habe. Wenn Humphries seinen Rhythmus finde, seien seine Aufnahmen mit zwei oder drei Treffern im Triple-Segment besser als bei jedem anderen Spieler – „und da schließe ich Littler mit ein“, sagte Mardle.

Genau darin liegt vor der Finals Night die Gefahr für die Konkurrenz. Luke Humphries muss nicht zwingend über lange Phasen spektakulär wirken, wenn er mit konstantem Druck immer wieder früh auf Finish kommt. In den vergangenen Wochen war genau das zu sehen: weniger Schwankungen, mehr Kontrolle, mehr Druck auf die gegnerischen Anwurflegs.

Clayton bleibt die schwere Hürde

Trotzdem ist der Weg zum Titel alles andere als frei. Jonny Clayton spielte eine starke Premier-League-Saison, gewann mehrere Abende und beendete die Ligaphase als Zweiter. Der Waliser galt vor Saisonbeginn nicht als sicherer Play-off-Kandidat, hat sich aber über 16 Wochen als einer der stabilsten Spieler im Feld behauptet.

Auch Mardle warnte davor, Clayton zu unterschätzen. Der Waliser laufe „unter dem Radar“, könne im O2 aber erneut „durchmarschieren“, wenn er einen weiteren starken Donnerstag erwische. Gerade deshalb geht es für Humphries heute Abend zuerst um Clayton, nicht um ein mögliches Finale gegen Littler oder Price.

Die Formkurve spricht dennoch für den Titelverteidiger. Humphries kommt nicht als Tabellenführer ins O2, aber als Spieler mit dem stärksten Endspurt. Genau deshalb ist er plötzlich mehr als nur der amtierende Champion – er ist wieder einer der großen Favoriten auf die Premier-League-Krone.

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