Luke Humphries hat Players Championship 17 in Leicester mit einer Leistung gewonnen, die in Zahlen fast noch deutlicher wirkt als im reinen Ergebnis. Der Engländer setzte sich im Finale mit 8:4 gegen Jermaine Wattimena durch und holte seinen nächsten Titel auf der ProTour. Doch entscheidend war nicht nur, dass Humphries gewann. Entscheidend war, wie konstant er diesen Turniertag kontrollierte.
Schon in der ersten Runde setzte Humphries das erste Ausrufezeichen. Beim 6:3 gegen Rhys Griffin spielte er einen Average von 112,18 Punkten – den höchsten Wert des gesamten Turniers. Es war kein einzelner Ausreißer. In sechs seiner sieben Partien lag Humphries über der Marke von 100 Punkten im Schnitt. Gleich fünf seiner Auftritte landeten unter den 15 höchsten Averages des Tages.
Humphries dominiert nicht nur das Finale
Der Finalsieg gegen Wattimena war der sichtbare Abschluss eines außergewöhnlichen Tages. Humphries spielte sich aber nicht erst am Abend in den Vordergrund. Seine Dominanz zog sich durch das gesamte Turnier.
Das macht den Erfolg so auffällig. Auf der ProTour können einzelne starke Momente reichen, um ein Turnier zu drehen. Humphries lieferte in Leicester jedoch mehr als ein paar gute Legs zur richtigen Zeit. Er hielt sein Niveau über viele Runden hinweg hoch und zeigte damit genau jene Stabilität, die ihn in seinen besten Phasen so schwer zu schlagen macht.
Für Humphries war es der zweite Players-Championship-Titel des Jahres und der sechste seiner Karriere. Die nackte Bilanz ist stark, aber sie erzählt nur einen Teil der Geschichte. Wichtiger ist der Eindruck, den dieser Sieg hinterlässt: Humphries wirkte wieder wie ein Spieler, der einen langen Floor-Tag nicht nur übersteht, sondern prägt.
Fünf Top-Averages zeigen die Konstanz
Besonders deutlich wird das beim Blick auf die Average-Liste. Humphries tauchte gleich fünfmal unter den besten 15 Werten des gesamten Turniers auf. Das ist auf der ProTour bemerkenswert, weil dort über sieben Matches hinweg kaum Raum für Leerlauf bleibt.
Der höchste Wert kam direkt zum Auftakt gegen Griffin. Später folgten weitere starke Leistungen, darunter Averages von 109,11, 105,64, 104,89 und 103,83 Punkten. Dass Humphries nicht nur einmal explodierte, sondern wiederholt in diesen Bereich kam, macht den Unterschied.
Genau darin liegt die eigentliche Aussage des Tages. Humphries musste nicht darauf hoffen, dass ein einzelnes Topspiel ihn durch das Turnier trägt. Er hatte über weite Strecken ein Niveau, mit dem er fast jeden Gegner unter Druck setzt. Wer auf der ProTour mehrfach deutlich über 100 spielt, zwingt die Konkurrenz zu Antworten – und viele fanden gegen Humphries keine.
Der Nijman-Sieg wird zum Schlüsselmoment
Trotz der starken Zahlen war nicht der höchste Average das wichtigste Match des Tages. Der Sieg gegen Wessel Nijman hatte für Humphries eine besondere Bedeutung. Nijman gehört auf dem Floor zu den gefährlichsten Spielern überhaupt und kann an solchen Tagen selbst jeden Gegner aus dem Turnier nehmen.
Im PDC-Siegerinterview erklärte Humphries: „Nach dem Spiel gegen Wessel Nijman hatte ich das Gefühl, dass es mein Tag werden würde.“ Schon zuvor habe er innerhalb seiner Familie gespürt, dass dieser Turniertag in eine besondere Richtung laufen könnte. „Ich habe früher am Tag zu ein paar Familienmitgliedern gesagt: Das fühlt sich wie einer dieser Tage an, an denen alles passt. Und wenn das passiert, sieht jeder, wozu ich imstande bin.“
Gerade dieses Match macht den Titel sportlich interessant. Humphries spielte gegen Nijman nicht seinen höchsten Average. Mit rund 94 Punkten im Schnitt lag er deutlich unter seinen Topwerten des Tages. Trotzdem blieb er stabil, gewann das Spiel und zog daraus sichtbar Vertrauen.
Auch das B-Game reicht zum Weiterkommen
Für die Konkurrenz ist genau dieser Punkt unangenehm. Humphries war in Leicester nicht nur gefährlich, wenn alles perfekt lief. Er überstand auch die Phase, in der sein Niveau etwas absank.
„Das war im Grunde mein B-Game, und selbst damit habe ich ziemlich überzeugend gewonnen“, sagte Humphries im PDC-Siegerinterview. Danach sei sein Niveau wieder gestiegen. Gegen Nijman habe er gespürt, dass es enger wurde, „aber ich habe mich durchgebissen“.
Das ist mehr wert als ein weiterer hoher Average. Ein dominanter Turniertag besteht nicht nur aus spektakulären Zahlen. Er besteht auch aus den Matches, in denen ein Spieler nicht am Limit spielt und trotzdem nicht aus dem Rhythmus fällt. Genau das gelang Humphries gegen Nijman. Er verlor die Kontrolle über den Tag nicht, obwohl sein Spiel kurzzeitig weniger brillant war.
Wattimena und Doets unterstreichen das Niveau
Auch der Blick auf die Konkurrenz zeigt, wie hochwertig dieser Titel war. Jermaine Wattimena erreichte nicht nur das Finale, sondern spielte selbst einen starken Tag. Im Halbfinale setzte sich der Niederländer mit 7:1 gegen Kevin Doets durch und kam dabei auf einen Average von 111,05 Punkten.
Doets bestätigte ebenfalls seine gute Form. Der Niederländer erreichte erneut ein Halbfinale und hatte zuvor Dirk van Duijvenbode mit 6:4 geschlagen. In diesem Viertelfinale spielte Doets einen Average von 107,53 Punkten. Auch Damon Heta tauchte mit 107,48 Punkten weit vorne in der Tagesstatistik auf.
Humphries gewann also kein Turnier, in dem die Konkurrenz schwächelte. Mehrere Spieler lieferten Averages, die an vielen anderen Tagen als Hauptgeschichte gereicht hätten. Trotzdem blieb Humphries der prägende Spieler von Players Championship 17. Genau das macht seine Leistung so deutlich.
Ein Signal vor der Premier-League-Entscheidung
Der Zeitpunkt verstärkt die Wirkung dieses Sieges. Humphries hat den Titel wenige Tage vor dem letzten regulären Premier-League-Abend gewonnen. Die Finals Night in der Londoner O2 Arena rückt näher, und für Humphries kommt dieser Formnachweis genau im richtigen Moment.
Im PDC-Siegerinterview blickte Humphries bereits auf die kommenden Tage. „Morgen lege ich einen Ruhetag ein, danach fokussiere ich mich komplett auf Donnerstag. Ich möchte diesen guten Flow beibehalten“, sagte der Engländer. Auch deshalb wirkt sein Verzicht auf Players Championship 18 logisch: Humphries hat in Leicester genug gezeigt, um mit frischem Selbstvertrauen in die Premier-League-Woche zu gehen.
Natürlich ist ein Floor-Titel nicht automatisch ein Beweis dafür, dass Humphries auch auf der großen Bühne wieder alles kontrolliert. Aber er ist ein deutliches Zeichen. Wenn Humphries über einen kompletten ProTour-Tag so konstant punktet, sein Topniveau mehrfach abruft und selbst mit einem schwächeren Match nicht aus dem Turnier fällt, verändert sich seine Ausgangslage.
Luke Humphries hat Players Championship 17 nicht nur gewonnen. Die Zahlen zeigen seine Dominanz, der Nijman-Sieg zeigt seine Widerstandsfähigkeit. Genau diese Kombination macht Humphries vor der Premier-League-Entscheidung wieder zu einem der gefährlichsten Spieler im Feld.







